Thema Festspielhaus
Bonner SPD-Kandidat für Abriss der Beethovenhalle
10. Mai 2009.
Allen Kandidaten für das Bonner Oberbürgermeisteramt wurden zwei einfache Fragen gestellt. Dreien von ihnen gelang eine Antwort.
Beethovenhalle oder Festspielhaus? – so heißt seit Januar dieses Jahres die Frage, vor die die beiden Bonner Dax-Unternehmen Post und Telekom und die Postbank die Stadt stellen. Die von den Sponsoren getroffene Auswahl der Architektenentwürfe, die in der „Endrunde“ sind, lässt keine andere Alternative zu. Die noch amtierende Oberbürgermeisterin, Bärbel Dieckmann (SPD), unterstützt die Pläne der Sponsoren uneingeschränkt. Auch den Plan, die Beethovenhalle abzureißen.
Gilt das ebenfalls für den Nachfolger, der bei der bevorstehenden Kommunalwahl gewählt wird?
Nein, sagen die Oberbürgermeister-Kandidaten Peter Finger (Grüne) und Michael Faber (Die Linke) in dem folgenden Interview. Peter Finger verweist darauf, dass es „für den Architekten-Wettbewerb die Vorgabe gab, das Gebäude (der Beethovenhalle) im Wesentlichen zu erhalten, da es unter Denkmalschutz steht“, eine Vorgabe, die die Sponsoren ignoriert haben. Michael Faber lehnt „mangels“ einer tragfähiger Konzeption „aktuell jedenfalls das Festspielhaus ab und setzt sich für den Erhalt der Beethovenhalle ein“.
Anders Jürgen Nimptsch (SPD). Wenn auch „nicht frei von Wehmut“ bekennt er sich zur Fortsetzung der Politik der bisherigen Oberbürgermeisterin. „Ich bin dafür“, so der SPD-Kandidat, „das neue Festspielhaus an der Stelle zu errichten, an der jetzt die Beethovenhalle steht.“
Bei der Frage, wie die Stadt die Folgekosten des Festspielhauses finanzieren soll – von 3,8 Mio. € jährlich ist bisher die Rede – , ist Jürgen Nimptsch „optimistisch“, dass eine „finanziell ausgewogene Konzeption“ gefunden wird. Die gebe es bisher nicht. Eine „gemeinsame Arbeitsgruppe unter der Koordination des Landes NRW“ arbeite aber derzeit an der „künstlerischen Konzeption“ des geplanten Festspielhauses und von der hänge die Höhe der Betriebskosten ganz entscheidend ab.
Angesichts der Tatsache, dass der Haushalt der Stadt Bonn vor großen Problemen steht, ist demgegenüber für Peter Finger das Projekt des Beethoven-Festspielhauses „ein reines finanzielles Vabanque-Spiel“. In der Diskussion um das Festspiel sieht er eine „Luxusdiskussion“.
Und wie sieht die Haltung des CDU-Kandidaten zu den Fragen zum Projekt Festspielhaus aus? Mit Christian Dürig hat die Bonner CDU einen in der Stadt völlig unbekannten Kandidaten präsentiert. Seit seiner Nominierung hat er wenig dazu beigetragen, sich zu positionieren, damit die WählerInnen wissen, was sie denn wählen, wenn sie dem CDU-Kandidaten ihre Stimme geben. Herr Dürig setzt das in diesem Interview fort. Wie den anderen Kandidaten wurden auch ihm die Fragen zu dem Projekt Festspielhaus gestellt. Er hat es vorgezogen zu schweigen.
Zwei Fragen an die Bonner OB-Kandidaten zum Festspielhaus-Projekt:
1. Die Sponsoren des Festspielhauses verlangen zur Realisierung des von ihnen geplanten Festspielhauses den Abriss der Beethovenhalle. Sollte Ihrer Meinung nach die Beethovenhalle abgerissen werden, um Platz für das geplante Festspielhaus zu schaffen?
Jürgen Nimptsch (SPD): Ich bin dafür, das neue Festspielhaus an der Stelle zu errichten, an der jetzt die Beethovenhalle steht. Ich habe selbst viele Erinnerungen an wichtige und schöne Veranstaltungen und bin nicht frei von Wehmut, dass wir uns von der Beethovenhalle verabschieden sollten, denn “Das Bessere ist des Guten Feind”.
Peter Finger (Grüne): Ob die Beethovenhalle architektonisch ein “Schmuckstück” ist oder nicht, ist sicher Geschmackssache. Fest steht, dass es im Ausschreibungstext für den Architekten-Wettbewerb die Vorgabe gab, das Gebäude im wesentlichen zu erhalten, da es unter Denkmalschutz steht. Die Beethovenhalle wird in diesem Jahr 50 Jahre alt und ist Teil der Geschichte der Stadt Bonn als Bundeshauptstadt und Regierungssitz. Die meisten Entwürfe zum Beethoven-Festspielhaus haben diese Vorgabe des Denkmalschutzes nicht berücksichtigt. Ich bin der Überzeugung, dass es – ungeachtet der vielen anderen offenen Fragen im Zusammenhang mit dem Festspielhaus – gelungene architektonische Lösungen gibt, bei denen die wesentlichen Gestaltungsmerkmale der Beethovenhalle (Erscheinungsbild des Hallenkörpers, das Foyer mit den Wandmalereien von Joseph Fassbender) im Sinne des Denkmalschutzes erhalten werden können.
Michael Faber (Die Linke): Die Beethovenhalle ist ein Stück Bonner Geschichte. Einen Abriss kann man überhaupt erst und nur dann in Erwägung ziehen, wenn eine umfassende Alternativplanung als Bewertungsgrundlage vorliegt. Dies ist bislang nicht der Fall. Es fehlt eine belastbare Konzeption zur Finanzierung der Baukosten des Festspielhauses – insbesondere die Verantwortung für mögliche Kosten oberhalb des aktuellen Planungsvolumens. Bei den Betriebskosten wurde nicht ansatzweise nachgewiesen, wie diese ohne weitere Belastung des städtischen Haushaltes bzw. auf Kosten der bestehenden Kulturlandschaft getragen werden können. Eine künstlerische Betriebskonzeption, die privaten Konzerneinfluss auf den Festspielhausbetrieb ausschließt, ist ebenfalls nicht ersichtlich. DIE LINKE. spricht der aktuellen Festspielhausplanung daher ihre Seriosität ab. Ohne tragfähiges Gesamtkonzept ist ein Festspielhausbau für DIE LINKE. Bonn aber nicht denkbar.
Sollte die Verwaltung eine umfassende Gesamtkonzeption vorlegen können, unterstützt DIE LINKE. einen Ratsbürgerentscheid zur Grundfrage, ob Bonn ein Festspielhaus benötigt. Auf dieser Grundlage würden wir uns dann auch zu den Alternativen einer Einbindung der Beethovenhalle in ein Festspielhaus, ihren Abriss oder aber die Ablehnung eines Festspielhauses und den vollständigen Erhalt der Beethovenhalle positionieren. Mangels tragfähiger Konzeption lehnt DIE LINKE. aktuell jedenfalls das Festspielhaus ab und setzt sich für den Erhalt der Beethovenhalle ein.
2. Die bisherge Planung für das Festspielhaus sieht vor, dass die Stadt Bonn Kosten für den laufenden Betrieb des Hauses in Höhe von 3,8 Mio. € jährlich trägt. Wie soll die Stadt diese Mittel Ihrer Meinung nach aufbringen?
Jürgen Nimptsch (SPD): Beim Festspielhaus handelt es sich um ein komplexes Projekt, bei dem noch eine Reihe von Fragen geklärt werden müssen. Unter anderem kann auch die Höhe einer städtischen Beteiligung beim Betrieb derzeit noch nicht abschließend beziffert werden. Es muss aber klar sein, dass ein derartiges Projekt von nationalem Renommee nicht umsonst zu bekommen ist. Es ist ein großes Glück, dass die Unternehmen Post, Telekom und Postbank die Errichtung eines für Bonn so immens wichtigen zukunftsfähigen Konzertsaales als klares Standortbekenntnis für unsere Stadt beabsichtigen. Auch zum Betrieb, der durch eine private Stiftung sichergestellt werden soll, gibt es bereits finanzielle Zusagen vom Bund (39 Mio. €), von der Sparkasse KölnBonn (5 Mio. €) und vom Rhein-Sieg-Kreis (3 Mio. €). Somit starten wir auch dort nicht von der “Nullmarke” aus, sondern haben schon viele Meter des Wegs bis zum Ziel erfolgreich bewältigt. Welcher anderen deutschen Stadt werden derartig gute Startchancen für ein solches Projekt gegeben?
Die Höhe der Betriebskosten hängt ganz entscheidend von der künstlerischen Konzeption eines solches Hauses ab, die derzeit in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe unter der Koordination des Landes NRW erarbeitet wird. Hierbei muss und wird die Stadt ihre eigenen kulturpolitischen Vorstellungen zum Beethoven-Festspielhaus – etwa zur Gesamtzahl von Veranstaltungen, zur Bedeutung des Beethovenfestes in einem solchen Gesamtensemble oder auch zur Position des Beethovenorchesters – einbringen.
Es ist selbstverständlich, dass die Stadt keinen Blankoscheck für die künftigen Betriebskosten ausstellen darf. Ich bin allerdings sehr optimistisch, dass am Ende des inhaltlichen Diskussionsprozesses eine schlüssige, künstlerisch und finanziell ausgewogene Konzeption stehen wird, die wir als Stadt vorbehaltlos unterstützen können.
Ich stelle mir vor, dass die aus der inhaltlichen Konzeption abzuleitenden jährlichen Betriebskosten durch eine optimale Projektstruktur, durch Einzel- und Programmsponsoring, durch Mieteinnahmen für Fremdveranstaltungen und schließlich durch die Kartenverkäufe soweit eingegrenzt werden können, dass der verbleibende städtische Beitrag in der Reihe mit anderen renommierten städtischen Kultureinrichtungen (z.B. dem städtischen Kunstmuseum) absolut verträglich ist.
Peter Finger (Grüne): Der Haushalt der Stadt Bonn ist bereits sehr belastet und wird durch die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise noch zusätzlich eingeengt. Ein so genanntes “Haushaltssicherungskonzept”, bei dem der Regierungspräsident ein Mitspracherecht bei der Bonner Haushaltswirtschaft hat, ist kaum noch zu verhindern. Angesichts dieser Situation ist das Beethoven-Festspielhaus ein reines finanzielles Vabanque-Spiel. Denn niemand kann zurzeit die Betriebskosten genau abschätzen, die auf die Stadt Bonn zukommen. Selbst wenn man das Beethoven-Festspielhaus politisch möchte, so wäre unter den gegebenen finanziellen Bedingungen ein Bau und Betrieb nicht zu verantworten. Hier sind auch Gesichtspunkte wie die soziale Gerechtigkeit zu beachten: Auch in Bonn gibt es eine wachsende soziale Spaltung, es gibt Kinderarmut und immer mehr Menschen, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben oder arbeitslos sind. Diese Menschen haben kein Verständnis für die “Luxusdiskussion” um das Festspielhaus. Es passt einfach nicht in die Zeit.
Michael Faber (Die Linke): DIE LINKE. Bonn lehnt ein Festspielhaus ab, das spürbare Zusatzbelastungen für die Stadt verursacht. Solche Mehraufwendungen sind in Anbetracht des Zustandes an Bonner Schulen, einer wachsenden Kinderarmut und der Finanzierungsnotwendigkeit für bestehende Kultureinrichtungen nicht tragbar.

Messen lassen wird sich Herr Nimptsch an der Aussage während der Podiumsdiskussion beim Runden Tisch für Kinderarmut. Dort sagt er wörtlich: “Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich als Oberbürgermeister ein Festspielhaus einweihe, so lange nicht sicher gestellt ist, dass jedes Kind in dieser Stadt ein warmes Mittagessen hat.”
Herr Nimptsch, ich vertraue auf Ihr Wort.
Zieht man die imensen Kosten in Betracht, die solch ein Projekt nun einmal darstellt, sollte man sich vielleicht eher zuerst um die bereits vorhandenen Probleme kümmern und nicht noch welche erschaffen, die die Stadtkasse zusätzlich belasten. In dieser Zeit, die durch Geldmangel, Armut und Krisen wie die derzeitige Wirtschaftskrise geprägt ist, sollte es das oberste Ziel sein, den Bürgerinnen und Bürgern keine leeren Versprechungen zu machen und zu sagen, dass es wohl bestimmt bald ein passendes Konzept zur Kostenregulierung geben wird, sondern klare Ziele zu setzen. Ein Abriss der unter Denkmalschutz stehenden Beethovenhalle ist ein Risikofaktor für Bonn und ein großer Verlust für die vielen Besucher dieser immer noch sehr schönen Halle. Vielleicht wäre es auch klüger, die Halle zu sanieren, denn es ist keineswegs unmöglich, die Akustik zu verbessern. Des weiteren stellt sich mir die Frage, ob es in Bonn überhaupt genügend Publikum für ein Festspielhaus gibt, denn so wie ich das sehe, können sich die wenigsten Menschen derzeit überteuerte Eintrittskarten leisten wo manche doch noch nicht einmal für ihre Kinder ein warmes Mittagessen auf den Tisch bekommen!
Ich hoffe auf die Einsicht von Herrn Nimptsch, dass ein Neubau nicht tragbar ist!
Herzlichen Glückwunsch an die Initiative Beethovenhalle zum Deutschen Preis für Denkmalschutz
Ich möchte hinzufügen, dass Archtektur von Weltrang nicht alles ist. Die Bundeskunsthalle logiert in einem der bemerkenswertesten Bauensembles Deutschlands, kann aber mit dieser Archtektur nicht mithalten. Seit 2007 Gatzweiler und Jacob gehen mussten, ist die Luft raus. Das zeigen auch die Besucherzahlen. Also: was nutzt die schönste Hülle, wenn man sie nicht ordentlich bespielt. Umgekehrt habe ich in den eher schuhkartonartigen Godesberger Kammerspielen sehr ansehnliche Aufführungen gesehen. Die aber sollen nun auch zusammengespart werden.
Fazit. Der Weg, den die Bonner Kultur derzeit geht, sagt für ein Festspielhaus nichts Gutes voraus. Bonn sollte erst mal beweisen, dass es überregionale, internationale Spitzenkunst bieten kann und will, bevor es ein internationales Haus baut.