Bonn = weit abseits von Europa

22. Juli 2007.

„Mal angenommen, die Stadt Bonn hätte sich wie Essen als Kulturhauptstadt Europas 2010 beworben und – statt Essen – gewonnen. Wie Essen heute alles daransetzt, das dortige Filmstudio und damit das älteste Kino des Ruhrgebiets neu zu eröffnen, würde Bonn alles tun, das Metropol-Theater wenn nicht als Kino, so doch als Kulturhaus zu erhalten.“ vermutet, sicherlich nicht zu Unrecht, die Redaktion des Kölner online-Portals comcologne.de .

Schon vor 25 Jahren verhinderte kulturbeflissenes Bonner Bürger-Engagement den damals vom Versicherungskonzern WWK geplanten Umbau der Bonner Kino-Perle zu einem Warenhaus. externer Link in neuem Fenster folgtcomcologne erinnert daran, dass sich in den 1980er Jahren 23.000 Menschen für den Erhalt des Filmtheaters eingesetzt hatten, so dass das Gebäude 1983 „wegen seiner historischen und überregionalen Bedeutung unter Denkmalschutz gestellt“ wurde.

rhein:raum erinnert heute daran, dass ohne großes Spektakel in der ersten Hälfte des Jahres 2007 gut 42.000 Unterschriften pro Metropol (also pro Denkmalschutz!) gesammelt wurden. Das sind fast doppelt so viele wie vor 25 Jahren.

Bisher versteht niemand, warum sich die Bonner Oberbürgermeisterin Dieckmann für die Privat-Interessen des Denkmalflegels Töpfer junior so dermaßen weit aus dem Fenster hängt.

Als Chefin von Bonn hatte sie dafür gesorgt, dass die ihr unterstehende Stadtverwaltung dem Stadtrat gerade eine kuriose „ergänzte“ Beschlussvorlage unterschiebt:  In den Punkten 1 bis 3 des nunmehr „ergänzten“ Dokuments externer Link in neuem Fenster folgt[0711710 im Bonner Rats-Informationssystem BORIS] ging es bislang um Denkmalschutz vor Eigennutz!  Die kuriose Ergänzung hingegen soll jetzt genau das Gegenteil bewirken:

„4. Die Verwaltung wird beauftragt, für den Fall, dass die nachfolgend beschriebenen, geänderten Planungen als Antrag auf Erteilung einer Erlaubnis nach § 9 DSchG NRW eingereicht werden, eine Erlaubnis nach § 9 DSchG NRW zu erteilen.“

Der Stadtrat möge also bitte ungeachtet der Punkte 1 – 3 die Verwaltung förmlich beauftragen, das Denkmal „Lichtspielhaus Metropol“ weitgehend zu zerstören. Das zumindest wollen die Oberbürgermeisterin und der o. g. Denkmalflegel.

Offenbar stecken wir alle fest in den tiefsten Niederungen provinzieller Lokalpolitik.
comcologne hat wohl schon recht: Bonn ist weit abseits von Europa.

Schade eigentlich, oder?

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