Umbau der Kennedybrücke: Stadt will bei der Sicherheit für Radfahrer/innen sparen!

3. Februar 2007.

Soweit die positive Meldung. Weniger schön ist, dass bei der Verteilung der auf der neuen Brücke zur Verfügung stehenden Flächen auf die verschiedenen Verkehrsarten die umweltfreundlichen Verkehrsteilnehmer Fußgänger und Radfahrer schlecht abgeschnitten haben. Während dem Autoverkehr entgegen dem Vorschlag des Verkehrsgutachters Baum wieder 2 Fahrspuren in beide Richtungen eingeräumt werden, sind für die Rad- und Fußwege auf jeder Seite jeweils nur 2 Meter mit einem Trennstreifen von 30 cm eingeplant. Sowohl ADFC als auch das Bonner Verkehrsforum hatten in der Planungsphase vehement 2,50 Meter jeweils für Radweg und Fußweg mit einem Trennstreifen von 50 cm gefordert.

Nun versucht die Stadtverwaltung auch noch, diese faulen Kompromisse auf Kosten der Sicherheit der Radfahrer aufzuweichen. Im Schnelldurchgang wird zurzeit eine Beschlussvorlage zur Gestaltung der Kennedybrücke durch Projektbeirat, verschiedene Ausschüsse und Bezirksvertretungen gejagt, um vor dem Baubeginn noch wichtige Details festzulegen: http://www.bonn.de/bo_ris/daten/o/htm/07/0710088.htm

Hierin schlägt die Verwaltung vor, auf das bisher geplante Trenngeländer zwischen Radweg und Fahrbahn zu verzichten. 175.000 Euro würden dadurch eingespart, bei Baukosten von insgesamt mehr als 38 Mio. Euro. Das Perfide an dem Vorschlag der Verwaltung ist die Absicht, mit diesem eingesparten Geld schon mal einen Teil eines neu geplanten ca. 350.000 Euro teuren „Lichtbandes“ im Handlauf des Brückengeländers zu finanzieren. Mit anderen Worten: wir sparen an der Sicherheit der Radfahrer/innen, damit wir uns ein schickes „Lichtband“ leisten können!

Beschönigend erklärt die Verwaltung in der Beschlussvorlage, die Sicherheit der Radfahrer sei durch einem 75 cm breiten „Schutzstreifen“ zwischen Radweg und Fahrbahn ausreichend gewährleistet. Dieser „Schutzstreifen“ ist allerdings nichts anderes als der notwendige Raum zur Installation der Licht- und Oberleitungsstelen. Diese müssen ca. 30 -40 cm von der Bordsteinkante stehen und haben eine Durchmesser von knapp 40 cm, macht summa summarum 75 cm. Der Radweg wird also durch diese Masten haarscharf begrenzt, von einem „Schutzstreifen“ kann nicht gesprochen werden.

Schon 2 Radfahrer/innen sind auf der Kennedybrücke zu Tode gekommen, weil sie vom Radweg auf die Fahrbahn gestürzt sind und von Bussen überrollt wurden. Der Abstand von 75 cm zwischen Radweg und Fahrspur allein wird einen solchen Unfall nicht verhindern können. Es ist zu berücksichtigen, dass auf beiden Seiten der Kennedybrücke Zweirichtungs-Radwege angelegt werden. Dies führt zwangsläufig immer wieder zu spontanen Ausweichmanövern von Radfahrern. Auch ein absichtliches oder unabsichtliches Umstoßen durch Fußgänger kann nicht ausgeschlossen werden, wie der letzte Unfall gezeigt hat. Nur mit einem Trenngeländer zwischen Radweg und Fahrspur sind solche tödliche Unfälle in der Zukunft auszuschließen. Dieses Geländer muss zwischen die Licht- und Oberleitungsstelen in der Flucht zur Fahrbahn gebaut werden, so dass keine weitere Einengung des Radweges entsteht.

Der Bauausschuss hat dem Vorschlag der Verwaltung am 10. Januar schon zugestimmt, Projektbeirat Kennedybrücke, Planungsausschuss und beide Bezirksvertretungen müssen noch beraten. Nach dem O.K. soll der Hauptausschuss dann am 22.März endgültig beschließen. Es bleibt also nicht mehr viel Zeit für Diskussionen.

Eine etwas unglückliche Figur macht in dieser Frage der ADFC. Die verkehrspolitischen Sprecher haben in internen Gesprächen mit der Verwaltung dem Verzicht auf das Geländer zugestimmt, der Vorstand positioniert sich bisher nicht. Das Verkehrsforum Bonn prüft zurzeit die Möglichkeit eines Bürgerantrages mit der Forderung, die Geländer zwischen den Licht- und Oberleitungsstelen zu installieren.

von Heinz Assenmacher
Bürgeraktion Umweltschutz Bonn im Ökozentrum Bonn

Artikel zum gleichen Thema

Zum Artikelarchiv ...

Vorheriger Artikel:

Nächster Artikel:

Artikel RSS
Kommentare RSS
rhein:raum Twitter