Kartenlesen nach der Europawahl

Fünf grüne Wahlkreise ?

21. August 2009.

Bei der Europawahl am 7. Juni dieses Jahres erhielten die Grünen in fünf Bonner Wahlkreisen die Mehrheit der Stimmen – vor CDU und SPD. Es waren dies die Wahlkreise Innere und Äußere Nordstadt, Baumschulviertel/Südstadt, Endenich II und Kessenich.

schwarzes-meer

Welche Partei hat den Wahlkreis gewonnen? Schwarze Fläche = CDU, grüne Fläche = Grüne. Wer schaffte Platz zwei? Schwarze Wahlkreis-Nr. = CDU, Rot = SPD, Grün = Grüne, Gelb = FDP. [Zum Vergrößern auf die Karte klicken!]

Die Grün-WählerInnen sind bevorzugt in den innerstädtischen Gebieten von Bonn und Beuel zu Hause. Dort erreichte Bündnis 90/Die Grünen bei den Europawahlen erste oder zweite Plätze.

stimmverteilung

Bonn ist ja gar nicht sooo schwarz – Farbintensität der Wahlkreisflächen nach WählerInnendichte: Schwarz bis hellgrau = CDU, Grüntöne = Grüne. Zweiter Platz als farbiger Punkt: Rot = SPD, Grün = Grüne, Gelb = FDP, Schwarz = CDU.

In allen anderen Wahlkreisen siegte die CDU. Für die SPD blieb bestenfalls Platz zwei. Die Grünen belegten neunmal den zweiten Platz,  die FDP viermal. Die Wahlbeteiligung betrug im Mittel 51 % – genau wie bei der Europawahl fünf Jahre zuvor.

09Am finstersten war die Wahlbeteiligung im Wahlbezirk Nr. 07 Tannenbusch (35 %). Am höchsten war sie in der Südstadt /Baumschulviertel (62 %), dicht gefolgt von den Wahlbezirken Venusberg/Ippendorf und Röttgen/Ückesdorf.

Allerdings fiel vor fünf Jahren schon auf, dass die Wahlbeteiligung nach der Europawahl bei den Kommunalwahlen um  5 Prozent anstieg, dieser Umstand aber ausschließlich der SPD zugute kam. Am auffälligsten war der Wahlkreis Nr 8 Dransdorf/Lessenich/Meßdorf: Der Anstieg der Wahlbeteiligung von 41 % auf 51 % führte zu einer schlagartigen Verdoppelung des SPD-Ergebnisses. Doch auch in allen übrigen Bonner Wahlkreisen stieg damals das SPD-Ergebnis um durchschnittlich 50 Prozent an.

Die innerstädtischen Bereiche Bonns sind anscheinend umringt von Dörfern voller sozialdemokratischer Europamuffel, die aber an den Kommunalwahlen teilnehmen.

In jedem Wahlbezirk wohnen rund 6.600 Wahlberechtigte. Der kleinste ist 09 Endenich I (CDU/Grüne/SPD) mit 5153 Wahlberechtigten, der größte ist 36 Küdinghoven/Ramersdorf/Oberkassel (CDU/SPD/Grüne) mit 8.583 Wahlberechtigten.

Wir zeigen jetzt, wieviel Prozent der Wählerstimmen auf SPDCDUFDP und Grüne je Wahlbezirk entfielen. Wir beginnen jedoch mit einer schönen Nachtaufnahme von Bonn:

piraten

Die Piratenpartei ist neu und fand in ganz Bonn 1.319 WählerInnen – höchste Piratendichte herrscht offenbar in der Bonner Altstadt. Farbintensität nach Wahlergebnis und WählerInnendichte je Wahlkreis.

Die CDU, seit Jahrzehnten immer die “Schwarzen” genannt, versucht es mit einer neuen Farbe. Auf allen aktuellen Wahlplakaten wird mit Orange hantiert.

cduIn der Bonner Altstadt wurde am wenigsten CDU gewählt (19 %). Weit weg von dort liegt der Gegenpol,  Wahlbezirk 25 Heiderhof/Muffendorf (41 %). Farbintensitäten gemäß prozentualem Wahlerfolg.

Auch die SPD möchte sich farblich verändern. Die Sozis wollen anscheinend auch in der Außenwerbung nicht mehr “die Roten” sein und setzen stattdessen in ihren Plakaten und im Internet auf ein leicht grisseliges Hellgrau Das Rot kommt nur noch als kleine Akzentfarbe vor.  Berücksichtigen wir also in dieser Grafik die neue noble Blässe der Sozialdemokraten:

spdIn Bonn-Tannenbusch (niedrigste Wahlbeteiligung) hatte die SPD ihr bestes Wahlergebnis, am schlechtesten schnitt sie dort ab, wo sich die meisten BürgerInnen an der Europawahl beteiligten. Farbintensitäten nach prozentualem Wahlerfolg.

Die Grünen bleiben grün, auch in ihrer Außenwerbung. Aus der Europawahl 2009 gingen sie in Bonn als zweitstärkste Partei hervor.

gruneDas beste Ergebnis (36 %) erzielten die Grünen in der Bonner Altstadt, das schlechteste im Wahlbezirk 07 Tannenbusch (13 %). Farbintensitäten nach prozentualem Wahlerfolg.

Auch die FDP bemüht kein neues Farbkonzept. Sie bleibt gelb und blau:

fdpIhr bestes Ergebnis hatte die FDP in einem der kleinsten Wahlkreise, Nr.17 Röttgen/Ückesdorf, 5.698 Wahlberechtigte, (FDP = 23%), ihr schlechtes naturgemäß dort, wo sich Grüne, Linke und Piraten tummeln (10%). Farbintensitäten zeigen den prozentualen Wahlerfolg.

Last and least: Die Linken sehen sich rot. Bitteschön:

linkeAm stärksten war Die Linke in der Bonner Altstadt. Aber auch in Mehlem erreichte sie anerkennenswerte 2,7 %. Das schlechteste Ergebnis hatte sie im Wahlbezirk Nr. 17 Röttgen/Ückesdorf (2,4 %). Farbintensitäten zeigen das prozentuale Wahlergebnis.

Hier die vollständige Liste der Bonner Kommunalwahl-Bezirke:

01 Bonn-Zentrum

02 Bonn-Castell / Rheindorf-Süd

03 Innere Nordstadt

04 Baumschulviertel / Südstadt

05 Neu-Tannenbusch / Buschdorf

06 Auerberg / Graurheindorf

07 Tannenbusch

08 Dransdorf / Lessenich / Meßdorf

09 Endenich I

10 Poppelsdorf

11 Kessenich

12 Dottendorf / Gronau

13 Äußere Nordstadt

14 Endenich II

16 Venusberg / Ippendorf

17 Röttgen / Ückesdorf

21 Friesdorf

22 Villenviertel / Rüngsdorf

23 Plittersdorf / Hochkreuz

24 Bad Godesberg-Mitte

25 Heiderhof / Muffendorf

26 Pennenfeld / Lannesdorf

27 Mehlem

31 Beuel-Zentrum

32Schwarzrheindorf/Vilich-Rheindorf/Combahnviertel

33 Pützchen / Bechlinghoven / Holtorf / Ungarten

34 Beuel-Süd / Limperich

35 Holzlar / Hoholz

36 Küdinghoven / Ramersdorf / Oberkassel

37 Vilich / Geislar / Vilich-Müldorf

41 Lengsdorf / Brüser Berg

42 Duisdorf / Finkenhof / Lengsdorf

43 Duisdorf / Medinghoven

  1. Xeon sagt:

    Die Karten finde ich optisch sehr ansprechend. Allein – ich verstehe sie leider nicht. Hier wären Anmerkungen im Text hilfreich gewesen. Was bedeuten zum Beispiel die Farben der Flächen? Warum gibt es hier unterschiedliche Farbabstufungen? Was bedeuten die farbigen Zahlen? Was bedeuten die runden farbigen Kreise und in diesem Zusammmenhang die farbigen Zahlen? Mit welchem Programm wurden diese Graphiken gemacht?

    Fragen über Fragen… :-)

  2. Fabian sagt:

    Oje, diese Farbgestaltung. Will uns rheinraum etwa auf eine mögliche schwarz-grüne Koalition vorbereiten? Extrem gewöhnungsbedürftig. Obwohl, wenn man es recht bedenkt: Ob SPD oder CDU – wo ist der Unterschied? Schlimmer als die aktuelle große Koalition aus CDU/SPD im Stadtrat kann es eh nicht kommen.

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