Abwasserleitungsbau knirscht am Ufer entlang?

5. September 2008.

Lohmar, 3.9.2008: In einem zweiten Bauabschnitt will nun die Stadt Lohmar die inzwischen überdachten Flächen neben dem Gebäude der Naturschule im Aggerbogen mit Wänden schließen, die Toilettenanlagen ausbauen und eine Abwasserleitung entlang des Aggerufers verlegen. Dazu benötigt sie eine Befreiung von den Schutzgebietsvorgaben des Naturschutzgebietes Agger. Der Antrag ist auch Gegenstand der Beratungen im heutigen Landschaftsbeirat im Kreishaus.
Der BUND hatte im Zuge der Stellungnahme im behördlichen Verfahren zum ersten Bauabschnitt bereits dargestellt, dass der weitere Ausbau des Gebäudes an einer dafür ungeeigneten Stelle, nämlich mitten im Naturschutzgebiet und unmittelbar am Flussufer, dauerhaft einer Annäherung der Entwicklungsziele für das Naturschutzgebiet und der umweltpädagogischen Arbeit in dem Gebiet entgegen steht. Der BUND ist weiterhin der Überzeugung, dass die Frage der langfristig verbesserten Verortung des Gebäudes diskutiert werden sollte, ohne dass einem deshalb unterstellt wird, man wolle die tägliche umweltpädagogische Arbeit der Naturschule behindern.
Der BUND wirft der Stadt Lohmar weiterhin vor, die Naturschutzbelange in dem Konflikt unzureichend zu beachten, denn das Festhalten an dem Gebäudestandort führt zu Folgeproblemen bei der Umsetzung der Ziele der Wasserrahmenrichtlinie, insbesondere bei der Uferbefreiung entlang der Agger. Das Naturschulgebäude und gerade die am Ufer entlang geplante Leitung verhindern eine Renaturierung der Agger sowohl im Detail (Uferbefreiung) als auch im größeren Stil (langfristige Entwicklung eines Mehrstromgerinnes) an dieser dafür besonders geeigneten Stelle (großes Raumangebot, Naturschutzgebiet, keine landwirtschaftliche Nutzung, umweltpädagogische Begleitung).
In seiner Stellungnahme zum zweiten Bauabschnitt wird der BUND seine grundsätzlichen Bedenken erneut vortragen, da sie weiterhin fachlich angebracht sind. Da jedoch ein Teil der Neuinvestition, nämlich diejenigen für den ersten Bauabschnitt, bereits erfolgt ist, wird eine Verlagerung des Gebäudes verständlicherweise immer unwirtschaftlicher. Der BUND erwartet deshalb, dass in dem Naturschutzgebiet und bei einer weiteren Investition für eine Umweltbildungseinrichtung zumindest weitere Schritte unternommen werden, um die negativen Folgen, die aus der Planung entstehen, abzumildern. Dazu ist es vor allem notwendig, die geplante Abwasserleitung aus dem potentiellen Gestaltungsraum der Agger heraus weiter zurück auf die Landfläche zu verlegen. Der bisher hier uferparallel geführte Weg sollte später ebenfalls verlagert werden, um die Uferzone frei zu stellen. Aktuell ist es geplant, die Leitung entweder im gesetzlichen Uferrandsteifen oder unmittelbar neben ihm zu verlegen, womit man den Anforderungen des Gewässerschutzes sicherlich nicht gerecht werden würde.
Außerdem ist es notwendig, die geplanten großen Fensterflächen am Gebäude so zu gestalten, dass dort keine Vögel durch Vogelschlag zu Schaden kommen können. Greifvogelsilhouetten als Aufkleber anzubringen, reicht dabei leider nicht aus. Vielmehr bedarf es mattierter oder mattiert gestreifter Glasflächen.
Frau Antje Schäfer-Hendricks wird im heutigen Beirat bei den Lohmar betreffenden Tagesordnungspunkten ihre private Position vertreten, nicht die des BUND.

V.i.S.d.P.
BUND RSK
Achim Baumgartner
Steinkreuzstraße 14
53757 Sankt Augustin
Tel.: 02241 2007566

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