Baggern für den Laubfrosch

8. Oktober 2008.

bagger_swisttal-duenstekovenSeit dem 8. Oktober rollen im Naturschutzgebiet Dünstekoven in Swisttal die Bagger, begleitet von Motorsägen und Planierraupen. Doch wer Naturfrevel vermutet, hat weit gefehlt: Die Arbeiten in der stillgelegten Kiesgrube am Rande des Kottenforsts sind der Auftakt zu umfangreichen Pflegemaßnahmen für den selten gewordenen Laubfrosch. Den findet man in der gesamten Region nämlich nur noch hier – die nächsten Vorkommen liegen in Düren, am Niederrhein und im Westerwald.
Dabei war der kleine grüne Lurch, der uns als „Wetterfrosch“ gut vertraut ist, einst richtig häufig, wie Peter Meyer vom NABU Bonn erklärt: „Laubfrösche sind Kulturfolger. Sie brauchen offene Landschaften mit Weiden, Wiesen, Wäldern und natürlich vielen Gewässern“. Diese seien aber, so der Naturschützer, selten geworden. „Die Flurbereinigung und falsch verstandener Ordnungssinn haben dazu geführt, dass naturnahe Kleingewässer heute fast vollständig aus unserer Agrarlandschaft verschwunden sind. Wo früher Viehtränken, Feuerlöschteiche und Altarme waren, gibt es jetzt bestenfalls begradigte Bäche und Entwässerungsgräben“. Und mit den Tümpeln ist der Laubfrosch ebenfalls verbannt worden – die Art ist heute bundesweit vom Aussterben bedroht. Das Vorkommen im Rhein-Sieg-Kreis gilt nach Angaben des NABU als das größte im ganzen Rheinland.
Damit der Frosch auch weiterhin in Swisttal quaken kann, sind umfangreiche Pflegemaßnahmen nötig geworden. Die Naturschützer haben in den letzten Jahren den Bestand des anspruchsvollen Amphibs genau beobachtet und festgestellt, dass es bergab geht. Meyer: „In den letzten Jahren haben wir kaum mehr als 30 Tiere rufen gehört, dabei waren es schon mal doppelt so viele. Wir haben über 100 Gewässer im Schutzgebiet, aber viele sind inzwischen stark verlandet oder liegen im Schatten der schnell wachsenden Birken“. Die Bagger werden – von der Kreisverwaltung in Siegburg finanziert – neue Gewässer schaffen und alte, zugewachsene Teiche wieder ausheben. Der NABU selbst wird bis in den Dezember hinein mit ehrenamtlichen Helfern dafür sorgen, dass wieder Licht an die Wasserflächen kommt.
Und für die weitere Zukunft hat der NABU Bonn auch schon Pläne: „Laubfrösche gehören zu unserer Kulturlandschaft wie Schwalben und Störche. Das Vorkommen in der Kiesgrube Dünstekoven sollte eine Keimzelle sein, von der er sich wieder ausbreiten kann“, so Meyer. Mögliche neue Quartiere haben die Naturfreunde bereits im Bereich des Kottenforsts und an der Swist ausgemacht.
Wer Interesse hat, bei den Aktionen mitzumachen, kann sich unter der Telefonnummer 02254/846537 oder per E-Mail (info@nabu-bonn.de) nach den nächsten Terminen erkundigen.

V.i.S.d.P.: Alexander Heyd
NABU Bonn
Naturschutzzentrum Am Kottenforst
Waldstraße 31
53913 Swisttal
Tel. 02254 / 60 14 901
Fax 02254 / 84 77 67
www.nabu-bonn.de
Weitere Informationen: Peter Meyer, 0175/4701247
Bild: Baggerarbeiten am Laubfroschgewässer in Dünstekoven, Oktober 2008, Copyright: Peter Meyer

Schlagworte: , , , , ,

Artikel zum gleichen Thema

Zum Artikelarchiv ...

Vorheriger Artikel:

Nächster Artikel:

Artikel RSS
Kommentare RSS
rhein:raum Twitter