24. April 2009.

Demokratie muss nicht teuer sein, kann aber viel Spaß machen! Fünfzig Euro bekommen alle BonnerInnen, die rechtzeitig ein altes fahrtüchtiges Rad gegen ein in Bonn neu gekauftes City-Bike eintauschen. Global denken, lokal handeln! Die Details:

  1. Nur die ersten 200 kommen zum Zuge, denn die Bonner Fahrradabwrackprämie soll maximal 10.000 Euro kosten dürfen. Das sind weniger als 0,01 [!] Promille der Bonner Haushaltseinnahmen von 2009 und nur ein Bruchteil dessen, was alljährlich bei BürgermeisterInnen-Empfängen für Blumen-Deko, Mettbrötchen, Kaviar und Getränke ausgegeben wird.
  2. Das neue City-Bike muss – Mittelstandsförderung!- beim Bonner Fachhandel gekauft sein, nicht bei einer Discount-Kette.
  3. Die 50-Euro-Prämie wird nur für fahrtüchtige Alt-Räder gegeben, nicht für Schrott-Teile (z. B. Lenker oder Rahmen).
  4. Die Alträder werden, anders als die abgewrackten Autos, wieder aufgemöbelt und erneut in Verkehr gebracht.
  5. Das Thema Fahrradverkehr in der Stadt und die fragwürdige Bevorzugung von nur 200 Bonner BürgerInnen werden Anlass zu umfassender politischer Diskussion sein – ein Elixier für lebendige und gelebte Demokratie!
  6. All das gibt es frühestens ab dem 12. Mai 2009. An diesem Tag nämlich hat der Ausschuss für Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie des Bonner Stadtrates über den entsprechenden Antrag der Grünen zu entscheiden.

Das Leben in Bonn könnte also so schön sein. Doch das Heer der langzeit-humorlosen PolitikerInnen bezieht längst Stellung:

Bereits gestern nachmittag verlor der „wirtschaftspolitische Sprecher“ der Bonner CDU-Ratsfraktion, Guido Déus, jede Art von Augenmaß und geißelte mit befremdlichem Pathos die grüne Politik-Initiative angesichts einer „äußerst angespannten Haushaltslage“. Wortgewaltig sprach er von einem „unverantwortlichen Antrag auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt“…  Welch ein hohles Geschwätz um ein knappes Hunderttausendstel des Haushalts!

Bonn ist sicherlich nicht immer Avantgarde, eigentlich sogar so gut wie nie. Die lokale Abwrackprämie für Fahrräder, jedenfalls, ist zuerst im sozialdemokratisch regierten Mannheim eingeführt worden. Aber wir BonnerInnen können uns den zweiten Platz sichern, wenn wir nur wollen. Viel Politik für wenig Geld!

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