Klimaschutz durch Handeln oder Märchen?

30. November 2007.

Die Umweltschutzkonzeption der Bundesstadt Bonn wurde 1998 dem Rat der Bundesstadt im Entwurf vorgelegt. Sie wurde von Umwelt- und Naturschutzorganisationen, kurz Forum Umweltverbände Bonn, dem Eine-Welt-Forum, dem Verein Zukunftsfähiges Bonn, dem Umweltamt und der Verwaltung erarbeitet. Sie besteht aus 12 Teilkonzeptionen unter denen Atmosphäre, Biosphäre, Klimaschutz und Bauen & Wohnen die wichtigsten waren. Sie verschwand aber während des Kommunalwahlkampfs 1999 in der Schublade und nach Abwahl der rot-grünen Koalition im Papierkorb.
Besonders die UN-Stadt Bonn als Veranstalter bedeutender weltweiter Umweltkonferenzen und Sitz des UN-Klimasekretariats steht in der Pflicht nicht nur zu reden, sondern beispielhaft zu handeln. Die Umweltschutzkonzeption Bonn wäre ein Meilenstein für eine nachhaltige Umweltpolitik. Es geht dabei auch um die Entwicklung eines ganzheitlichen Lebensstils, der die Ressourcen schont. Artenvielfalt und Biosphäre sind wie das Klima unverzichtbare Pfeiler menschlicher Existenz in Europa und auf der ganzen Welt. Ähnliches versucht heute ansatzweise die Klima-Allianz durchzusetzen, aber leider nicht im kommunalen Rahmen und dann auch noch nur bruchstückweise. Die Bebauung freier Flächen und Frsichluftschneisen, wie zum Beispiel der CDU-Lorth-Zipfel im Meßdorfer Feld, sind der Gipfel an Unverfrorenheit und klimapolitisch sehr dumm.
Ratifizierung des Kyoto-Protokolls
Frühjahr 2005: In Bonn wird die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls gefeiert, obwohl ambitionierten Umweltschützern schon lange klar ist, dass es nur ein erster Schritt auf dem langen Weg zu einem wirksamen Klimaschutz und einer intakten Mitwelt ist. Zum ersten mal vereinbaren viele Länder die Reduktion des Kohlendioxidausstoßes bis 2012. Ein Anschlussvertrag fehlt bislang. Als Kinder lauschten wir alle gebannt den Märchenerzählern. Heute lauscht der gut informierte und wissenschaftlich gebildete Umwelt- und Naturschützer mit Entsetzen den Klimamärchen der G8 und anderer Industrieländer. Die USA, Australien, Kanada und einige andere Industrieländer stehen sogar beim völlig unzureichenden Kyoto-Protokoll aktiv abseits und machen weiter wie bisher ohne Rücksicht auf irreparable Schäden an unserer und vor allem auch ihrer Umwelt. Wirtschaft und Politik müssten das Kyoto-Protokoll sofort umsetzen und weit darüber hinaus planen und öko-sozial wirtschaften. Ohne eine Verhaltensänderung und Einsichten in Fehlverhaltensweisen wird das auf jeden Fall scheitern.
Vielleicht passiert ja bei der nächsten Weltklimakonferenz in Bali im Dezember 2008 ein Wunder. Doch sogar die Ratifizierer fallen ebenfalls durch steigende Emissionen besonders im Verkehrsbereich auf. Da die Emissionswerte auf 1990 als Bezugsjahr basieren, sind die Werte besonders in Osteuropa nach dem Zusammenbruch der Planwirtschaften viel zu hoch, und somit scheint das Ziel des Protokolls erreichbar, was aber deshalb schiere Augenwischerei ist. Es wird viel „heiße Luft“ geredet und wenig und unzureichend gehandelt. In letzter Zeit fallen sogar die „Klimaschützer“ bei Germanwatch durch falsche Signale auf. Sie machen glauben, dass das Kyoto-Protokoll von Deutschland erfüllt wird und das dies reichen wird. Natürlich profitiert auch Gesamtdeutschland von der unangebrachten Bezugsgröße, denn auch die Wirtschaft in Deutschlands Osten liefert dank der bewusst gewählten Bezugsgröße ein falsches Bild von der wirklichen Lage. Vor allem im Rheinland und im Osten sind Braunkohlekraftwerke neben Autos die Hauptverursacher für die viel zu hohe Kohlendioxidfreisetzung.
Fehlendes Handeln in Bonn
Dass auch in Bonn nicht gehandelt wird ist mehr als traurig, denn hier finden ja bedeutende Umweltkonferenzen statt und das Klimasekretariat der UN hat seinen Sitz in Bonn. Alle Parteien, vor allem die großen, reden viel, aber eine Umweltschutzkonzeption, die Vorbild für NRW, Deutschland, Europa und sogar die Welt sein könnte, wird weder im Bonner Stadtrat noch sonst wo beschlossen, sondern ein Beethoven Festspielhaus für cirka 80 Millionen Euro. Doch auch die Bonner werden allerdings sehr bald durch die Anzahl der sich deutlich mehrenden Naturkatastrophen zum sofortigen Handeln gemahnt.
USA Klimakiller Nummer 1 und Klimakiller Energiewirtschaft
Die USA unter Präsident Bush junior sind der weltweit größte Kohlendioxidemittent. In Europa ist Deutschland der größte Emittent. Doch die anderen G8-Länder sind nicht viel besser. Kanzlerin Merkel redet viel über Klimaschutz, schenkt den Energiekonzernen andererseits die Emissionszertifikate, denn die deutsche Wirtschaft soll „wettbewerbsfähig“ bleiben. Diese macht aufgrund der Privatisierung und Liberalisierung des Strommarktes neue Rekordgewinne. Der Bürger zahlt wie so oft die Zeche. Klimaschutz ist allerdings ein Geschäftsfeld mit Zukunft. Die Mitwelt wird nachhaltig von denen geschädigt, die sie anschließend „retten“.
Die Industrienationen – vorneweg die USA, Russland und Deutschland – tun so, als ob sie an dauerhaften Verbesserungen im Klimaschutz interessiert sind. Doch die großen Energiekonzerne in Deutschland – E.ON, RWE, Vattenfall, EnBW wollen mindestens 26 neue Kohlekraftwerke innerhalb der kommenden Jahre errichten. Für die deutsche Wirtschaftspolitik ein willkommener Konjunkturschub, für den Klimaschutz der Supergau. Dazu wollen die Energiekonzerne am liebsten die Atomenergie puschen und die Laufzeiten veralterter und risikobehafteter Kernkraftwerke verlängern. Die Schwellenländer China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika machen unsere Fehler nach und somit wird sich das Klima, also unsere Lebensgrundlage, weiter verschlechtern.
Aktiver Klimaschutz in Bonn
Doch was kann der Verbraucher tun, um nicht abgezockt zu werden und Klima und Mitwelt trotzdem zu schützen? Das Klima lässt sich nur durch vertrauensbildende Maßnahmen und Handeln effektiv schützen. Weniger Verkehr mit dem Auto ist effizient. 1997 startete Greenpeace die N-Ozonkampagne zum Klimaschutz, die jämmerlich scheiterte, denn der Deutsche sollte sein liebstes Kind, das Auto, öfter mal stehen lassen und Fahrgemeinschaften bilden. Schon damals wurde mit dem Smile ein Auto vorgestellt, das mit viel weniger Benzin viel wirtschaftlicher und umweltverträglicher fährt. Job Tickets sind ebenfalls ein guter Tipp, aber es gibt zahlreiche Wege um im Kleinen das Klima und seinen Geldbeutel zu schonen. Mit der schon heute verfügbaren Technik könnte der Energiebedarf der Menschheit aus Erneuerbaren Energien gedeckt werden. Aktiv beim Klimaschutz mitmachen macht sogar richtig viel Spaß, wie Bilder aus Heiligendamm vom alternativen G8-Treffen beweisen.
von Rolf Meckelholt

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