Zum neuen Jahr: Metropol – wohin?

4. Januar 2008.

Wieder ist ein Jahr vorbei, und immer noch warten die Säle und Gänge des Metropols auf Besucher. Ein verlorenes Jahr für alle Bonner Kulturfreunde, denen der Weg zum Großen Saal immer noch von einem Ramschladen versperrt wird. Ein verlorenes Jahr auch für die Eigentümer, denen auf der Jagd nach der Taube auf dem Dach noch nicht einmal der Spatz in der Hand blieb.
Dennoch war dieses zweite Jahr mit Leerstand im Metropol nicht nutzlos, denn es hat einige Erkenntnisse gebracht.
Vergleicht man 2007 mit 2006, fallen vor allem Unterschiede im Vorgehen der Stadtverwaltung auf. Erinnern wir uns: Im August 2006 lehnte die Stadt alle Umbau- und Abrissanträge aus Denkmalschutzgründen ab. Begleitet wurde das von wüsten Beschimpfungen seitens der Eigentümer, die den Ratsherren und -frauen mit persönlicher Haftung drohten. Außerdem erhoben sie Widerspruch und Klage – das volle Programm. Was ist letztendlich daraus geworden? Nichts. Der Widerspruch abgewiesen, die Klage gescheitert, die Drohungen verpufft. Ein deutlicher Hinweis, dass die Stadt 2006 richtig lag.
2007 aber gewannen die Sympathisanten der Eigentümer in der Stadtverwaltung vorübergehend die Oberhand. Es folgte eine Beschlussvorlage, nach der die (kaum veränderten) Pläne der Eigentümer auf einmal für genehmigungsfähig erklärt wurden. Ein um 180 Grad gewendetes Vorgehen also. Die Eigentümer waren es zufrieden, und schlossen sogar schon Mietverträge ab. Die Bürgerinitiative warnte jedoch vor der Rechtswidrigkeit eines solchen Beschlusses. Das Ergebnis? Nach Intervention der Bezirksregierung und des Verwaltungsgerichts Köln zog die Verwaltungsspitze die Vorlage zurück.
Was sagt uns das? Auf dem Weg zur denkmalgerechten Nutzung, z.b. durch einen Kulturbetrieb, ist lediglich die Uneinsichtigkeit der Eigentümer zu überwinden.
Der Weg zum Kaufhaus und zur Denkmalzerstörung jedoch erfordert die Überwindung von Bürgerwillen, Bezirksregierung, Recht und Gesetz. Dieser Weg dürfte selbst für jene städtischen Entscheider, denen „Investorenfreundlichkeit“ über alles geht, zu steinig sein. Zumal die zuletzt wieder aufgeflammten Diskussionen um fehlenden Einzelhandel in der Innenstadt zeigen, dass die City viele große, attraktive Flächen braucht. Der von den Eigentümern geplante Umzug einer Buchhandlung, die ohnehin schon in der City residiert, hilft da überhaupt nichts.
Die Stadtverwaltung bleibt aufgefordert, Recht und Gesetz zu wahren und in Sachen City nicht den Weg des größten Widerstandes für den geringsten Nutzen zu gehen.
Nicht im Metropol, aber am Bahnhof und anderswo hat Einzelhandel Zukunft. Das Metropol mit einem Angebot aus Kultur und Gastronomie kann und wird dazu beitragen, dass der City-Besucher sich nach dem Einkauf entspannen und unterhalten kann und die Innenstadt ein lebendiger Mix statt einer reinen Einkaufswüste wird.
Allen Freunden des Metropols wünschen wir ein frohes und gesundes neues Jahr und ein baldiges Wiedersehen im METROPOL-Lichtspieltheater!
PRO METROPOL

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