Energie der Zukunft in alte Kasernenmauern!

29. Oktober 2008.

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In der Ermekeil-Kaserne steckt viel Potential für Bonn!

Luxuswohnen, Stadteilzentrum, alternatives Kultur-Quartier: Für die ehemalige Ermekeil-Kaserne bieten sich viele Lösungen. Am meisten profitiert die Stadt aber, wenn dort zukunftsweisende Jobs geschaffen werden – durch die Ansiedlung einer internationalen Organisation für Erneuerbare Energie.
Die Gründung der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien, kurz IRENA („Internatinal Renewable Energy Agency„) steht kurz bevor. Für dieses Ziel haben die Bonner Organisation EUROSOLAR und ihr visionärer Gründer, Hermann Scheer (Träger des „Alternativen Nobelpreises“), lange gekämpft; schließlich konnte die Bundesregierung überzeugt werden. IRENA soll das Pendant zur Internationalen Atom-Energiebehörde in Wien sein – eine internationale Organisation, die die Erforschung, Einführung und Verbreitung von Solarenergie, Windkraft und anderen erneuerbaren Energien unterstützt. Die Gründungskonferenz soll im Januar 2009 stattfinden – und zwar in Bonn. Noch nicht entschieden ist der Standortpoker. Da die deutsche Regierung nicht nur zu den Erstunterzeichnern der Gründungsurkunde gehören wird, sondern den Prozeß maßgeblich vorangetrieben hat (wenn auch nach zu langem Zögern), ist ein Standort in Deutschland möglich – und welche Stadt bietet sich da besser an als der Ort der Gründung, nämlich Bonn? Mit dem Klimasekretariat der Vereinten Nationen und vielen engagierten NGOs hat die Klima-Hauptstadt am Rhein einiges zu bieten – unter anderem einen der größten Solarkonzerne weltweit, Solarworld im ehemaligen Regierungsviertel.
Aber die Konkurrenz schläft nicht. Madrid ist ebenfalls ein heißer Kandidat für den Standort, andere Städte könnten noch hinter den Kulissen lauern, um diese prestigeträchtige Organisation und mit ihren zahlreichen hochkarätigen Arbeitsplätzen in ihre Mauern zu locken. Bonn muß also schon etwas bieten. Die ehemalige Ermekeil-Kaserne, ein städtebauliches Juwel, wäre da der richtige Joker. Das denkmalgeschützte Hauptgebäude würde sich aufgrund der langen Flure und kleinen Zimmer sowieso kaum anders nutzen lassen denn als Bürogebäude. Die Umwandlung eines militärischen Gebäudes in zivile Nutzung (Stichwort: Konversion), noch dafür auf internationaler Ebene, wäre ein besonderes Bonbon. So würden die über 100 Jahre alten Mauern der Zukunft der Energie ein zu Hause geben.
Ein intelligentes Nutzungskonzept müßte freilich noch mehr zu bieten haben. So könnten im ehemaligen Stabsgebäude (ein ebenfalls denkmalgeschützter Ziegelbau an der Ecke Argelanderstraße / Ermekeilstraße) einige der Einrichtungen untergebracht werden, die eine Internationale Organisation und die Bewohner des umliegenden Viertels brauchen: eine mulit-kulturelle Kindertagesstätte, ein Vollwert-Restaurant und Imbißmöglichkeiten für Spezialitäten aus aller Welt, ein Öko-Tagungshotel, Arztpraxen für traditionelle chinesische Medizin, Ayurveda und andere Naturheilverfahren. Auch kleine NGOs, die zu Themen wie Klimawandel und nachhaltige Entwicklung arbeiten, könnten hier angesiedelt werden. Die anderen Gebäude auf dem Gelände, die aus den fünfziger und sechziger Jahren stammen und abrissreif sind, werden ersetzt durch eine Solarsiedlung – also Ein- und Mehrfamilienhäuser auf höchstem Energie-Effizienz-Niveau, als Demonstrationshäuser und für die Mitarbeiter von IRENA und die Bonner Bürger, die direkt in diesem neuen, internationalen Viertel von Bonn wohnen wollen. Für alle Bürger der Stadt steht der Park offen, der zwischen den Gebäuden entstehen wird – und in dem, ähnlich wie eindrucksvolle Großskulpturen, einige Windenergieanlagen, Solaranlagen etc. mit wegweisenden Konzepten installiert werden. Daraus könnte sogar eine Art „Erlebnispark Erneuerbare Energien“ werden – wo Bürger ebenso wie die Touristen, die nach Bonn kommen, die Zukunft der Energieversorgung „live“ erleben und sogar anfassen können. Eine Außenstelle des Deutschen Museums könnte die technologischen Konzepte erläutern, kleine Info-Stände von Herstellern darüber informieren, was denn jeder Hausbesitzer selbst für die Energie-Wende tun kann.
Neben dem beträchtlichen Image-Gewinn für Bonn durch die Ansiedlung von IRENA, zahlreichen neugeschaffenen, hochkarätigen Arbeitsplätzen und einer weiteren Touristen-Attraktion hat eine solche Lösung noch einen ganz entscheidenden Vorteil für die Bonner BürgerInnen und BewohnerInnen des Viertels: der Park des Geländes wäre öffentlich. Wenn die ehemalige Kaserne in die Hände von Immobilienspekulanten fällt, würden zwar einige Luxus-Wohnungen entstehen, aber ein öffentlicher Park würde aus Sicht der Investoren die Exklusivität des Geländes und dadurch die Rendite mindern. Weil der Bund über das Verteidigungsministerium sowieso Besitzer der Grundstücke ist, würde sich eine Umwidmung und Nutzung durch IRENA relativ leicht realisieren lassen. Nur: jemand muß dafür kämpfen – und zwar rechtzeitig, solange durch ein derart überzeugendes Angebot der Standortpoker für IRENA noch zu beeinflussen ist.

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