Ermekeilkaserne

Ermekeilkaserne: Vorerst keine Hausbesetzung

14. November 2008.

JOKER030514120102.JPGStadtbaurat Werner Wingenfeld, seit acht Monaten oberster Baubeamter der Stadt Bonn, saß gestern abend auf dem Podium beim 2. Fachgespräch “Architektur”, zu dem die “Bürgerinitiative zur zivilen Nutzung der Ermekeilkaserne” in den nahen Gemeindesaal der Lutherkirchengemeinde eingeladen hatte.
“In einem Bebauungsplan werden keine konkreten Häuser dargestellt, sondern abstrakte Vorgaben: Hier ein Platz, dort ein Durchgang, dort Gebäude in dieser oder jener Größe und für diese oder jene Nutzung”, erläuterte er den rund 100 Besuchern der Veranstaltung.
Im Grunde sei es sogar gut, dass die Kaserne erst in vier bis fünf Jahren frei werde. So bleibe gerade noch genug Zeit, einen ordentlichen und bindenden Bebauungsplan für das gesamte Areal aufzustellen, samt zweistufiger Bürgerbeteiligung und allem was dazugehöre.
Anwohner aus der Nachbarschaft formulierten bereits gestern abend eindeutige Wünsche: Kein großflächiger Einzelhandel à la WAL MART oder LIDL. Nichts, was den Südstadt-Lärmpegel erhöht. Öffentliche Aufenthaltsräume, in denen man kein Getränk bestellen muss. Bürgerhaus nach Art der “Alten Feuerwache” im Agnes-Viertel in Köln.
Aus dem Publikum kam auch die Anregung, dass eine städtisch kontrollierte Auffanggesellschaft als Käufer der gesamten Liegenschaft auftreten könne, um anschließend kleinteiliger aufzuteilen.
Hans Uelner, Bonner Architekt im Ruhestand, der ebenfalls auf dem Podium saß, gab u. a. zu bedenken, dass das von allen Anwesenden geliebte kleinteilige Milieu nur dann erreicht werden könne, wenn die Baukosten sehr niedrig seien, d. h. möglichst wenig NEU gebaut werden müsse. Bereits Anfang der 1990er Jahre hatte er skizzenhafte Vorschläge zur zivilen Belebung der Ursprungskaserne der Bundeswehr (damals “Amt Blank”) vorgelegt und wurde zu Beginn des Abends als “Urgestein” der Bürgerinitiative benannt.

Erste Entwürfe

Auf Anregung der Bürgerinitiative beschäftigen sich auch Architektur-Fachbereiche von Hochschulen mit dem Thema. Gestern abend war eine Arbeit von StudentInnen der Alanus-Hochschule Alfter ausgestellt: Zahlreiche Pläne hingen an der Wand, und es gab ein beeindruckendes städtebauliches Modell des Areals + angrenzender Umgebung zu bewundern.
Stadtbaurat Wingenfeld konnte seinen Blick vom Modell kaum losreißen. Altarchitekt Uelner bemerkte zufrieden: Aha, die Verwaltungsspitze hat mit der städtebaulichen Analyse begonnen!
Weitere studentische Vorschläge gibt es aus Dresden und demnächst wohl auch aus Köln. Die Moderation in Bonn hatte gestern abend Manni Stenner.
Wie geht’s nun weiter? Altarchitekt Uelner schlug vor, den Stadtrat dazu zu bewegen, die Verwaltung mit der Aufstellung eines Bebauungs-Plans zu beauftragen.Stadtbaurat Wingenfeld sagte daraufhin, er fühle sich bereits beauftragt. Mit einem Augenzwinkern bot M. Stenner politische Unterstützung durch das Besetzen des seit Jahren leerstehenden Altbaus der Kaserne an. Der Vertreter der Stadt lehnte allerdings vorerst dankend ab.


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