Vogel des Jahres

Hilfe für den Eisvogel – Wer hat fliegenden Edelstein gesehen?

17. März 2009.

EisvogelPfeilschnell schießt er mit schrillem Pfiff dahin, meist nur eine flüchtige Erscheinung. Nur wer Zeit und Ruhe mitgebracht hat, bekommt den Eisvogel länger als einen Augenblick zu Gesicht. Mit seinem stahlblau schimmernden Rücken, dem leuchtend orangefarbenen Bauch und knallroten Füßen ist er einer der farbenprächtigsten europäischen Vögel. Vor allem aber ist er ein anspruchsvoller Zeitgenosse: Nur an naturnahen, sauberen und ruhigen Gewässern findet er  ausreichenden Lebensraum. Als Stellvertreter für eine ganze Reihe gefährdeter Auenbewohner ist der Eisvogel zum Vogel des Jahres 2009 erkoren worden.
Sein Nest baut der Eisvogel in steile Uferböschungen, in die er bis zu einen Meter tiefe Röhren gräbt. Am Ende richtet der „Uferspecht“ einen kleinen „Wohnraum“ ein, in der im Frühling die bis zu acht Jungen aufgezogen werden. Wenn das Wetter mitspielt, brütet er im Sommer auch ein zweites und drittes Mal – ein einzelnes Pärchen kann so über 20 Junge im Jahr in die Welt setzen. Doch aller Fruchtbarkeit zum Trotz ist es um die Zukunft des Eisvogels nicht gut gestellt. „Wo Bäche und Flüsse in ein Korsett aus Stein und Beton gezwängt wurden, findet der Eisvogel weder Nahrung noch Brutmöglichkeiten“, erklärt Peter Meyer vom NABU Bonn.
Bei gutem Wetter hat der scheue Vogel aber noch ganz andere Probleme zu meistern. Meyer: „Die Vögel sind sehr störungsanfällig. Ein Picknick in der Nähe der Brutwand, ein paar Kanus und selbst ein einzelner Angler, der dem Nest zu nah kommt, können schon zur Aufgabe der Brut führen“. Deswegen müsse ein besonderer Wert auf beruhigte Bach- und Flußabschnitte gelegt werden.
Damit diese letzten naturnahen Bereiche erhalten bleiben, arbeitet der NABU Bonn derzeit an einem umfangreichen Schutzkonzept für den „fliegenden Edelstein“. Dafür haben die Naturfreunde Anfang März eine große Suchaktion gestartet. „Wir kennen nur 6 Paare des Eisvogels an Sieg, Swist und Katzenlochbach. Nur wenn wir wissen, wo er sonst noch vorkommt, können wir ihm gezielt helfen.“ Vorgesehen sind unter anderem die Anlage und Wiederherstellung von steilen Uferböschungen und der Aufbau von künstlichen Nisthilfen, wie erst unlängst in Swisttal-Dünstekoven.
Der NABU Bonn bittet deshalb darum, aktuelle Beobachtungen und Brutplätze zu melden. Auch  Sichtungen aus den letzten zwei Jahren sind dabei von großem Interesse. Für Hinweise auf den Vogel des Jahres haben die Naturschützer unter der Telefonnummer 02254 / 83 95 88 eine „Eisvogel-Hotline“ eingerichtet. Auf der Internetseite www.nabu-bonn/Eisvogel.de können Beobachtungen online gemeldet werden.
Wer sich etwas mehr mit dem fliegenden Edelstein beschäftigen möchte, kann seit Donnerstag eine kleine Ausstellung zum Vogel des Jahres im Museum Koenig besuchen – die Präsentation ist von Dienstag bis Sonntag von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet (Mittwochs bis 21:00 Uhr).

V.i.S.d.P. und weitere Informationen:
Alexander Heyd
NABU Kreisgruppe Bonn e.V.
Waldstraße 31
53913 Swisttal-Dünstekoven
Tel.: 017272191542

Schlagworte: , , ,

Artikel zum gleichen Thema

Zum Artikelarchiv ...

Vorheriger Artikel:

Nächster Artikel:

Artikel RSS
Kommentare RSS
rhein:raum Twitter