Stadt Bonn unverbesserlich:

Versenkung der Straßenbahnlinien 61/62

20. Juni 2008.

Schon seit mehr als 30 Jahren versucht eine Autolobby in Politik und Verwaltung, die Straßenbahn vor dem Hauptbahnhof unter die Erde zu bringen. Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für die Hardtbergbahn läuft zur Zeit der 3. Versuch, die Linien 61 und 62 tiefer zu legen.

Obwohl der Bau der unterirdischen Hardtbergbahn aller Wahrscheinlichkeit nach an den immensen Kosten scheitern wird, beschloss der Stadtrat im Dezember 2006 mit den Stimmen von CDU und SPD, als „erste Stufe der Hardtbergbahn“ in jedem Fall die Linien 61 und 62 tiefer zu legen.

Der Stadtrat wurde in seiner Sitzung am 18. Juni 2008 von der Verwaltung darüber informiert, dass der Plan zum Rampenbau im Bonner Talweg zur Zeit erstellt wird.
Über diese Rampe vor dem Petrus-Krankenhaus soll die Straßenbahn in den U-Bahn-Tunnel eingeführt werden und am Stadthaus wieder ans Tageslicht kommen. Hierdurch soll bei der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes Raum für eine ungestörte zweispurige Führung des Autoverkehrs geschaffen werden.

Die Tieferlegungspläne sind umso absurder, als der große Erfolg der Straßenbahnlinien 61 und 62 in erster Linie gerade auf der benutzerfreundlichen oberirdischen Führung und den meist kurzen Haltestellenabständen beruht. Die Straßenbahn unter der Erde verschwinden zu lassen, führt unweigerlich zu einer schlechteren Akzeptanz bei den Fahrgästen.

Für die Fahrgäste wird sich der Weg in die Innenstadt deutlich verschlechtern. Wer steigt schon gern aus dem Bonner Loch über Rollbänder und Treppen an die zwei Ebenen höher gelegene Oberfläche, um in die Stadt zu gelangen? Ältere und behinderte Menschen werden in ihrer Mobilität deutlich beeinträchtigt. Der Wegfall der beiden Haltestellen Thomas-Mann-Straße und Poppelsdorfer Allee wird längere Fußwege mit sich bringen. Die Umsteigebeziehungen zu den Bussen werden sich verschlechtern.

Die Verkehrsprobleme in der Innenstadt können nur in den Griff bekommen werden, wenn die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehr und des Fahrradverkehrs erhöht wird. Ziel muss sein, Verkehr vom Auto auf Bahnen, Busse und das Fahrrad zu verlagern.Die aktuelle Diskussion über die Erstellung eines Luftreinhalteplans für die Stadt Bonn wegen zu hoher Stickoxidwerte an verkehrsreichen Straßen machen die Dringlichkeit dieser Ziele deutlich.

Einer Umgestaltung des Bahnhofvorplatzes zu einem städtebaulich hochwertigen Entree mit einem „echten“, zum Verweilen einladenden Platz steht die ober irdische Straßenbahn nicht im Weg, im Gegenteil. Gelungene Beispiele dafür kann man z.B. in Bremen, Karlsruhe oder Erfurt besichtigen.

Es bleibt wohl wieder mal nur, auf die nächste Kommunalwahl 2009 zu hoffen. Mit neuen Mehrheiten im Stadtrat könnte die Tieferlegung zum 3. Mal in die Versenkung geschickt werden.

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