10 Jahre Lokale Agenda Bonn – Forum am 2. Juni 2007 im Alten Rathaus

1. Juni 2007.

Am 26. Juni 2007 wird der Bonner Agenda-21 Beschluss zehn Jahre alt. Der Verein Zukunftsfähiges Bonn regte im vergangenen Herbst an, diesen Anlass zu feiern und das Bonner Agenda-Büro griff diesen Vorschlag gerne auf. Zum zehnjährigen Jubiläum lädt das Agenda-Büro nun alle lokalen Organisationen, die sich in den letzten Jahren für eine nachhaltige Entwicklung in der Stadt Bonn engagiert haben, ein, sich selbst, ihre Aktionen und Projekte einer breiten Bonner Öffentlichkeit vorzustellen. Die Veranstaltung findet am Samstag, den 2. Juni von 11 bis 17 Uhr im Alten Rathaus der Stadt Bonn statt.

Rückblick

Am 26. Juni 1997 fasste der Rat der Stadt Bonn folgenden Beschluss: „Die Stadt Bonn bekennt sich nachdrücklich zu ihrer Verantwortung auf lokaler Ebene, die notwendigen Strategien für eine zukunftsfähige Entwicklung im 21. Jahrhundert im Rahmen der “Bonner Agenda 21” gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, der Wissenschaft, der Wirtschaft, den Gewerkschaften, den Kirchen, den Parteien und sonstigen gesellschaftlichen Gruppen zu erarbeiten und umzusetzen.
Nach der Konferenz der Vereinigten Nationen für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 ist klar geworden, dass die globalen ökologischen, ökonomischen und sozialen Probleme, die sich heute und im 21. Jahrhundert stellen, vor allem durch einen radikalen Wandel des Lebensstile und Verhaltensweisen in den Städten gelöst werden müssen.“

Seither sind zahlreiche Projekte angestoßen worden, und es entstand eine lebhafte Diskussion zur Struktur des Agenda-Prozesses in Bonn. Es fanden thematische Foren, Ideen- und Zukunftswerkstätten statt, Arbeitskreise gründeten sich und Verwaltung und Zivilgesellschaft fanden immer wieder zu gemeinsamen Projekten zusammen. Bonn bekannte sich im Jahr 1997 auch zur Charta von Aalborg, die die Rolle der Kommunalverwaltungen als treibende Kraft in einem Lokale-Agenda-21-Prozeß betont und ist damit in die Europäischen Kampagne zukunftsbeständiger Städte und Gemeinden (ICLEI) eingebunden.

Im Jahr 1998 wurde der Verein Zukunftsfähiges Bonn gegründet. Im Jahr 2002 fand eine Zukunftskonferenz statt, bei der Impulsprojekte initiiert wurden. Eine umfassende Leitbilddiskussion, wie denn das Leitbild einer nachhaltigen Stadtentwicklung aus Sicht aller Akteure aussehen könnte und das politisch verbindlich ist, fand jedoch nur in Ansätzen statt. Städte wie Berlin haben die Verabschiedung einer Lokalen Agenda geschafft, Bonn leider nicht. Nichtsdestotrotz gibt es viel versprechende Initiativen, wie den Nachhaltigkeitsbericht der Stadt Bonn, das Engagement im Bereich fairer Kaffee, beim Klimaschutz, das Projekt Sustainable Bonn der hiesigen Hoteliers, um nur einige zu nennen.

Das Thema Lokale Agenda hat mit der Integration in das Amt für Umweltschutz und Lokale Agenda und dessen Umbenennung eine Verstetigung erhalten, und pflegt den Dialog mit den verschiedensten Akteuren.

Neue Entwicklungen

Ende März 2007 hat in Sevilla die fünfte internationale Konferenz der zukunftsbeständigen Städte und Gemeinden stattgefunden, bei der zahlreiche Praxisbeispiele zur Umsetzung der Charta von Aalborg vorgestellt wurden. In Sevilla wurde noch einmal betont, wie wichtig die Rolle der Kommunalpolitik bei einer zukunftsfähigen Entwicklung ist. Die Kongressteilnehmer verpflichteten sich, Indikatoren zur Messung von Nachhaltigkeit einzusetzen, messbare Ziele bei Maßnahmen zu vereinbaren und Ergebnisse den Bürgerinnen und Bürgern bekannt zu machen.

Bonn international

International präsentiert sich Bonn als eine Stadt, die Nachhaltigkeit praktiziert. Bonn als Sitz von 14 Sekretariaten der Vereinten Nationen, die allesamt aufgrund der Beschlüsse in Rio eingerichtet wurden, hat eine besondere Verpflichtung für eine nachhaltige Kommunalentwicklung. Neue Themen sind in den Jahren nach dem Agenda-Beschluss hinzugekommen. Im Jahr 2000 haben 189 Staats- und Regierungschefs auf dem Millenniumsgipfel der Vereinten Nationen in New York die Millenniumerklärung unterschrieben. Sie haben zugesagt, sich einzusetzen, dass die Anzahl der Menschen, die in extremer Armut leben, halbiert wird und die sog. Millenium-Entwicklungsziele (MDG’s) verabschiedet. Bonn ist Mitglied im Rat der Gemeinden und Regionen Europas -Deutsche Sektion- Partner der Kommunen in Europa (RGRE). Die 23. Generalversammlung des RGRE in Innsbruck brachte ein eindeutiges Bekenntnis zur Mithilfe bei der Erreichung der MDGs. Kommunen können im Rahmen ihrer Möglichkeiten mithelfen, die Entwicklungsziele zu erreichen. Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung, die Ausrichtung der kommunalen Partnerschaften auf Entwicklungsziele, die Förderung des Dialogs mit ausländischen Bürgerinnen und Bürgern, die Förderung eines fairen kommunalen Beschaffungswesens sind hier zu nennen. Hierzu sind in Bonn einige Beschlüsse gefasst worden, die richtungsweisend sind, wie z.B. der Beschluss zum fairen Beschaffungswesen.

Es gibt noch einiges zu tun

Ein Entwicklungsziel, zu dem hier vor Ort sehr viel getan werden kann, ist das Ziel No 7: „Die Grundsätze der nachhaltigen Entwicklung sollen in der nationalen Politik übernommen werden; dem Verlust von Umweltressourcen soll Einhalt geboten werden“. „Während die Verursacher globaler und grenzüberschreitender Umweltprobleme, wie beispielsweise des Klimawandels, vor allem in den Industrieländern zu finden sind, leben die Betroffenen überwiegend in den Entwicklungsländern. Dabei sind Arme gegenüber Umweltveränderungen besonders verwundbar. Bereits heute ist Umweltdegradation ein signifikantes Hindernis für das Erreichen der MDGs“, wie der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen 2005 betont. Und weiter: „Die Millenniums-Entwicklungsziele und die Rio-Vision müssen daher aufeinander bezogen werden“. Der zunehmende Verbrauch von nichterneuerbaren Ressourcen, der CO2-Ausstoß sowie die zunehmende Versiegelung der Böden betreffen auch Bonn, und hier kann noch viel getan werden.

Das zehnjährige Jubiläum des Agenda-Beschlusses ist Anlass zu feiern, aber auch Anlass um in die Zukunft zu denken und, wie am Anfang, die Frage zu stellen, wie wir uns eine zukunftsfähige Stadt Bonn vorstellen, und was wir weiterhin unternehmen müssen, um gemäß der Definition von Zukunftsfähigkeit „Entwicklung zu fördern, welche den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.
Susanne von Itter

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