Siebengebirge – Nationalpark oder Naturmonument? Musealer Stillstand droht.

24. Juni 2009.

Die Aufnahme der Schutzkategorie „Naturmonument“ im neuen § 24 (4) des geänderten Bundesnaturschutzgesetzes durch Beschluss des Bundestages am vergangenen Freitag mag anderswo in Deutschland hilfreich sein, für das Siebengebirge wäre die Ausweisung als Naturmonument indes außerordentlich kontraproduktiv.

Das Monument wäre für das Siebengebirge keine Lösung, denn es schafft nach der Formulierung im Gesetz keine neuen Schutzwirkungen. Vielmehr ist es „wie ein Naturschutzgebiet zu schützen“ (§ 24 (4) BNatSchG). Das Siebengebirge ist allerdings längst ein Naturschutzgebiet.

Das Naturmonument wäre demnach nur ein weiteres Vermarktungslabel, brächte aber in der Sache nichts, keine verbesserten Schutzmaßnahmen, keine zusätzlichen Investitionen. Weitere Rückschritte wären die Folge.

Doch selbst im Sinne der IUCN wäre die Kategorie des Naturmonumentes nicht für das Siebengebirge geeignet. Es fehlt dort nämlich der Gedanke des breit angelegten Naturgenusses ebenso wie die für den Artenschutz so wichtige grundsätzliche Nutzungsaufgabe eines Großteils der Flächen. In einem Naturmonument dürften selbst alte Buchenbestände weiterhin gerodet werden. Paul Kröfges, Landesvorsitzender des BUND in NRW, bekräftigt ebenfalls die Forderung nach einem echten Nationalpark und weist auf die Bedeutung des Buchenbestandes im Siebengebirge hin: „Nur 0,47% der Waldfläche in Deutschland sind naturbelassene Buchenwälder, viel zuwenig für das einstige Kernland dieser Baumart. Daher sollte die einmalige Chance genutzt werden, im Rahmen einer Nationalparkplanung Siebengebirge durch Nutzungsverzicht die Entwicklung künftiger Buchen-Urwälder einzuleiten. Eine Etikettierung als Naturmonument würde dem entgegenstehen.“

Die nun durch den Beschluss im Bundestag wohl angeheizte und verlängerte Debatte um ein mögliches Naturmonument im Siebengebirge, das seitens der IUCN explizit für kleinräumige Schutzobjekte bis 1.000 ha gedacht ist und das für das Siebengebirge von daher ohnehin nicht passt, wirkt keineswegs konstruktiv, sondern als Stolperstein.

„Ein Naturmonument Siebengebirge schwäche den bestehenden Naturschutz und mache das Siebengebirge zu einem starren Museum!“, fürchtet daher der Sprecher des BUND RSK, Achim Baumgartner, nun um die Zukunft des lebendigen Siebengebirges. „Es ist schade, dass offenbar niemand wahrhaben wolle, dass Nationalparke neben dem Naturschutz den Naturgenuss durch den Menschen als zentrale Aufgabe verfolgen und fördern“, stellt Herr Waldemar Lewin heraus, Präsident des Bürgervereines Nationalpark Siebengebirge e.V.. Wer das Naturmonument als Ersatz hochhalte, schade daher nicht nur der Natur, sondern auch den Menschen in der Region.

Der BUND Rhein-Sieg-Kreis und der Bürgerverein Nationalpark Siebengebirge werben nachdrücklich dafür, an dem Verfahren, im Siebengebirge nichts anderes als einen Nationalpark auszuweisen, festzuhalten und dieses Verfahren mit einem überzeugenden Verordnungstext, einem gelungen Wegekonzept und einem konsequenten Nutzungsverzicht insbesondere in der Forstwirtschaft abzuschließen.

Quelle: PM BUND RSK

Schlagworte: , , ,

Artikel zum gleichen Thema

Zum Artikelarchiv ...

Vorheriger Artikel:

Nächster Artikel:

Artikel RSS
Kommentare RSS
rhein:raum Twitter