Bonner Wege aus dem Bonner Loch

25. Oktober 2007.

Ein Jahr ist es her, dass auf Einladung der beiden großen Kirchen der „Runde Tisch zum Bonner Loch“ (RTBL) tagte. Mehr als 50 Personen aus Verwaltung, Politik, Einzelhandel und Suchthilfe nahmen an den Treffen teil. Damals wurden drei Strategien verabschiedet, die die Situation rund um das Bonner Loch entschärfen sollten. Für die Dauer eines Jahres wurde eine „Lenkungsgruppe Runder Tisch zum Bonner Loch“ beauftragt, die Operationalisierung und Umsetzung der Arbeitsergebnisse des RTBL zu begleiten. Diese legte nun ihr Arbeitsergebnis vor. Die beteiligten Vertreter von Stadt, Parteien, Polizei, Wohlfahrtsverbänden und Kliniken ziehen ein positives Fazit der Arbeit, stellen aber auch fest, dass weiterhin Handlungsbedarf besteht.
Bedarfsgerechte und attraktive Alternativen zum Bonner Loch zu schaffen war erklärtes Ziel des RTBL. Dazu wurden folgende Ergebnisse vorgestellt:

  • Im Bonner Loch halten sich weniger Mitglieder der Straßenszenen auf. Das subjektive Sicherheitserleben ist nicht zuletzt auch durch die kontinuierliche Polizeipräsenz gewachsen. Ein Teil der Suchtmittelkonsumenten konnte durch die Arbeit der Clearingstelle in Bonner Hilfesysteme und Hilfesysteme im Umland vermittelt werden. Die verstärkte Präsenz von Polizei, Sozialverwaltung und Trägern sozialer Dienste im Rahmen der Ordnungs- und Sozialpartnerschaft führte zu Verdrängungseffekten der Szenen, die nach Tannenbusch, in die Kölnstraße, an das Juridicum, in den Hofgarten und an das Johanneshospital ausweichen. Auch hier suchen die beteiligten Institutionen die Szene auf.
  • Im Rahmen dieser aufsuchenden Tätigkeit konnten systematisch Informationen über die Szenen erhoben werden. Demnach stammt ein gutes Drittel der erfassten Personen aus Bonn, ein Drittel verfügt über keinen festen Wohnsitz, hält sich aber überwiegend im Stadtgebiet Bonn auf, und ein knappes Drittel sind Auswärtige.
  • Das Bonner Loch steht weniger im Fokus des öffentlichen Interesses, da vielfältige Maßnahmen greifen. Dennoch ist das Problem nicht gelöst. Was getan wird und werden kann ist ein Dreifaches:
  1. Individuell helfen, Wege aus dem Bonner Loch zu finden
  2. das öffentliche Problem verträglicher zu machen im Sinne des gesellschaftlichen Empfindens
  3. präventiv entgegenwirken, dass Menschen Wege in das Bonner Loch finden

Dazu wurden diverse Maßnahmen durchgeführt und Projekte entwickelt, die Anreize schaffen sollten, den Aufenthalt vom Bonner Loch weg, hin zu sinnvollen Beschäftigungsangeboten zu finden.

  • Die aufsuchende Tätigkeit wurde mit der von der Stadt Bonn finanzierten Clearingstelle verstärkt. Wer sich heute als Szenemitglied im Bonner Loch aufhält, weiß, dass er von den Streetworkern angesprochen und von der Polizei überprüft und durchsucht wird.
  • Gleichzeitig wurden Beschäftigungsangebote entwickelt wie das Zeitungsprojekt „fiftyfifty“ oder das Sportangebot am Alten Friedhof. Dieses Projekt entwickelt sich durch Sportturniere und Begegnungstage zu einem Bindeglied zwischen der Lebenswelt von Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen und anderen Bonner Bürgern.
  • Eine „Ordnungs- und Sozialpartnerschaft“ zwischen Polizei, Sozialverwaltung und Trägern sozialer Dienste soll die positiven Erfahrungen mit der Gemeinsamen Anlaufstelle von Stadtverwaltung und Polizei in der Bonner Innenstadt (GABI) aufgreifen und fortführen. Die Träger sozialer Dienste werden explizit in die Kooperation eingebunden, um die Zusammenarbeit zu verstärken. Ein Kooperationsvertrag wurde erarbeitet und unterzeichnet.
  • In diesem Zusammenhang hat die Clearingstelle die Aufgabe, auswärtige KonsumentInnen an die Herkunftsgemeinden weiterzuleiten sowie unversorgte Bonner KonsumentInnen in Hilfeeinrichtungen zu vermitteln. Die Zusammenarbeit mit den in Bonn beteiligten Institutionen gestaltet sich positiv. Die Vermittlungszusammenarbeit mit der Organisation „Off Roads Kids“ in Köln, dem Café KoKo in Troisdorf und im Rahmen der Substitutionsbehandlung mit dem ASB für den Raum Meckenheim funktioniert gut. Als schwierig erweist sich die Zusammenarbeit mit dem Rhein-Erft-Kreis, dessen Klienten vor Ort nicht ausreichend in Hilfeangebote vermittelt werden können. Im nördlichen Rheinland-Pfalz erscheint der Ausbau eines niederschwelligen Hilfeangebotes notwendig.
  • Der Sozialausschuss der Stadt Bonn tagte mittlerweile gemeinsam mit dem Sozialausschuss des Rhein-Sieg-Kreises. Das Netzwerk der Träger (Stadt Bonn und Umland) wird begrüßt und soll weiter ausgebaut werden.
  • Flankierend wurde die Präventionsarbeit von der Sozialverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband und dem Diakonischen Werk verstärkt. Der Einsatz des eventsprinters und die Multiplikatorenarbeit wurden in enger Kooperation mit der Evangelischen Jugendhilfe Godesheim ausgeweitet.

Fazit:
Die Beteiligten zogen bei der vorerst letzten Sitzung des Runden Tisches ein überwiegend positives Fazit, dennoch wird weiterer Handlungsbedarf festgestellt:

  • Es wurde betont, dass die Vernetzung nicht nur der Träger sozialer Dienste, sondern auch die Einbindung von Politik und Verwaltung gut gelungen ist. Diese Art der Zusammenarbeit soll fortgesetzt werden. · Die Beteiligung der Betroffenen, die sich im Bonner Loch aufhalten, funktioniert. Diese kann aber noch verbessert werden. Für den „Bonner Weg“ gilt: nicht nur die Klienten abschieben, sondern Hilfeangebote aufzeigen.
  • Man war sich darüber einig, dass Handlungsbedarf bei der Eindämmung des Alkoholkonsums besteht, um das derzeit noch schlechte Image des Bonner Loches zu verbessern.
  • Die Änderung der Bebauungspläne für diesen Bereich wird zu einer noch stärkeren Verdrängung der Straßenszene führen. Deshalb soll der zeitliche Vorsprung genutzt werden, um weitere Konzepte zu entwickeln, die angemessen auf die Problematik an den neuen Treffpunkten eingehen.
  • Die bisherige Lenkungsgruppe soll die Institutionalisierung der Ordnungs- und Sozialpartnerschaft begleiten.
  • Bei Bedarf wird der Runde Tisch zum Bonner Loch wieder einberufen. Superintendent Eckart Wüster dankte –auch im Namen von Stadtdechant Wilfried Schumacher- allen Beteiligten des Runden Tisches und den Ausführenden der Beschlüsse für die über anderthalbjährige konstruktive Zusammenarbeit.

von: Gisela Hein, Pressestelle Diakonisches Werk

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