Prioritätenliste Skulpturen im öffentlichen Raum

30. Januar 2009.

skulptur-rathausDer Berg kreißte und gebar… – eine “Prioritätenliste Skulpturen im öffentlichen Raum”. Am 28. Januar 2009 veröffentlichte die Verwaltung die Liste im Rahmen einer Mitteilung für den Kulturausschuss – Berichterstatter: Prof. Dr. Stephan Berg, Intendant des Bonner Kunstmuseums.
Mehr als ein Jahr brauchte die Verwaltung für diese Vorlage für den Kulturausschuss. Nachdem sich jahrelang auf städtischer Seite niemand um die zahlreichen Kunstwerke im öffentlichen Raum gekümmert hatte, befasste sich der Kulturausschuss der Stadt am 17. Oktober 2007 mit Vorschlägen zu ihrer Erhaltung und besseren Präsentation. Der Kulturausschuss nahm einen Grünen Antrag mit einigen Änderungen einstimmig an, ebenfalls der Hauptausschuss am 6. Dezember 2007. Im einzelnen wurde die Verwaltung beauftragt, an Kunstwerken entstandene Schäden zu restaurieren und Präsentationsmängel (keine Beschilderung, Überwachsungen, kein öffentlicher Zugang etc.) zu beseitigen. Um Kunstinteressierten die Auffindung der Kunstwerke zu erleichtern, so der Beschluss aus dem Jahr 2007, sollen in Bonn Skulpturenpfade (z. B. im Bonner Zentrum, entlang der Rheinpromenade, im Bundesviertel) ausgewiesen und zu den jeweiligen Pfaden Informationsblätter erstellt werden. Weiterhin soll die Tourismuszentrale Führungen entlang der Skulpturenpfade in ihr Programm aufnehmen und die Bonner Skulpturenpfade im Rahmen des Stadtmarketings beworben werden. Vom Haushaltsjahr 2008 an wurde der Betrag für den Unterhalt von Plastiken, der bis dahin 500 € betrug, auf 10.000 € erhöht.
Die Reaktion der Verwaltung auf diesen Beschluss: erst einmal Schweigen. Den damaligen Kulturamtsleiter, der sich um eine Umsetzung bemühte, gibt es mittlerweile nicht mehr. Das Amts ist derzeit verwaist und ein Nachfolger nicht in Sicht. Der neue Intendant des Bonner Kunstmuseums, Stephan Berg, zeigte an dem Thema kein Interesse und deshalb tauchten Ende 2008 die Skulptur-Beschlüsse des Jahres 2007 in der jeder Jahr vorgelegten Liste der unerledigten Rats-Beschlüsse auf.
Vor diesem Hintergrund ist die nun vorliegende Verwaltungsvorlage zu sehen. Geht es nach ihr, so soll in Kürze mit den vorhandenen finanziellen Mitteln die “Zwangslage I” von Lajos Barta im Innenhof des Alten Rathauses restauriert werden. Sie steht auf der jetzt vorgelegten „Prioritätenliste“ der Verwaltung ganz oben. Ob die Skulptur auch einen neuen Platz bekommen soll, sagt die Verwaltung nicht. Auf Platz zwei der Prioritätenliste steht die Restaurierung der “Blauen Stelen” von Angelika Schmitt in der Rheinaue. Gleichzeitig teilte die Verwaltung mit, dass kein „Skulpturen-Pfad“ eingerichtet werden soll. Ein solcher Pfad stelle “kein touristisches Alleinstellungsmerkmal” dar. Zudem ständen die Aufstellungsorte der bedeutendsten Skulpturen “in keinem räumlichen Kontext”.
Interessant wird es sein, wie der Kulturausschuss mit dieser Vorlage umgeht. Wer entscheidet? Die gewählten Vertreter der Bonner Bürger? Oder die Verwaltung? Und: wie ernst nehmen die Vertreter das, was sie beschließen?
Hans Weingartz

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