Kennen Sie Herrn Klotzweiler?

9. Mai 2006.

Kennen Sie nicht?
Natürlich nicht. Den habe ich erfunden.

Aber von Herrn Gatzweiler haben Sie vielleicht schon gehört. Über ihn wird viel geschrieben, – weil, er klotzt gerne.  

Der  Geschäftsführer der Bundeskunsthalle ist mit großem Geschäftsinn ausgestattet und einer effektiven Resistenz gegenüber störenden Einflüssen und Ansprüchen aus der Kultur.

Für die Kultur sind andere zuständig bei der Bundeskunsthalle und die  haben wohl einst einen großen Fehler gemacht. Geduldig haben sie Herrn G. erklärt, dass seine Wirkungsstätte ein städtebauliches Juwel sei, das viele Menschen von nah und fern anziehe, nicht alleine der Ausstellungen wegen. Man hat ihm Architekturführer gezeigt und Reiseführer, in denen das Ensemble von Axel Schultes Kunstmuseum und Gustav Peichls Bundeskunsthalle als überaus sehenswert und architekturgeschichtlich beispielhaft gepriesen wird.  

Was sind die Menschen doch komisch, wird sich Herr Gatzweiler da gedacht haben, ich sehe nur viel Wandfläche, einen Platz und 16 rostige Stangen. Aber schließlich hat er doch genickt und sich gesagt, da kann man was draus machen. Das schnöde Freigelände in Pützchen macht auch keinen besonderen Eindruck, solange nicht Pützchens Markt stattfindet. Also hat Herr G. ein J.R.-Lächeln aufgesetzt, in die Hände gespuckt und sich ans Werk gemacht.

So oder ähnlich muß es gewesen sein, denn nach und nach füllte sich der Museumsplatz mit allerlei Absonderlichkeiten, immer nah am Vorbild von Pützchens Markt oder einem beliebigen Stadtrand-Gewerbegebiet . Reihen weißer Zelte, Modell Baumarkt Partyzelt ?Kost? nix?, ein Kartenverkaufsbude mit der Anmutung eines ostzonalen Grenzhäuschens, Bierwagen mit lustig sich drehenden Neon-Werbetafeln für Getränkefirmen, mobile Toilettenhäuschen und so weiter, u.s.f.

Und die Bundeskunsthalle selber? Sie wurde erfolgreich mit übergroßen bunten Stofflappen voll mit banalen Werbebotschaften der vornehmlich lokalen Wirtschaft verhüllt ( Verhüllen? Das hat doch dieser Christo auch gemacht…) und die architektonisch so markante Freitreppe zum Dachgarten der Bundeskunsthalle entzieht sich mittlerweile ganzjährig den Blicken der Öffentlichkeit hinter der Zeltdachkonstruktion, die ursprünglich lediglich während der Konzertsaison aufgebaut sein sollte. Die Stadt sieht es nicht gerne, aber was soll man machen, es ist schließlich Gatzweiler.
Die Metamorphose vom Kulturraum zur Event-Location war vollzogen. Gelungen vollzogen, da ist sich sicher Herr G. ganz sicher, vor allem für rundum zufriedene wie eigennützige Sponsoren.

Und so nimmt es nicht Wunder, daß inzwischen zur besinnlichen Adventszeit  sogar  der amerikanische Weihnachtsmann mit seinem Coca-Cola-Truck im Gatzweilerland Station macht. Hei, wie das funkelt und glitzert zwischen dem bunten Lichterketten des knallroten Coca-Cola Truck und der grellen Beleuchtung der Eislaufbahn. Momente in denen das J.R.-Lächeln aus Gatzweilers Gesicht rührenden Zügen weicht und ein Glitzern in seine Augen tritt. Was ist schon Pützchens Markt? Hier ist ihm ein echtes Kunststück gelungen und dann nippt er versonnen an einer Dose Cola-Brause. Ein Kindertraum ist in Erfüllung gegangen.

Aber Herr Gatzweiler wäre nicht Herr Gatzweiler, beließe er es bei halben Sachen.  Mehr Bunt, noch glücklichere Sponsoren und weniger Kultur, die ohnehin niemand versteht. Eine direktere Verbindung zwischen Kunst und Kommerz muß her, am besten physisch-symbiotisch. Herr G. hat da so seine Vorstellungen:  Kunst am Bau, Symbol für die sechszehn Bundesländer? Pah, ach was,  die rostigen Stelen vor der Bundeskunsthalle waren ihm schon immer ein Dorn im Auge. Als Zeltstangen für seine Zeltdachkonstruktion waren sie leider nicht zu gebrauchen, der Abbau zu  teuer. Nun aber hatte Herr G. eine Idee. Flugs wurden Handwerker beauftragt . Dicke Dübel wurden in die Stelen getrieben und riesengroße Metallrahmen zwischen die Säulen vor dem Museumsplatz montiert. Träger für Plakate, so groß, daß den Zaungästen, der Museumsplatzkonzerte schon endgültig die Lust am Zaungastsein vergehen würde. Hei, wie da die Funken sprühen – und bedenke die Möglichkeiten: Erst Plakate für die Guggenheim-Ausstellung und später dann Sponsoren-Werbung so groß wie Scheunentore. Deutsche Telekom/Platz der Vereinten Nationen, Deutsche Telekom/Ollenhauerstraße, Deutsche Telekom/Bundeskunsthalle und zur Weihnachtszeit dann große LCD-Bildschirme, die den Weg des Cola-Cola-Truck von Disneyland bis Gatzweilerland verfolgen. Von der Regierungsallee/Museumsmeile zur Werbemeile.  Kunst und Kommerz direkt physisch miteinander verbunden. Das hat Klotzweiler-Format.

Doch hei, der Daus, noch trunken von seiner genialen Vermarktungsidee hat Herr G. ganz vergessen, den weltberühmten Architekten der Bundeskunsthalle, Gustav Peichl in Wien  zu fragen, was er von seiner Idee hält und auch mit der Stadt hat er nicht gesprochen. Vergessen? Pah, ach was. Bisher hat die Grober Klotz-Strategie doch immer funktioniert. Zuletzt, als sich Geschäftemacher Gatzweiler über die Geschäftemacherei der benachbarten Parkhausbetreiber geärgert hat. Da hat er einfach den Museumsplatz zum großen Parkplatz für die Museumsbesucher umfunktioniert, was er ohne Genehmigung der Stadt natürlich nicht durfte. Die Stadt war konsterniert. Aber was soll man machen, schließlich ist es Gatzweiler. Also wurde ein wenig untersagt, ein wenig geduldet und schließlich bekam Herr G. von der Oberbürgermeisterin vorübergehend einen städtischen Platz als für die autofahrenden Gäste der Bundeskunsthalle  zur Verfügung gestellt, damit Herr G. seinen Ärger über die Parkhausbetreiber ausleben konnte.

Und wie wird es diesmal sein? Architekt Gustav Peichl erwägt rechtliche Schritte gegen den Frevel an seinem Werk. Und die Stadt? Bisher hat sie sich nicht gerührt….

Artikel zum gleichen Thema

Zum Artikelarchiv ...

Vorheriger Artikel:

Nächster Artikel:

Artikel RSS
Kommentare RSS
rhein:raum Twitter