Festspielhaus

Doch kein Traumhaus für Beethoven?

22. Juni 2008.

Seit ein paar Wochen ist es ruhig geworden um sie. Keine Interviews mehr im General-Anzeiger oder im wdr. Keine öffentliche Stellungnahmen. Die Rede ist von Karin Hempel-Soos. Sprecherin des Bonner Kulturrates. Aktivistin in Sachen Beethoven-Festspielhaus. Was ist los? – wollten wir wissen und baten sie um Antworten auf sieben Fragen.

Wissen wollten wir von ihr, warum von ihrer Seite und von Seiten des Kulturrates engagiert zum Festspielhaus, aber nichts oder nur Verhaltenes zu anderen Themen der Bonner Kultur – Stichwörter Metropol und Sparkurs beim Theateretat – zu hören war. Eine Frage lautete: „Beim diesjährigen Aschermittwochstreffen des Kulturrates haben Sie als Sprecherin zahlreiche Gäste namentlich begrüßt. Die Oberbürgermeisterin, obwohl im Saal anwesend, war nicht darunter. Waren Sie verärgert darüber, dass Frau Dieckmann entschieden hatte, die Stiftung des geplanten Festspielhauses nicht in die Hände des Kulturrates zu legen?“
Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit nutzte Karin Hempel-Soos dieses Mal die Möglichkeit nicht, ihre Meinung zu sagen. Ebenfalls keine Antwort gab es von ihr, was sie von der mittlerweile von Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann vorgestellten „integrativen Lösung“ im Zusammenhang mit dem Festspielhaus hält. Danach sollen Außenansicht und Dach der Beethovenhalle weitgehend erhalten bleiben, der Innenraum aber umgebaut werden. Vor einem Jahr hatte Frau Hempel-Soos erklärt: „Wir brauchen ein Bürgerhaus für die Bonner – die Beethovenhalle _ und ein Traumhaus für Beethoven _ die Festspielhalle.“ Nun wollten wir wissen: „Kann ein solches Haus noch das von Ihnen angestrebte „Traumhaus“ sein?“  Ihre Reaktion: Schweigen.

Woran liegt Karin Hempel-Soos’ Verstummen bei einem Projekt, das in der Öffentlichkeit eng mit ihrem Namen verbunden ist? Gibt es ein Redeverbot?  Wer hat es ausgesprochen? Die Oberbürgermeisterin? Die Sponsoren Post und Telekom? Läuft das Projekt Festspielhaus mittlerweile in eine Richtung, die Frau Hempel-Soos nicht mehr gefällt?  Hat sie sich ausgeklinkt? Wir wissen es nicht. Sie schweigt und in der Öffentlichkeit darf spekuliert werden.

Die 7 Fragen im Wortlaut:

1. Der Kulturrat und ganz besonders Sie haben sich in der Öffentlichkeit für das Festspielhaus Beethoven engagiert. Zu anderen Themen der Bonner Kulturpolitik haben Sie sich weniger deutlich oder gar nicht geäußert. In den vergangenen Jahren wurden mehrere Millionen Euro für die städtischen Bühnen eingespart. Vom Kulturrat war dazu nichts zu hören.

2. Sie und der Kulturrat schweigen zum Metropol. Für viele Bonner geht es dabei um die Frage Kultur oder Kommerz?

3. Im Kulturrat ist ein Spektrum kultureller Einrichtungen vertreten. Wer entscheidet über die Aufnahme von Mitgliedern?

4. Beim diesjährigen Aschermittwochstreffen des Kulturrates haben Sie als Sprecherin zahlreiche Gäste namentlich begrüßt. Die Oberbürgermeisterin, obwohl im Saal anwesend, war nicht darunter. Waren Sie verärgert darüber, dass Frau Dieckmann entschieden hatte, die Stiftung des geplanten Festspielhauses nicht in die Hände des Kulturrates zu legen?

5. Vor einem Jahr haben Sie gesagt: „Wir brauchen ein Bürgerhaus für die Bonner – die Beethovenhalle _ und ein Traumhaus für Beethoven _ die Festspielhalle.“ Die Oberbürgermeisterin hat sich in der Zwischenzeit für eine „integrative Lösung“ ausgesprochen. Danach sollen Außenansicht und Dach der Halle weitgehend erhalten bleiben, der Innenraum aber umgebaut werden. Kann ein solches Haus noch das von Ihnen angestrebte „Traumhaus“ sein?

6. Im westfälischen Münster hat Ende April dieses Jahres ein Bürgerentscheid  den Bau einer geplanten Musikhalle gestoppt. Die Bürger sahen die Gefahr, dass städtische Mittel, die zum Bau und zum Betrieb der Halle eingesetzt werden sollten, bei anderen kulturellen Einrichtungen eingespart werden. Haben Sie für solche Befürchtungen auch im Zusammenhang mit dem Festspielhaus Beethoven Verständnis?

7. Sind in Bonn bisher die Bürger und Bürgerinnen insgesamt ausreichend an der Gestaltung des Festspielhausprojektes beteiligt worden?
Katrin Scholler

Konstruktive Kommentare bevorzugt

Bitte bleiben Sie beim Thema des zu kommentierenden Beitrags. Sie können anderer Meinung sein, aber vermeiden Sie persönliche Angriffe. Verwenden Sie einen eindeutigen Namen in den Kommentaren, so dass ersichtlich bleibt, wer hier mit wem diskutiert. Spam und Werbung sind im Kommentarbereich nicht erlaubt. Neben den Kommentaren besteht auch die Möglichkeit einen Artikel einzureichen, bitte wenden Sie sich dazu an: mein-artikel [at] rheinraum-online.de

Schlagworte: , , ,

Artikel zum gleichen Thema

Zum Artikelarchiv ...

Vorheriger Artikel:

Nächster Artikel:

Artikel RSS
Kommentare RSS
rhein:raum Twitter