Tausende demonstrieren gegen Naziaufmarsch in Bonn

12. Juli 2008.

200 Nazis, 3.000 Gegendemonstranten und 1.500 Polizisten samt Wasserwerfern, Pferden und Hubschrauber. Bonn-Duisdorf im Ausnahmezustand.
Die Organisatoren des Bonner Aktionsbündnis „Kein Fußbreit den Faschisten“ werten die Gegendemonstration gegen den Naziaufmarsch als Erfolg. Es war eine lautstarke und am gesamten Zugweg der Rechten präsente Manifestation gegen Nazis in Bonn und überall. Das kleine Häuflein Nazis hat es zwar geschafft, seine Kundgebung durchzuführen, aber weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Sie haben mit ihrem provokanten Auftritt aber auch bewirkt, dass sich in Bonn ein demokratisches Bündnis gegen sie gestellt hat, wie es sich in dieser Breite noch nie zusammengefunden hat. Linke Gruppen, Gewerkschaften, Kirchen, alle Parteien (außer der CDU, die sich selber ausgeschlossen hat) bis hin zur Industrie- und Handelskammer: Alle waren sich einig, dass die Nazis in dieser Stadt unerwünscht sind und haben sich an der Gegendemonstration beteiligt. Das war sicherlich der größte Erfolg aller, die sich gegen rassistisches Gedankengut und für echte Meinungsfreiheit einsetzen.

Der teilweise unverhältnismäßige Einsatz der Polizei gegen Gegendemonstranten wirft allerdings einen Schatten auf diesen Tag. Sieben Straftaten – Farbbeutelwürfe und das Abfeuern von Leuchtraketen – sind nach Angaben der Polizei aus den Reigen der Gegendemonstranten begangen worden, als die Polizei den im Vorfeld abgesprochenen Demonstrationsweg versperrte. Daraufhin kesselte die Polizei hunderte friedliche DemonstrantInnen gleich mit ein und hielt sie bis zu 7 Stunden fest. Stundenlang mussten sie ohne Zugang zu Wasser und Toiletten am Rande der Kundgebung in Rufweite der KundgebungsteilnehmerInnen ausharren. Abgeschirmt durch mehrere Polizeiketten und einem Ring von Polizeifahrzeugen. Alle wurden erkennungsdienstlich behandelt. Über 300 erhielten Platzverbot – also Demonstrationsverbot – im Gegensatz zu den rund angereisten 200 Nazis.
Polizeikessel
Prominentester Eingekesselter war der Kölner Straßenmusiker Klaus der Geiger, der sich direkt in den Kessel begab, um mit seiner Musik die festgesetzen DemonstrantInnen moralisch zu stärken und der als einer der letzten den Kessel wieder verließ.

weitere Bilder:
stundenlang festgesetzt

der Kesselgrund


Die Kavallerie tief im Bonner Westen

Foto: JOKER

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