15. Mai 2009.

Zwei Tage nach Veröffentlichung des Interviews zum Thema Festspielhaus – Beethovenhalle in rheinraum:online  und eine Woche nachdem ihm die Fragen vorgelegt worden waren, hat der CDU-Kandidat für das Oberbürgermeisteramt Christian Dürig sein Schweigen gebrochen. Seine Position: er „kann“ sich ein Festspielhaus „nur ohne die alte Beethovenhalle vorstellen“, entscheiden möchte er allerdings nichts, das sollen vorher die „Denkmalschutzbehörde und der Minister“.

Dürig gehört nicht dem derzeitigen Rat der Stadt Bonn an. Das ist anders bei dem FDP-OB-Kandidaten. Werner Hümmrich hat als Ratsmitglied am 13. Juni 2007 für den Grundsatzbeschluss zur Errichtung des Festspielhauses und die städtebaulichen Rahmenbedingungen gestimmt,  die vom Erhalt der Beethovenhalle ausgehen. Die Festspielhaussponsoren haben sich in ihrer Ausschreibung und in der von ihnen getroffenen Auswahl der vier Architekten-Entwürfe über den Grundsatzbeschluss und die Vorgabe hinweggesetzt. Die Folgerung des FDP-Kandidaten: „Um einen spektakulären Festspielhaus-Bau realisieren zu können, werden wir den Abriss der Beethovenhalle zu akzeptieren haben.“

Und wie wollen die beide Kandidaten die Betriebskosten des geplanten Festspielhauses  finanzieren? Am 15. Dezember 2008 legte Karsten Witt im Auftag der Sponsoren ein „Konzept für das Festspielhaus Beethoven in Bonn“ vor. Die von ihm vorgesehenen Zuschüsse von Seiten der Stadt Bonn: 3,8 Mio. €!  Knapp vier Mal soviel wie die derzeitigen Zuschüsse für die Beethovenhalle. Für Christian Dürig sind das „keinerlei belastbare Zahlen“. Und für  Werner Hümmrich?  Für ihn gibt es nur die derzeitigen Unterhaltskosten für die Beethovenhalle und wenn die dann auch mit seiner Hilfe abgerissen ist,  „entfielen diese Unterhaltungskosten und könnten für den laufenden Betrieb des Festspielhauses verwendet werden“. Und der Rest der Kosten? Wie der finanziert werden soll, bleibt das Geheimnis des FDP-Kandidaten. In diesem Interview  sagt er dazu  jedenfalls kein Wort.

Das waren die zwei Fragen an die Bonner OB-Kandidaten zum Festspielhaus-Projekt:

1. Die Sponsoren des Festspielhauses verlangen zur Realisierung des von ihnen geplanten Festspielhauses den Abriss der Beethovenhalle. Sollte Ihrer Meinung nach die Beethovenhalle abgerissen werden, um Platz für das geplante Festspielhaus zu schaffen?

Christian Dürig (CDU): Die Sponsoren des Festspielhauses haben einen Architektenwettbewerb ausgelobt, der den Bau eines Festspielhauses sowohl mit als auch ohne Beethovenhalle vorsah. Die vier von der Jury ausgewählten Projekte sehen allerdings jetzt alle einen Neubau ohne Beethovenhalle vor. Dadurch sind die Denkmalschutzbehörden und der Minister gefragt, um diese Frage eindeutig zu klären. Ohne diese Entscheidung kann man weitere Planungen nicht umsetzen. Der Standort wurde  seinerzeit von der Oberbürgermeisterin in Abstimmung mit den Geldgebern festgelegt.  Es gilt also abzuwarten, wie die Abwägungsprozesse weitergehen. Nach Vorlage dieser Ergebnisse muss dann erst die angesprochen Frage erörtert werden oder auch nicht.

Unabhängig von allen Prüfungen zum Denkmalschutz kann ich mir ein Festspielhaus nur ohne die alte Beethovenhalle vorstellen, wobei gewisse künstlerisch wertvolle Teile wie das Fries in den Neubau integriert werden sollten. Dementsprechend erhoffe ich eine dahingehende Entscheidung der Denkmalbehörden.

Werner Hümmrich (FDP): Die FDP befürwortet den geplanten Bau eines Festspielhauses Beethoven. Die sich nun noch in der engeren Wahl befindlichen Entwürfe sehen alle den Abriss der Beethovenhalle vor. Um einen spektakulären Festspielhaus-Bau realisieren zu können, werden wir den Abriss der Beethovenhalle zu akzeptieren haben. Ich bin nicht bereit, deshalb eine neue Standortdebatte in Gang zu setzen. Dies würde das Projekt Festspielhaus insgesamt gefährden.

2. Die bisherge Planung für das Festspielhaus sieht vor, dass die Stadt Bonn Kosten für den laufenden Betrieb des Hauses in Höhe von 3,8 Mio. € jährlich trägt. Wie soll die Stadt diese Mittel Ihrer Meinung nach aufbringen?

Christian Dürig (CDU): Es gibt bis jetzt keinerlei belastbare Zahlen über die Betreiberkosten eines Festspielhauses. Sinnvoll wäre es sicher, dass die gesamten Betriebskosten aus dem Stiftungskapital finanziert würden. In welchem Umfang die Stadt Bonn sich daran beteiligt, muss geklärt werden. Jetzige Betriebs- und Sanierungskosten müssen in die Berechnungen einfließen. Ein Businessplan muss zur Bewertung und Kostenrechnung vorgelegt werden, damit man auch diese Thema seriös abarbeiten kann. Finanzierungen zu Lasten des Bonner Kulturlebens darf es nicht geben. Im Übrigen verweise ich auf den Standpunkt der CDU in ihrem Grundsatzprogramm.

Werner Hümmrich (FDP): Für die jetzige Beethovenhalle fallen erhebliche Kosten zur Unterhaltung an. Wenn die Beethovenhalle zur Realisierung des Festspielhauses abgerissen werden würde, dann entfielen diese Unterhaltungskosten und könnten für den laufenden Betrieb des Festspielhauses verwendet werden.

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