BUND sorgt sich um Merler Wäldchen

26. Februar 2009.

Die Gemeinde Meckenheim plant, einen Spielbereich im Merler Wäldchen, einem vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz  (LANUV) kartierten Biotop, einzurichten. Mit der Wahl dieser für den Zweck nicht optimalen Fläche geht die Gemeinde unter dem Titel einer zukunftsweisenden Kinder- und Jugendpolitik bewusst auf Konfrontationskurs zu den Interessen der Anlieger, aber eben auch zum Naturschutz. Der BUND weist nun seinerseits auf die sich abzeichnenden Probleme hin und bittet die Gemeinde darum, die Planung im Merler Wäldchen einzustellen. Kinder- und Jugendpolitik sei auch unter Wahrung der Naturschutzinteressen und ohne dabei die wenigen störungarmen Rückzugsgebiete der Natur in der Stadt zu belasten, machbar und zumutbar. Statt z.B. potentielles Bauland zu Gunsten der Kinder freizugeben oder in der Stadtplanung frühzeitig entsprechende Spielflächen zu sichern, verlagere man nun bewusst den bislang nachgeordneten, aber sehr berechtigten Raumanspruch der Kinder und Jugendlichen in jene Flächen, die für eine Bebauung aus Naturschutzgründen nicht in Frage kämen. Eine solche Stadtplanung sei alles andere als zukunftsweisend, da ebenfalls bedeutende Aufgaben, wie etwa der Naturschutz, dabei nachgestellt würden.
Aus Sicht des BUND zeichnen sich vor allem zwei Konfliktpunkte ab. Das Wäldchen mit ca. 180 Jahre alten Eichen liegt nur ca. 400m vom FFH-Gebiet Kottenforst entfernt. Es sind daher zahlreiche bedrohte Tierarten zu erwarten, die entweder als Relikte im Wäldchen vorkommen oder die regelmäßig zwischen dem FFH-Gebiet und dem Wäldchen hin und her wechseln. Im ersten Fall wäre vor allem der Springfrosch zu nennen, im zweiten Fall – wegen der trennenden Autobahn – nur fliegende Arten wie Fledermäuse, Vögel und Insekten, etwa der Grün- und Mittelspecht bzw. der Hirschkäfer. Nachdem nun zumindest eine Potentialanalyse der möglicherweise betroffenen Arten vorliegt, fühlt sich der BUND in seinem Anliegen deutlich bestätigt, den ohnehin kleinen Waldbereich nicht durch zusätzliche Freizeitbelastungen in Anspruch zu nehmen. Das ergibt sich schon dann, wenn realistische Fluchtdistanzwerte angesetzt würden.
Zugleich bergen die alten Bäume nach landläufiger Auffassung zahlreicher Behörden ein Risiko für die Kinder. Landauf- und landab fällen Kommunen und Straßenbaulastträger mit Verweis auf die Verkehrssicherungspflicht Bäume entlang von Fahrbahnen, in Siedlungen aber auch in Naturschutzgebieten. Da erscheint die Idee unangemessen, mitten in einem ca. 180 Jahre alten Eichenwald, also in einem Wald mit zahlreichen Totholzästen in den Kronen, die leicht herabstürzen können, das Kinderspiel bewusst zu fördern, da die hohen Kosten für die dann unmittelbar eintretenden, erhöhten Sicherungsanforderungen und die jährlichen Kontrolluntersuchungen durch die Wahl eines geeigneten anderen Standortes komplett vermieden werden könnten. „Eine Parkbank an einem Wanderweg in der Nähe einer naturbelassenen Alteiche ist wegen rechtlicher Vorgaben nicht mehr möglich, aber ein ganzer Spielbereich soll unproblematisch sein?“, wundert sich der BUND. Ein ‚Aufräumen‘ der Kronen brächte jedoch einen herben Verlust an wichtigen Biotopstrukturen gerade für die bedrohten Arten mit sich, was durch eine andere Standortwahl für den Spielbereich verhindert werden könnte.

Der BUND sieht zudem auch ein ganz grundsätzliches Problem: Zusicherungen, ein Vorhaben bleibe beschränkt und im Umfang klein, wurden in der Vergangenheit immer wieder nach einigen Jahren von den Kommunen aufgehoben. Dann legen die Gemeinden eine veränderte Argumentation auf den Tisch: Nun sei das Gebiet weiter vorbelastet und ein Ausbau der Nutzung daher unproblematisch, störungsempfindliche Arten seinen ja nun ohnehin schon vertrieben worden. Vor dieser ‚Abwärtskaskade‘ warnt der BUND ausdrücklich.

„Der BUND hofft sehr, dass im Falle des Merler Wäldchens seitens der Stadt versöhnlichere Wege gefunden werden, bei denen sowohl das Wohl der Kinder als auch das der Natur berücksichtigt werden. Für die Kinder sollte in einer Gemeinde mehr Raum angeboten werden als jener Rest, der nicht über Baugebiete vermarktet werden kann.“, resümiert der BUND Kreisvorsitzende des BUND, Achim Baumgartner. „Natur“ und „Kinder“ gegeneinander auszuspielen, sei kein guter Weg, da beide hilfsbedürftig seien und Unterstützung benötigten.
BUND Rhein-Sieg-Kreis
Achim Baumgartner
Steinkreuzstraße 14
53757 Sankt Augustin

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