12. Juni 2009.

Wenn auch noch ein paar Jährchen fehlen, bis das Gelände endgültig „demilitarisiert“ wird, so kann es doch bereits jetzt als Erfolg gewertet werden, daß es der „Initiative zur zivilen Nutzung der Ermekeilkaserne“ gelungen ist, das Thema bei allen in Bonn vertretenen Parteien in deren Kommunalwahlprogramme einfließen zu lassen. Damit steigt die Chance, dass sich rechtzeitig öffentlicher Druck für eine attraktive und sinnvolle städtebauliche Nutzung des bisherigen militärischen Sperrgebietes aufbaut. Wenn die Stadt schon nicht als Käufer des Geländes auf den Plan treten kann, sollte sie durch frühzeitige Aufstellung eines Bebauungsplans dafür Sorge tragen, dass jeder potenzielle Investor das von der bürgerschaftlichen Initiative entwickelte Nutzungskonzept – „Ermekeil-Karree als Ort der Integration“ – gebührend berücksichtigt.
Die nachfolgende Synopse der Wahlprogramme für die Kommunalwahl 2009 verdeutlicht, dass auch die politischen Parteien den Prozess der Umwandlung des Geländes sorgfältig beobachten werden. Wenn auch FDP und BBB hier aus Termingründen noch nicht aufgeführt sind, so ist doch davon auszugehen, dass auch sie sich des Themas annehmen werden.

B90/Die Grünen

Internationales:

Quelle: http://gruene-bonn.de/kreisverband/kommunalwahl-2009/wahlprogramm.html

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Sie brauchen auch eine gemeinsame Anlaufstelle, wo Erfahrungen kontinuierlich ausgetauscht und bewertet sowie neue öffentlichkeitswirksame Aktionen geplant werden können; und wo für die interessierte Bonner Bevölkerung die Gewissheit besteht, kompetente Ansprechpartner für aktuelle Brennpunkte zu finden. Es fehlt ein Ort der Begegnung, an dem sich engagiertes Bürgerwissen entfalten kann.

Einen solchen Ort strebt zum Beispiel die „Initiative zur zivilen Nutzung der Ermekeilkaserne“ an. Mit der Umwandlung der zurzeit noch vom Bundesministerium für Verteidigung genutzten Kaserne in ein attraktives „Südstadt-Karree“ soll ein Raum für zivilgesellschaftlichen, interkulturellen Dialog und für neue Formen des Zusammenlebens und -denkens entstehen, der auf drei Ebenen integrationsfördernd wirken wird: auf der Ebene der Generationen, der Ebene der Kulturen und der Ebene der Ideen. Generationenverbindendes Wohnen wird den größten Teil des Geländes in Anspruch nehmen, ein Bildungs- und Begegnungszentrum mit angemessenen Versammlungsräumen und ansprechender Gastronomie soll ebenfalls Platz finden.

Nicht zuletzt soll den zahlreichen nichtdeutschen Kulturvereinen und in Bonn ansässigen MigrantInnenorganisationen ein Treffpunkt und Spielort geboten werden.

Die GRÜNEN unterstützen die Initiative seit ihrer Gründung vor drei Jahren und werden weiterhin alles dafür tun, dass aus dem derzeit toten Winkel in der Bonner Südstadt möglichst bald ein lebendiges Karree wird, das überdies eine wichtige Ergänzung und Brücke zum internationalen Viertel darstellen kann.

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Stadtplanung:

Quelle: http://gruene-bonn.de/fileadmin/user_upload/gruene_kvfr_bonn/kv/Kommunalwahl/Programm/Stadtplanung_01.pdf

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Vor der Inanspruchnahme bisher unbebauter Flächen geben wir jedoch außer der intensiveren Nutzung des bisherigen Baubestandes, zum Beispiel durch Aufstockung bestehender Gebäude, einer maßvollen Bebauung innerstädtischer Baulücken den Vorrang. Industriebrachen sind auf Schadstoffe zu untersuchen und nach deren Beseitigung einer neuen Nutzung zuzuführen. Auch das Gelände der ehemaligen Ermekeilkaserne ist mit intensiver BürgerInnenbeteiligung zu einem autofreien, modernen Wohn-, Arbeits- und Begegnungszentrum in der Bonner Südstadt zu entwickeln (siehe auch Kapitel Internationales). Alte, leerstehende Büro- und Botschaftsgebäude sind als neue Dienstleistungs- oder Wohngebäude umzugestalten. Die ökologische Sanierung von Gebäuden muss noch mehr in den Vordergrund gestellt werden. Hierbei muss die Stadt ihrer Vorbildfunktion gerecht werden.

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CDU:

AUSZUG AUS DEM PROGRAMM DER CDU ZUR KOMMUNALWAHL 2009

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Ermekeilkaserne

Die CDU setzt sich dafür ein, dass bei der zivilen Nutzung des Geländes der heutigen Ermekeilkaserne Architektur und Nutzung in die besondere Atmosphäre und das „Flair“ der Südstadt harmonisch integriert werden, insbesondere durch die Berücksichtigung von generationen-übergreifenden Wohn- und Lebensformen.

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Die Linke:

Quelle: http://www.dielinke-bonn.de/fileadmin/kundendaten/rte_upload/Dokumente/Kommunalwahl2009/2009_Kommunalwahlprogramm_dielinke_bonn.pdf

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1. Kommunale Demokratie, Öffentliches Eigentum und Daseinsvorsorge

Menschenwürdiges Wohnen garantieren!

Menschenwürdiges Wohnen ist ein Grundrecht. Für DIE LINKE.Bonn ist klar, dass die Stadt Bonn zivilgesellschaftliche Initiativen für alternative Wohnprojekte fördern muss. Mehrgenerationenprojekte müssen durch die Verwaltung unterstützt werden. Gleiches gilt für eine zivile Nutzung der Ermekeilkaserne. DIE LINKE.Bonn unterstützt zudem genossenschaftliche Modelle im Wohnbereich.

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8. Internationales und Antifaschismus

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Bereits seit 1880 wird die Ermekeilkaserne in der Bonner Südstadt militärisch genutzt. Im Jahr 2012 zieht sich das Bundesverteidigungsministerium von dem Areal zurück und eröffnet damit die Möglichkeit zu einer endgültigen zivilen Nutzung nach über 130jähriger Präsenz des Militärs. DIE LINKE. Bonn unterstützt die „Initiative für eine zivile Nutzung der Ermekeilkaserne“. Ein Begegnungs- und Kulturzentrum auf dem Gebiet der Ermekeilkaserne muss ein Beispiel dafür werden, welche kulturellen und sozialen Potenziale ein Rückzug des Militärischen aus der Gesellschaft freisetzen kann. Die Stadt muss die planungsrechtlichen Schritte zur Konversion des Areals einleiten und die Initiative in ihrem Anliegen konsequent unterstützen.

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SPD:

Quelle: http://www.juergen-nimptsch.de/fileadmin/user_upload/pdf/Wahlprogramm2009.pdf

Starke Nachbarschaften – Starke Gemeinschaften

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Dazu müssen wir vorhandene Bauten nutzen und zusätzlich innovative neue Wohnmöglichkeiten schaffen.

Wir müssen daher weiterhin zusätzlichen und attraktiven Wohnraum für alle bereitstellen.

  • Dies sollte unter anderem im Bereich der Ermekeilkaserne geschehen, die in der nächsten Wahlperiode einer zivilen Nutzung zugeführt wird. Dort kann eine Mischung von Wohnen, Kultur, Kleingewerbe entstehen, die ein Zusammenleben der unterschiedlichen Generationen und Lebensentwürfe ermöglicht und sich in die Umgebung einfügt.
  • Wir werden die städtische Wohnungsbaugesellschaft VEBOWAG durch die Aufstockung des Eigenkapitals in die Lage versetzen, preiswerten und attraktiven Wohnraum zu schaffen. Durch den Verkauf öffentlicher Wohnungen und Wohnungsbaugesellschaften wächst die Gefahr, dass nur renditeorientierte „Heuschrecken“ die Wohnungsbestände für breite Bevölkerungsschichten halten und verwalten; mit einer gestärkten VEBOWAG geben wir auf diese Entwicklung eine Antwort. Damit soll dem Verkauf öffentlicher Wohnungen und Wohnungsbaugesellschaften

an private Investoren entgegengewirkt und die Stadt wieder verstärkt  in die Lage versetzt werden, Belegungspolitik auch nach sozialen Gesichtspunkten aktiv zu gestalten.

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Stand: 30.05.09

Foto: JOKER

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