Kleine Fluchten aus dem Sommerloch

Bienenwölfe im Bonner Dünensand

27. Juni 2008.

Urlaub ist, was viele nicht wissen, ein Opens external link in new windowMenschenrecht, das in Artikel 24 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen festgeschrieben ist. Manche fliegen um die halbe Welt, um ihren Urlaub zu verbringen, andere bleiben in Bonn und Umgebung oder kommen extra hierher.

rhein:raum schlägt in den nächsten Wochen ein paar ungewöhnliche Ausflüge in und um die UN-Stadt Bonn vor. Wir beginnen mit einer Expedition ins Tierreich der kuriosen kleinen Dünenlandschaft mitten in Bonn-Tannenbusch.

An diesem Sonntagmittag (27. Juni) bietet Opens external link in new windowÖkologie-Forum.de von 11 bis 13 Uhr eine Führung in ein einzigartiges Biotop an. Treffpunkt ist vor der Bäckerei an der Haltestelle Paulusplatz. Eintritt 5 bzw. 3 EUR. Die nächste Führung in die Düne findet danach erst wieder am 27.07.08 statt.

Zu den Besonderheiten, die bei dieser Führung zu sehen sind, gehört unter anderem der Bienenwolf Philanthus triangulum.

Der Bienenwolf als Lockerboden-Besiedler nistet bevorzugt im Sand. Mit seinen langen, kräftigen Mandibeln ist er aber auch in der Lage, oberflächliche Krusten z.B. aus Moosen und Flechten aufzunagen. Er ist sogar in der Lage, Steine von der Größe seines eigenen Kopfes – die also durchaus sein eigenes Gewicht überschreiten können – auszugraben und beiseite zu transportieren.

Eindrucksvoll ist es auch, wenn man das Glück hat, ihn beim Transport einer Honigbiene zu beobachten. 5-6 Honigbienen benötigen Larven, aus denen später Weibchen werden, wogegen für die kleinere Männchen 3-4 Bienen ausreichen.
Es ist davon auszugehen, dass Vergiftungen von Bienenvölkern, wie sie aktuell im Raum Karlsruhe vorgekommen sind, auch erhebliche Auswirkungen auf den Bienenwolf haben.

Nicht weniger eindrucksvoll ist auch die Hosenbiene Dasypoda hirtipes, deren lange Sammelbehaarung der Hinterbeine ihr den Namen gab. Die Hosenbiene kommt nur auf Sand vor, und zwar nur auf trockenem Sand. Flussufer, die gelegentlich überschwemmt werden können, sind für die Hosenbiene ungeeignet, da sie im Gegensatz zur Auensandbiene oder der Frühjahrs-Seidenbiene keinen Wasserschutz in die Nester einbaut. Die Hosenbiene sammelt nur an Körbchenblütlern, und zwar fast ausschließlich an zungenblütigen. Auf der Düne muss sie sich daher ihren Tagesablauf streng einteilen, weil die zungenblütigen Körbchenblütler nur am Vormittag offen sind.

Eine deutlich kürzere Flugzeit als die Hosenbiene hat die Seidenbiene Colletes marginatus. Sie ist eine Besonderheit unter den Seidenbienen: Sie kommt ausschließlich auf Flugsandfeldern vor und ist als einzige auf Schmetterlingsblütler spezialisiert. Bis zum letzten Jahr wusste übrigens niemand, dass diese Biene überhaupt in Nordrhein-Westfalen vorkommt, obwohl sie wahrscheinlich kein Neubürger ist, sondern vermutlich seit ein paar tausend Jahren hier lebt.

Wie alle Flugsand-Spezialisten stellt die größte Bedrohung für sie die Zerstörung des Lebensraumes durch Bebauen, Aufforstung oder Zuwachsen mit Robinie dar. Eine ebensolche Bedrohung ist die permanente Düngung durch Hundekot, weil diese es den Allerweltspflanzen erlaubt, in die Flugsandflächen vorzudringen. Durch die Beschattung ändert sich das Mikroklima und ermöglicht es den Allerweltsarten die (kleinblütigen) Spezialisten zu verdrängen, auf die diese Seidenbiene angewiesen ist. Es reicht also nicht, ein kleines Areal für die Bodennister offen zu halten, es müssen auch die typischen Pflanzen der Flugsandbiotope dort dauerhaft wachsen können.

Da die Führung (hoffentlich) bei sonnigem Wetter stattfinden wird und es kaum Schatten gibt, sollten Interessenten unbedingt einen Sonnenhut oder -schirm mitbringen.

Termin: Sonntag, 29.06.08
Uhrzeit: 11:00 Uhr bis ca. 13:00 Uhr
Treffpunkt: Haltestelle „Paulusplatz“ der Buslinien 620 an der Ecke Paulusplatz / Berta-Lungstras-Straße
Der Eintritt kostet 5 Euro p.P., ermäßigt 3 Euro.
Bitte feste Schuhe und lange Hose anziehen! Sonnenhut nicht vergessen!

Weitere Infos bei:

Ökologie-Forum.de
Institut zur Förderung der Kenntnis ökologischer Zusammenhänge

c/o Diethelm Schneider
Postfach 14 02 23
53057 Bonn

0228-6204601

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