29. Juni 2008.

Bonn ist ganz schön international! Davon konnte sich eine Gruppe interessierter Bonner und Bonnerinnen ein Bild machen.
Der Arbeitskreis Internationales und Agenda der Bonner Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hatte zu einer Fahrradtour zu ausgesuchten Sehenswürdigkeiten und interessanten Einrichtungen rund um das Thema eingeladen.
Dass Internationales und Multikulturelles zusammengehören, wurde gleich bei den ersten zwei Stationen klar.

Hoher Besuch im ifz
Im Internationalen Frauenzentrum (ifz) in der Quantiusstraße startete die Tour. Dort erklärte die Mitgründerin Gaby Albert-Trappe, wer hier gerne gesehen ist: Frauen jeden Alters, jeder Nation, jeder Konfession, jeder sexuellen Orientierung…
Sie finden im ifz ein vielfältiges Angebot. Ob Nähkurs als Start in die Selbständigkeit, Sprachkurse für Migrantinnen oder künstlerische Kurse – vor allem wird spontan auf Wünsche und Anregungen reagiert. Besonders stolz ist man/frau, dass das ifz nun auch als Weiterbildungseinrichtung anerkannt ist. Das alles funktioniert nur mit großem Engagement der ehrenamtlich arbeitenden Frauen.
Nächste Woche wird hoher Besuch erwartet. Die Königin von Lesotho will sich ein Bild über die Arbeit des ifz machen.

Mädchen treffen sich bei AZADE
„Als  Azade 1989 gegründet wurde, da galten wir noch als Exoten“ erzählt Alexandra Harstall vom Mädchentreff in der Dorotheenstraße. Mit ihrer Kollegin Seraf Asal vom Migrantinnentreff Gülistan stellte sie das umfangreiche Programm der Einrichtung vor, die seit 1995 von der Stadt Bonn finanziell unterstützt wird.
Mädchen, die nicht die Offene Ganztagsschule besuchen können, kommen vor allem zur Hausaufgabenbetreuung. Der Bedarf ist groß, weil es nicht genügend OGS-Plätze gibt. Demgegenüber steht ein unzureichendes Raumangebot in der Einrichtung. Ein Umzug in ein größeres Haus ist in letzter Minute geplatzt, worauf hin auch die Stadt Bonn ihre schon zugesagte zusätzliche Unterstützung für die Einrichtung einer weiteren halben Stelle wieder zurück nahm. Das ist bitter, denn das Angebot in den jetzigen Räumen ist schon groß und gut nachgefragt. Mädchen kommen zu Kochkursen mit Schwerpunkt auf eine gesunde Ernährung, sehen sich Filme an, man geht gemeinsam schwimmen und auf der Kinderkonferenz diskutieren sie, wie sie ihr Umfeld besser gestalten können.

Antikes Römerlager in der Großstadt Bonn
Die Römer sorgten dafür, dass Bonn schon in der Antike eine Großstadt war. Norbert Volpert von Stattreisen e.V. erklärte auf historischem Grund am Römerlager (Graurheindorferstr./Am Römerkastell), dass hier 6000 römische Soldaten stationiert waren, dazu kamen noch 12 000 EinwohnerInnen. Also war „Castra Bonnensis“   schon in der Antike eine richtige  Großstadt. Harmonisch multikulturell ging es damals leider nicht immer zu. Die Römer haben die Ureinwohner der rechten Rheinseite, die Ubier, unterworfen und auf die  linke Rheinseite verfrachtet, dafür die dort lebenden Eburonen, wahrscheinlich ein keltischer Volksstamm, vernichtet. „Integration hat damals nicht so funktioniert, wie einige rheinische Kabarettisten es doch so gerne darstellen“, so Volpert mit einem Augenzwinkern.

Moschee als Notbehelf
Dass Integration in Bonn klappt, können Politik und Verwaltung demnächst schön beweisen. Ein unscheinbares Haus in der Theaterstraße dient zurzeit dem Verein Al-Muhajirin als Moschee, allerdings in sehr beengten Verhältnissen. Doro Pass-Weingartz, Grünes Ratsmitglied, erklärte vor Ort die Situation und wünscht sich, dass Standortwahl und der Bau der neuen Moschee zügig voran gehen.

UN-Stadt Bonn
17 Organisationen der United Nations sind im „Langen Eugen“ im ehemaligen Regierungsviertel angesiedelt. In den verschiedenen Sekretariaten wie z.B. das Internationale Zentrum für Berufsbildung der UNESCO, das Wüstensekretariat oder Sekretariat für Katastrophenvorsorge arbeiten ca. 600 MitarbeiterInnen. Gaby Albert-Trappe, Sprecherin für Internationales der Grünen Ratsfraktion gab zu bedenken, dass erst ab einer Beschäftigten-Zahl von 1000 ein UN-Standort als sicher gilt. Deshalb sollte die Stadt Bonn die Bedingungen für UN-Angehörige verbessern, um so den Anreiz für die Ansiedlung weiterer UN-Einrichtungen zu schaffen.
Das Klimasekretariat befindet sich noch bis 2009 im Haus Carstanjen. Das Sekretariat wird dann in das ehemalige Abgeordneten Hochhaus einziehen, das zur Zeit nach ökologischen Bedingungen renoviert wird.

Frauendeformationen am Posttower
Unweit des Posttowers ist ein Kunstwerk besonderer Art zu besichtigen. Tina Schwichtenberg stellte 30 Frauenfiguren in einem großen Kreis auf und gab ihnen die unterschiedlichsten Ausprägungen: vom Kopf in Form einer Kopra bis zur Nofretete ist jede Statue auf besondere Weise „deformiert“.
Von einer bekannten Bonner Künstlerin wird folgende Interpretation erzählt: hier würden die Schwächen der Frau in unterschiedlichster Form gegen das Bild der Superfrau aus der Frauenbewegung dargestellt.

Sprung zum Bonner Bogen
Natürlich ist Bonn auch auf der anderen Rheinseite international. Mit dem neuen 5-Sterne-Hotel „Elysion“ will der Konferenzstandort Bonn noch attraktiver werden.
Monika Heinzel, wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen wusste von einem Studenten aus Aachen zu berichten, der viel Geld mit der Entwicklung eines  Programms für die Krankenhausverwaltung verdient hatte und nun den „Bonner Bogen“ mit dem Bonner Architekten Schommer realisiert. Jörg Haas, Initiator des Projekts, will einen neuen Stadtteil mit 5000 Arbeitsplätzen schaffen.
Vorher stand auf dem Gelände das Bonner Zementwerk.
Ein Mitarbeiter von Stattreisen e.V. erzählte vor der alten Direktorenvilla die Geschichte der Familie Bleibtreu, die dort im 19. Jhrdt. lebte. Hermann Bleibtreu stellte 1850 den ersten „Portland-Zement“ in hervorragender Qualität her. Er wurde u.a. für den Bau des Kölner Doms verwendet. Die Zementfabrik wurde 1858 auf diesem Gelände bei Oberkassel errichtet. Bis 1987 wurde hier Zement hergestellt. Ein Jahr später wurde das Werk bis auf die denkmalgeschützten Bauten abgerissen. Direktorenvilla, die so genannte Rohmühle und der Wasserturm bilden zusammen mit den modernen und futuristisch anmutenden Gebäuden ein ganz besonderes Ensemble.

Nach so vielen interessanten Eindrücken ließen sich die TeilnehmerInnen erschöpft in die Liegestühle der nahe gelegenen Strandbar fallen.

Alle waren sich einig: Bonn hat als internationale Stadt viel Spannendes zu bieten.

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