Prohibition

Bonner Loch wird unsicherer

17. Juni 2008.

Die Pläne eines Alkoholkonsumverbots im Bonner Loch werden die Situation am Bonner Hauptbahnhof nicht verbessern – im Gegenteil: durch die Verdrängung der Alkohol- und Drogenszene wird sich die (subjektive und objektive) Sicherheitslage verschlechtern.

Am kommenden Mittwoch wird der Rat der Stadt Bonn voraussichtlich ein Alkoholkonsumverbot fürs Bonner Loch beschließen. Ziel dieser Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterVerwaltungsvorlage ist eine Erhöhung der (gefühlten) Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger rund um den Bonner Hauptbahnhof. Ergebnis wird jedoch wohl eher das Gegenteil sein: Die Bonner Alkohol- und Drogenszene wird zerschlagen und über das Stadtgebiet zerstreut. Das wird zur Folge haben, dass die Szene unübersichtlicher und schlechter zu kontrollieren sein wird. Die Bediensteten der Gemeinsamen Anlaufstelle Bonn Innenstadt (GABI) müssen ihre Präsenz im Bonner Loch einschränken, weil sie dann an viel mehr Orten in Bonn für Recht und Ordnung sorgen müssen. Dadurch wird sich die objektive Sicherheitslage im Bonner Loch – und nicht nur dort – verschlechtern.

Das Hauptargument für das Alkoholkonsumverbot im Bonner Loch ist eine „abstrakte Gefahrenlage im Sinne der §§ 25 ff OBG NRW“. Schließlich sei ein signifikanter Anstieg von Delikten bzw. Einsatzanlässen in den letzten Jahren festzustellen. Außerdem sei „eine deutliche Zunahme alkoholbedingter Delikte wie Beleidigungen, Körperverletzungen, sexuelle Nötigungen, Diebstahl und Raub insbesondere in den Abendstunden zu verzeichnen.“ Bei dieser Argumentation verschweigt die Verwaltung, dass es sich bei den genannten Delikten hauptsächlich um Szene-interne Straftaten handelt, mit denen keine Bonner Bürgerin und kein Bonner Bürger behelligt wird. Mal ganz abgesehen davon, dass man auf den Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterInternet-Seiten der Bonner Polizei nachlesen kann, dass für das Jahr 2007 insgesamt ein Rückgang der Fallzahlen bei den Gewaltdelikten auf der Straße zu verzeichnen ist. Die erhöhte Zahl der geahndeten Straftaten im Bonner Loch ist lediglich das Ergebnis eines härteren Durchgreifens von Polizei und Ordnungsamt und steht in keiner Korrelation zu einem Anstieg der Kriminalität – es hat lediglich eine Verschiebung der Grenze zwischen Hell- und Dunkelfeld stattgefunden.

Auch das Argument, man wolle die Kinder und Jugendlichen vor diesem Anblick und diesen Schicksalen schützen, wird damit hinfällig. Die Stadt argumentiert, dass der Bereich des „Bonner Loches“ tagtäglich von einer Vielzahl von Kindern und Jugendlichen z.B. als Schulweg genutzt werde und Erkenntnisse darüber vorlägen, dass sich ein Teil davon in den letzten Jahren vermehrt in diesem Bereich aufhalten, „ist aus Sicht des vorbeugenden Jugendschutzes das Aussprechen eines Alkoholkonsumverbotes für diesen Bereich hilfreich, um ein eventuelles Abgleiten dieses Personenkreises in die Alkoholikerszene zu verhindern.“ Durch die Verdrängung der Szene in die umliegenden Wohngebiete, erleben die Kinder und Jugendlichen Dorgen- und Alkoholkranke MitbürgerInnen viel unmittelbarer, nämlich direkt vor der eigenen Haustür, im Supermarkt um die Ecke, im Park nebenan. Und wer glaubt eigentlich wirklich, der Bonner Nachwuchs würde sich von den Bildern im Bonner Loch zum Alkoholkonsum verführen lassen? Eher dient das doch wohl als abschreckendes Beispiel für alle Heranwachsenden, die mit (il)legalen Drogen liebäugeln.

Bei allem Verständnis für die Bonner Mittelschicht nicht ständig mit den eigenen Abstiegsängsten in Person von Obdachlosen, Alkohol- und/oder Drogenabhängigen konfrontiert zu werden, sollten sie doch ihre (Mit)Verantwortung für diese Personengruppen nicht völlig entziehen. Denn nicht nur die polizeiliche und ordnungsbehördliche Arbeit würde erheblich erschwert, sondern auch die soziale Arbeit der freien Träger im Bereich der Wohnungslosen-/Suchtkrankenhilfe würde annähernd unmöglich gemacht und die Betroffenen ihrem Schicksal überlassen.

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