Joe Zawinul gestorben

12. September 2007.

Er muß ihn sehr gemocht haben, seinen Landsmann Erich Fried, dem er wertvollen Raum auf seiner CD „Joe Zawinul + the zawinul syndicate World Tour“ (1997) gewidmet hatte. Er selbst hatte das Gedicht „Erfolg“ aus den „Warngedichten“ von Fried (1964, Hanser Verlag) mit einem seiner Söhne ins Englische übersetzt und eigens einsprechen lassen.
Joe Zawinul war 65, als er mit seinen 4 musikalischen Begleitern und einem ganzen Rattenschwanz von Technikern und Helfern die Ochsentour durch Canada, USA, Europa, Indien, Russland und die Karibik unternahm. Wenig später durfte ich ihn in der brechend vollen Bonner „Harmonie“ erleben. Ein unvergessliches Konzert, in dem ein erst wenige Tage zuvor eingesprungener Schlagzeuger – ein Koloss, der den erkrankten feingliedrigen Paco Sery ersetzte – sich wie entfesselt einige Kilo vom Leib trommelte. Immer wieder trieb der schon damals nicht mehr junge Zawinul auf seinen diversen Keyboards seine Mitspieler zu rhythmischen Höchstleistungen an und brachte es dennoch fertig zwischendurch wunderbare elegische Melodiefolgen aus seinem Synthesizer zu zaubern.
Zum 70. Geburtstag hatte ihm die WDR-Bigband – übrigens eine der weltweit besten Jazz-Bigbands – in Leverkusen ein wunderbares Ständchen komponiert, das er selbst in seiner unnachahmlichen Art arrangierte. Er war Stammgast bei den Leverkusener Jazztagen, wo ich ihn vor zwei Jahren zum letzten Mal sah. Auch da hatte er wieder seine unverwechselbare gehäkelte Mütze auf, die ihm geholfen haben muß, trotz der immer wieder aufblitzenden genialen Einfälle stets einen kühlen Kopf zu bewahren. Seit gestern schaut er die „Erdäppel“ (die er in einem seiner Stücke besingt) von unten an. Joe Zawinul starb am 11. September mit 75 Jahren in einem Wiener Krankenhaus
Im Gedicht heißt es: „Mit 50 merkte ich, dass ich tot war. Mit 60 begann ich meine Totenrede zu schreiben. (…) Mit 100 fing ich an mich zu verjüngen“. Viel Glück dabei, Joe.

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