Bad Godesberger Grüne fordern „Kurfürstenallee für alle“

12. März 2007.

Wie in vielen anderen bundesdeutschen Städten und Kommunen, so sind auch in der Bad Godesberger Kurfürstenallee viele Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen wegen chronisch leerer Stadtsäckel auf die lange Bank geschoben worden. Jetzt will die Bonner Stadtverwaltung die sanierungsbedürftigen Gebäude veräußern, um kurzfristig Geld in die maroden Stadtkassen zu spülen. Anschließend sollen die benötigten Räumlichkeiten für die Bezirksverwaltung, die Musikschule und das Kurfürstenbad angemietet werden.

Daher wurde im vergangenen Jahr ein Interessenbekundungsverfahren auf den Weg gebracht. Zwei Bewerber sind in der engeren Auswahl. Der eine Investor sieht die Nutzung der Liegenschaften als hochwertige Wohnungen vor. Und der andere Investor plant den Bau eines Fünf-Sterne+ Hotels. Beide Konzepte sehen den Neubau eines Rathauses und eines Hallenbads im rückwärtigen Teil des Geländes vor.

Ende 2006 hat sich die Bezirksverwaltung Bad Godesberg in das Verfahren eingeschaltet. Sie hat die Verwaltung beauftragt, auch die Alternative des (Teil-)Selbstbehalts zu prüfen. Vergangene Woche hat das Liegenschaftsamt die Ergebnisse ihrer Prüfungen vorgelegt. Die externer Link in neuem Fenster folgtMitteilung schließt mit der Aufforderung an die Politik, zeitnah über die Zukunft der denkmalgeschützten Häuser in Bad Godesberg zu entscheiden. Daher hat Bündnis 90/Die Grünen für die kommende Bezirksvertretungssitzung beantragt, das Interessenbekundungsverfahren zum Verkauf der Kurfürstenallee zu beenden und über neue Konzepte des Selbstbehalts nachzudenken.

Karin Robinet, die Sprecherin der bündnisgrünen Bezirksfraktion hat auch schon genaue Vorstellungen, was mit den Gebäuden geschehen soll: Das Rathaus, die Musikschule und das Kurfürstenbad sollen in den Händen der Stadt verbleiben und umwelt- und denkmalgerecht saniert werden. Zur Finanzierung schlägt Robinet die Rückverlagerung der Bücherei in den Neubau hinter dem Rathaus und den Verkauf der Häuser Kurfürstenallee 4, 4a, 6 und 7 vor. Dabei sollen gemeinnützige Investoren bevorzugt werden. Für die „Baulücke“ in der Kurfürstenallee schwebt Robinet eine besondere Form von Hotel vor – ein so genanntes „Stadthaushotel“. Solch ein Hotel ist als Integrationshotel konzipiert, dass sowohl das Angebot an behindertengerechten Unterkünften in Bonn erhöht, als auch die Nachfrage nach Arbeitsplätzen und Freizeitmöglichkeiten bedient. „Nach meiner Auffassung kommt es aus Wirtschaftlichkeitsgründen auch und gerade bei gemeinnützigen Investoren darauf an, diesen den besten verfügbaren Standort für diese Idee anzubieten.“, erklärt Robinet ihren Einsatz für den Standort Kurfürstenallee.

Jürgen Buchholz von der Behindertengemeinschaft Bonn sieht den Bedarf für ein barrierefreies Hotel in Bonn gegeben. „Mir liegen Zahlen vor, die belegen, dass das Reise- und Tourismusverhalten von Menschen mit Handicap hin zu Städtereisen geht.“ Behindertengerechte Hotelzimmern sind in Bonn jedoch immer noch Mangelware.

Mittlerweile hat sich die externer Link in neuem Fenster folgtBad Godesberger CDU gegen eine Nutzung der Gebäude als Wohnraum ausgesprochen. Auch sie schließt den Selbstbehalt durch die Stadt nicht aus. „Ziel ist eindeutig eine ‚Bad Godesberger Lösung‘.” Somit rückt der Bau eines Hotels in der Kurfürstenallee in greifbare Nähe. Bleibt die Frage, ob es ein Luxus- oder ein Stadthaushotel sein wird. Am Mittwoch wird die Bezirksvertretung über den externer Link in neuem Fenster folgtAntrag von Bündnis 90/Die Grünen abstimmen und damit wichtige Weichen für die weitere Zukunft und Nutzung der historischen Häuserzeile stellen.

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