Festspielhaus-Debatte

Beethovenhalle oder Festspielhaus

7. April 2009.

Die Diskussion um Für und Wider eines Beethoven-Festspielhauses zieht in der Bürgerschaft immer weitere Kreise. Im folgenden übernehmen wir mit freundlicher Genehmigung einen Beitrag von Renate Klimesch aus „Downtown-Schwarzes Stadtmagazin“, einer Hauswurfzeitung der CDU Bonn-Innenstadt. Die Autorin Renate Klimesch ist 81 Jahre und hat den mit viel bürgerlichem Engagement ermöglichten Bau der Beethovenhalle selber miterlebt. Sie macht sich zum Festspielhaus Gedanken, die zu diesem Thema „in Bonn nicht gedacht werden dürfen“.
In diesem Jahr sehen sich Stadtrat und Bonnerinnen und Bonner nicht nur an der Wahlurne vor eine Wahl gestellt. Die Idee von Ex-Postchef Zumwinkel und Literaturpäpstin Karin Hempel-Soos, den Standortfaktor Beethovenstadt mittels eines aufwändigen Festspielhauses zu stärken, soll den Abriss der vorhandenen Beethovenhalle erfordern. So wünschenswert ein solches Festspielhaus erscheint, die Konsequenzen sind nicht zu übersehen: Die jetzt vorliegenden Pläne würden den Verzicht auf eine innerstädtische Mehrzweckhalle mit entsprechenden Konsequenzen für das Stadtleben bedeuten. Zudem setzen sich dann Stadt und Staat einmal mehr über das Verfassungsgebot des Denkmalschutzes hinweg.
Die Folgekosten des Festspielhauses müssten weitgehend von der Stadt getragen werden. Dazu zählen die jährliche Gebäudeabschreibung, der Bauunterhalt, die technischen und künstlerischen Betriebskosten sowie die Kosten für das weltweite Marketing und die Subventionierung von Aufführungen. Zwar will der Bund 39 Millionen in eine Stiftung einzahlen. Um aber allein den Bauunterhalt zu gewährleisten, müsste die die Stiftung soviel Kapital haben wie die realen Baukosten – das sind absehbar zwischen 150 und 300 Millionen Euro. In der Stiftung säße die Stadt nach derzeitigen Plänen trotzdem nur am Katzentisch.
Vieles ist bislang nicht geklärt. Die Frage, ob ein großes Festspielhaus mit weit über 1000 Plätzen überhaupt das geeignete Mittel ist, um Bonn als Beethovenstadt weltweit zu profilieren, ist bisher niemals fachlich und politisch diskutiert worden. Wie sieht die künftige Nachfrage nach klassischer Musik aus? Was mach die Kombination Beethoven und Bonn eigentlich aus? Waren es nicht eher der weltoffene, aufklärerische Geist und die Vielfalt der Kulturangebote in der damaligen kurfürstlichen Residenz, die Beethoven zu dem Neuerer werden ließen, der er wurde? In Bonn gab es damals schon regelmäßiges Schauspiel; Beethoven hat Schiller bereits hier gesehen – der Same für die Neunte Sinfonie wurde so gelegt.
Der „Bürger von Bonn“, wie es auf dem Titelblatt der 9. Sinfonie steht, musizierte u.a. im vermutlich akustisch wenig perfekten Ballsaal des Kurfürsten. Dessen Mauern stehen auch heute noch und könnte innen wieder hergestellt werden. Genau wie die Schloßkirche böte er die Möglichkeit, Beethovens Musik an Originalschauplätzen seiner Jugend zu erleben. Noch mehr Ideen gäbe es sicher, wenn man um das beste Konzept ringen dürfte. Für die wünschenswerte beeindruckende Architektur in Bonn böten sich andere, bessere Gelegenheiten.
Aber das sind Gedanken, die in Bonn nicht gedacht werden dürfen. Denn einem geschenkten Gaul schaut man gefälligst nicht ins Maul.

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