Artenschutz Siegaue

BUND: Keine Abschussfreigabe für Komorane an der Sieg

1. September 2009.

Geht es nach dem Willen der Rhein-Sieg Kreisverwaltung, können ab dem 16.9. entlang der Sieg wie im letzten Jahr wieder Kormorane abgeschossen werden. Hierfür hat der Kreis der Sieg-Fischereigenossenschaft am 20.7.2009 eine artenschutzrechtliche Erlaubnis erteilt. Das alleine wäre schon eine schlimme Sache, da der Kormoran eine geschützte Vogelart ist und in einem Naturschutzgebiet wie der Sieg ein von der EU garantiertes Lebensrecht hat. “Das Artenschutzrecht versagt den Abschuss der Vögel zu Gunsten privater Angelinteressen!”, verweist Achim Baumgartner vom BUND Rhein-Sieg auf ein erst kürzlich gesprochenes Urteil des Verwaltungsgerichtes Minden. Dort wurde der Abschuss von Kormoranen im Naturschutzgebiet gerichtlich untersagt.

Da die Sieg Naturschutzgebiet ist, bedarf es neben der artenschutzrechtlichen Ausnahme formal auch einer Befreiung von den Naturschutzgebietsauflagen – und just diese fehlt. Weder hat die Kreisverwaltung ein Verfahren eingeleitet, noch wurden die Naturschutzverbände dazu gehört. Damit wäre der geplante Abschuss von Kormoranen ab dem 16.9. illegal. Darauf weist der BUND ausdrücklich hin.

Eine Antwort auf einen Brief der Naturschützer vom 12.8. an den Kreis, in dem sie auf den Sachverhalt hingewiesen hatten, liegt bislang nicht vor.

Der Abschuss von Kormoranen, die seitens der Hobbyangler als Mitesser gefürchtet werden, mutet mittelalterlich an. Die von den Anglern vorgeschobenen Artenschutzargumente zu Gunsten der Fischart Äsche sind an der Sieg aus verschiedenen Gründen unbegründet.

Statt Vögel zu töten, ist es für den Fischartenschutz notwendig, die angelfreien Uferabschnitte auszudehnen, im Wasser liegendes Totholz als Fischverstecke zu fördern, Überschwemmungsräume für das Laichen vieler Fische zu schaffen und die Nährstoff- und Hormoneinträge aus Kläranlagen und die Güllefracht aus der Landwirtschaft abzubauen.

Statt aber endlich mit dem Naturschutz an der Sieg ernst zu machen, besinnt sich der Kreis auf Klientel- und Symbolpolitik, ärgert sich der Sprecher des BUND Rhein-Sieg-Kreis, Achim Baumgartner. “Fischarten- und Kormoranschutz sind gleichzeitig möglich! Wenn aber die Sportangler der Fischereigenossenschaft ihrer Naturschutzverantwortung nicht gerecht werden und eine ihr bloßes Hobby betreffende, konkurrierende Arten abschießen wollen, gefährden sie Ihre Nutzungsrechte im Naturschutzgebiet an der Sieg grundsätzlich!”

  1. Helmut sagt:

    Der Kormoran frißt im Schnitt 500 Gramm Fisch pro Tag, rund 170 kg pro Jahr. (Zum Vergleich: Der Durchschnittsmitteleuropäer verzehrt pro Jahr 98 kg Fleisch und 3 ½ kg Fisch.) 500 Gramm täglich erscheint hoch, entspricht aber der ornithologischen Faustregel: Landraubvögel brauchen pro Tag rund 10%, Wasserraubvögel rund 20% ihres Körpergewichts.

    Geht mal frischen Süßwasser-Fisch kaufen damit Ihr wißt wie hoch die Preise sind.

    Schütz weiter den Kormoran.

    Für weniger finanzstarke gibt es dann bald nur noch Schappi.

    BUND für besser Verdienende.

    Harz IV und Arbeitslose ab in den Supermarkt und Fischfrikadellen aus den Abfällen der Reichen essen.

    Nein Danke

  2. Hallo Helmut, ich schau hier nicht so oft rein, aber diese Argumentation, die Du da vorträgst, ist doch wirklich deplaziert. Erstens verkauft wohl kein Laden im Rhein-Siegt-Kreis nennenswerte Mengen an Süßwasseerfisch aus der Sieg, vielleicht auch, weil manche chemischen Parameter bedenklich wären.
    Zweitens kann doch niemand den Tierarten, die Fische fressen, ihre Lebensberechtigung absprechen. Oder erschlagen wir bald wieder wie im Mittelalter Wildkatzen, Luchse und Wölfe, weil sie auch Fleisch essen? Diese Art von Steinzeit will ich nicht, weil sie auch all zu leicht dazu führt, dass andere Schwächere verdrängt und beseitigt werden, auch unter Menschen. Den Ethischen Fortschritt seit der Steinzeit fand ich ganz hilfreich….
    Achim

  3. Helmut sagt:

    Leider kann ich nicht verstehen was meine Argumente mit Mittelalter oder Steinzeit zu tun haben sollen, und Schwächere will ich auf keinen Fall verdrängen oder beseitigen.
    Aber vielleicht sollten auch sogenannte Naturschützer sich etwas mehr informieren.
    Einen Vogel zu schützen, der keine natürlichen Feinde mehr hat und sich massenhaft verbreitet und der einen riesigen wirtschaftlichen Schaden nicht nur bei ein paar Anglern in der Sieg, sondern in unseren Fischteichen und Zuchtanstalten verursacht, dass nenne ich verantwortungslos.

    Hier mal einige Informationen:

    Abschusszahlen NRW
    2004: 63 (Auskunft LANUV)
    2006/2007: 2.362 (davon Fallwild: 11)
    2007/2008: 3.267 (davon Fallwild: 7)

    Brutvogelbestand in NRW
    2004 gab es circa 878 Brutpaare in NRW (Mitteilung LÖBF/NWO 2005). Aktuell stagniert der Kormoranbestand bei rund 1000 Brutpaaren.

    Quelle:

    http://nrw.nabu.de/themen/jagd/kormoran/04391.html

    Also obwohl seit 2005 in NRW 5629 Kormorane abgeschossen wurden. Gibt es in NRW ca. 250 Stück mehr.

    Ohne den Abschuss würden sich die Kormorane allerdings selber regulieren, da es ja dann bald keinen Fisch mehr in unseren Seen und Flüssen gäbe, der diese vielen Tausenden von Raubvögeln ernähren könnte.

    Ein Kormoran pro Tag 500 gr. Fisch

    5629 abgeschossene Kormorane x 0,5 Kg pro Tag = 2.315 Kg Fisch pro Tag.

    Das nur in NRW und die Tonnen von Fischen sind längst nicht aus der Sieg oder dem Rhein sondern zum guten Anteil aus Fischteichen. Den könnten vielleicht dann auch mal wir essen.
    Wen der Naturschutz sich zum Selbstzweck entwickelt und nicht vernünftig betrieben wird, werden solche Vereinigungen wie der BUND unglaubwürdig.

    Noch zu den Anglern ein Wort. Wenn diese nicht für sehr viel Geld Besatzmaßnahmen durchführten und mit noch mehr ehrenamtlicher Arbeit die Gewässer verwalten würden. Gäbe es auch für den Kormoran keine Fische zum fressen und der würde dann auch aussterben wie eine Vielzahl von Fischarten, die in unseren Flüssen und Seen schon ausgerottet wurden.

    Für mich steht jedenfalls fest, dass der weitere Schutz des Kormoran schädlich für die Natur ist. Die Zahlen sprechen ja für sich.

  4. Hallo Helmut,

    bin zufällig auf diese Seite gestoßen und muss schon sagen, ich finde deine Argumentation erschreckend. Und leider ist sie obendrein noch falsch! Da du dich dabei schon auf Zahlen beziehst, die auf unserer Seite stehen, wäre es schön, wenn wenigstens richtig argumentiert würde. Nur zur Info – den “hohen” Brutpaarbestand gab es lediglich vor Beginn des Kormoranabschusses. Seitdem gehen die heimischen Kormoranbestände wieder zurück (s.www.nabu-nrw.de). Und nicht der Kormoran ist dafür verantwortlich, dass Fische aussterben oder zurückgedrängt werden, sondern eine verfehlte Gewässerpolitik. Dafür könnten sich die Angler ja einmal stark machen – für naturnahe Gewässer, in den auch unsere heimischen Fischarten wieder ein Auskommen finden. Stattdessen haben die nichts besseres zu tun als Lachse aus der Sieg zu angeln, die mit Mitteln der Landesregierung wieder mühsam dort angesiedelt wurden und die dauerhaft geschützt sind.

    Auch dein Argument, der Kormoran habe keine natürlichen Feinde ist schlichtweg falsch. Seeadler, da wo sie vorkommen, vertreiben den Kormoran auf Dauer und auch Waschbären, plündern ganze Kolonien.

    Außerdem wage ich zu bezweifeln, dass weniger Kormorane auch gleichzeitig günstigeren Süßwasserfisch bedeuten würden – da spielen wohl noch ganz andere Dinge eine Rolle.

    Birgit

  5. Klaus Conrad sagt:

    Werter Herr Baumgatner u.andere Lobbyisten des Komorans !
    Sie sind unverbesserliche Ignoranten u.laufen offensichtlich stet’s mit Asbestbrillen mit Schiebetüren durch die Gegend !
    Ansonten müßten Sie erkennen:”der Komoran ist der größte,aggressivste,sich am schnellsten vermehrende Fische jagende Wasservogel”,in unseren europäischen Lebensraum !
    Da der Mensch über jahrtausende den Lebensraum Erde,zu seinen Gunsten,für seine Interessen,ohne Rücksicht auf Flora u. Fauna,entnaturarisiert hat u.dieser Prozeß nur noch maginal rückgängig zu machen ist:”darf es auch keinen Schutz einer Tierart” geben,wenn deren Existenz,gefährdent für andere Tierarten u.Lebensraum,ist !
    Es unfassbar u.macht mich echt wütent wie sie argumentieren !
    Wenn es die Angler-und Fischreiverbände und deren erheblichen finanziellen Aufwand,einschießlich der durch die Fischereiabgabe,bereitgesteller Mittel der Fischereibehörden,nicht gäbe und somit der Fischbesatz ausbliebe,währen die Komorane schon verhungert !?
    Wiederansiedlungsprogramme,für bereits aus den Lebensraum Wasser verschwundener Fischarten,werden durch den hohen Bestand an Komoranen u.den dadurch erheblichen Fraßdruck,konterkariert !
    Der europäische Aal,ist vom aussterben bedroht u.es gibt im europäischen Parlament Überlegungen,den Anglern u. Fischern ,das fangen des Aals zu untersagen !
    Der LandesanglerverbandSachsen-Anhalt,in Zusammenarbeit mit der Fischereibehörde Sachsen-Anhalt,haben ein Besatzprogramm für den Aal,laufen,wonach die Elbe,deren Nebenflüsse u. Fließe u.die Seen u.Teiche,welche eine unmittelbare Verbindung zu obigen haben,verstärkt mit Aalbesatz, versorgt werden !
    Alles nur um es den Komoranen zun Fraß,vorzuwerfen,-oder wie !?
    Wenn mehr als Hundert im “Kollektiv jagender Komorane” auffliegen,wenn ich ans Angelgewässer(ca.5 hektar),komme,-dann können Sie mir nicht weißmachen wollen,der Fraßdruck,welcher von dieser Menge Vögel ausgeht und daß täglich,wird keinen schädigenden Einfluß,auf den Fischbestand haben !?
    Die nachlassende Reproduktion,ist deutlich an der “Angel”,spürbar !?
    Wenn die Komorane,unsere Solitärbäume im Lebensraum Auenwald,als Koloniebrüter auf Bäumen,-totscheißen und nachdem das abgestobene Astwerk brüchig ist,die Nester nicht mehr trägt,der nächste Baum, teilweise schon über 100 Jahre,kolonialisiert wird,um dann in 4-5 Jahren das Schicksal seines Vorgängers,zu erleiden,-wo bleibt da Ihr Artenschutzbedürfniss !??
    Der Komoran ist kein EUROPÄER und wurde im 17.Jahrhundert,durch Handelsreisende aus den Aasiatischen Lebensraum,zu Zwecken des Fischfangs,nach Europa,eingefürt !
    Folglich hätte die Unterschutzstellung,nach europäischer Artenschutzrichtlinie,nicht erfolgen dürfen !
    Die unterschutzstellung des Komorans,darf als Frevel an unserer heimischen Fischfauna,bezeichnet werden !
    Diese Schäden sind dauerhaft,nicht wieder rückgängig zu machen,da durch den Komoran,wenn nicht ein Zurückdrängen auf ein für unsere Naturvielfallt,erträgliches Maß erfolgt,fischarten für immer wegfrißt !
    klaus conrad

  6. GERD sagt:

    Tausende von jäger in der ganzen welt schiessen, rehe,hirsche ,steinböcke elche und bären aus bestand und hegemaßnahmen.
    Warum geht das nicht auch mit dem in deutschland nicht einheimischen und ohne natürlichen feinde lebenden Komorane??

  7. Moritz sagt:

    Hallo Gerd,
    dazu eine passende Meldung:

    Bund Naturschutz will mit vermehrtem Abschuss Mischwälder fördern – Vegetationsgutachten belegt Verbissschäden
    Überhöhter Rehwildbestand blockiert den Waldumbau
    AUERBACH/AMBERG – Der Bund Naturschutz fordert für den Landkreis Amberg-Sulzbach mehr Rehwildabschüsse, damit naturnahe, stabile Mischwälder entstehen können. Der gesetzlich verankerte Grundsatz »Wald vor Wild» müsse konsequent umgesetzt werden.

    Moritz

  8. Jonathan sagt:

    Meine Hausgewässer Bode uns Selke sind dank Kormoan leer, früher gabs hier Forellen und Äschen, jetzt gibts nur noch große Barben und selbst die werden noch vom Kormoran angehackt.

  9. Moritz sagt:

    Hallo Vogelfreunde,

    die Nister als Nebenfluß der Sieg

    ARGE Nister e.V.
    Mühlenweg 3
    57629 Stein-Wingert

    Betrifft: Kormoran

    Der ökologische Gau für ein Gewässer am Beispiel der Nister (Rheinland-Pfalz).

    Die Nister ist ein typischer Mittelgebirgsbach im Westerwald. Ihre Gesamtlänge beträgt mit Großer und Kleiner Nister zusammen rund 86 Kilometer. Nahe Wissen mündet die Große Nister in die Sieg. Mit Ausnahme des direkten Unterlaufs ist das Gewässersystem der Forellen- und Äschenregion zuzuordnen. Typische Vertreter der lokalen Fischfauna sind neben Äsche, Lachs und Forelle auch Barbe, Döbel, Hasel, Rotauge und Nase. Letztere bildeten noch bis in die Mitte der 1990er Jahre sehr individuenstarke Bestände.

    Nach Aussage von Biologen ist die Nister aufgrund ihrer Artenzusammensetzung ein Juwel unter den Gewässern der Mittelgebirge. So konnten neben 23 Fischarten außerdem Flussperlmuschel und Bachmuschel nachgewiesen werden. Die meisten dieser Arten sind in der Roten Liste als stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht aufgeführt. Die Flussperlmuschel bildet sogar einen der letzten Reliktbestände in Rheinland-Pfalz. Der Lachs als Zielart des Lachsprogramms 2020 kehrt seit 1998 jährlich in die Nister zurück und reproduziert sich seit mindestens 12 Jahren erfolgreich.

    In den 1960er Jahren wurden örtlich Begradigungen zum Hochwasserschutz durchgeführt, die aber der Artenzusammensetzung nie schadeten. Mit der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie wurde bereits 2000 begonnen. Die lineare Durchgängkeit ist derzeit bis in den unteren Mittellauf wieder hergestellt. Die Gewässergüte liegt heute um GK II (mäßig belastet). Der Höhepunkt der Verschmutzung wurde in den 1970er Jahren verzeichnet, ab dann verbesserte sich die Situation durch den Bau von Kläranlagen und durch Rückgänge der Belastung durch die Landwirtschaft (die oberen
    Westerwaldregionen werden seit ca. 20 Jahren durch FULprogramme genutzt, das heißt kontrollierter Eintrag von Gülle und Dünger). Die pH-Werte regelten sich Ende der 1990er Jahre dann zwischen pH 7 und 8 ein, im Frühjahr traten jedoch auch Spitzen bis pH 9 auf (Nährstoffbelastung, fehlende Beschattung).

    Die fischereiliche Nutzung kann als eher extensiv bezeichnet werden, da die gesamte Nister durch die Forstämter über langjährige Pachtverträge gesichert wird. Pro Pachtvertrag können nur drei Begehungsscheine ausgestellt werden; die Gesamtzahl der Verträge beträgt ungefähr 20. An der Nister besteht Winterschonzeit (von Mitte Oktober bis Mitte März).

    Aufgrund der vielfach naturnahen Strukturen verfügte die Nister über einen außerordentlich starken Nasen- und Barbenbestand, der sich bis hinauf in die Untere Forellenregion erstreckte.
    Kontrollbefischungen aus den 1990er Jahren belegen, dass auf 23 km Bachlänge ungefähr 30.000 Nasen und 10.000 Barben vorkamen. Auch Netzbefischungen in den 1990er Jahren (Laichfischfang für Wiederansiedlungsprojekte in Hessen) ergaben 750 kg Nasen auf 1 km Flusslänge.
    Dass diese Arten dazu beigetragen haben, auch in den Jahren höchster Verschmutzung das ökologische Gleichgewicht zu erhalten und Kinderstuben für alle anderen Arten zu schaffen, wurde gerade in den letzten Jahren deutlich – als ihre Bestände in Folge des Frassdrucks durch den Kormoran innerhalb weniger Jahre zusammenbrachen. Das ökologische Gleichgewicht – und insbesondere die Nährstoffsituation – erscheinen seit diesem Bestandszusammenbruch komplett aus den Fugen!

    Der Bestandszusammenbruch begann 1997/1998 mit dem Auftreten der ersten Kormorane – einem bis
    dahin am mittlerem Siegsystem (und insgesamt in den Mittelgebirgen) unbekannten Vogel. Man konnte förmlich beobachten, wie „unvorbereitet“ das Auftreten des Kormorans die Fische traf. In den Wintermonaten, wenn die Cypriniden in Massen ihre Winterquartiere in den tiefen Kolken einnahmen, begann eine „hocheffiziente“ Treibjagd durch dutzende im Verband jagende Kormorane.
    Die Kormorane hatten sich zunächst an verschiedenen Schlafplätzen in einer Größenordung von ca. 80 Stück etabliert, was sich bis 2002 auf 140-150 Vögel steigern sollte. Alle Schlafplätze waren in einem Radius von maximal 30 km im Bereich der Nister. Entsprechend wurde sie auch mehrmals am Tag angeflogen.

    In Abstimmung mit den Behörden und Verbänden wurde zunächst über ein Pilotprojekt eine nicht-letale Vergrämung vereinbart, die von einem Monitoring biologisch begleitet wurde (1998/1999). Die Vergrämungsversuche (Böller, Schreckschuss) erwiesen sich bereits im ersten Jahr als untauglich und zwecklos. Die Kormorane flogen einfach eine Schleife weiter und jagten erneut. Da an der Nister eine besonders sensible und artenreiche Fischartengemeinschaft vorlag und hier auch das Lachsprogramm durchgeführt wird, hat die ARGE Nister im Jahr 2000 versucht, Abschussgenehmigungen zu erhalten. Da aber mit den Verbänden keine Einigung erzielt werden konnte, einigte man sich auf ein weiteres Pilotprojekt, in dem eine letale Vergrämung – wieder mit einem Monitoring – versucht wurde. Das Ergebnis war überraschend: die Vögel ließen sich auch durch einzelne Abschüsse nicht nachhaltig vertreiben. Am Ende der Saison war der Kormoranbestand genauso groß wie zu Beginn – abzüglich der geschossenen Individuen! In späteren Jahren konnte die Anzahl der Kormorane auf 50-60 im Winterhalbjahr gesenkt werden, in 2009 auf ca. 30 (im Sommer ca. 10).

    Aus den genannten Pilotprojekten ist auch die heutige Kormoranverordnung des Landes Rheinland-Pfalz entstanden; alles geschah in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden.

    Aber die Maßnahmen kamen für die Fischbestände und insbesondere für die Äschen-, Nasen- und Barbenbestände zu spät. Die Elektrobefischungen im Rahmen des Kormoranmonitorings wie auch des Lachsprogamms ergaben, dass wir jedes Jahr Bestandseinbrüche in Dimensionen hatten, die keiner für möglich gehalten hatte. Die Äsche ist mittlerweile verschwunden, die Bestände von Barbe und Nase umfassen vielleicht noch 5% der Bestandsgröße Mitte der 1990er Jahre. Dagegen haben sich die Bestände von Schmerle, Groppe und Elritze weit mehr als verzehnfacht.

    Die Veränderungen der Fischartengemeinschaft können nach Aussagen von an der Nister im Rahmen von Artenschutzprojekten tätigen Wissenschaftlern als dramatisch beschrieben werden – und sie stehen in engem zeitlichen Zusammenhang mit dem Auftreten des Kormorans. Gleichzeitig tritt seit knapp 10 Jahren alljährlich – also in feuchten kühlen wie auch in warmen trockenen Jahren – ein weiteres, zuvor in diesem Ausmaß unbekanntes, Phänomen auf: eine Massenentwicklungen von Algen und pH-Werte über 9,5 im Frühjahr und Sommer, zudem Sauerstoffdefizite und Schlammbildung nach dem Absterben der Algen. Dies hat zur Folge, dass diese abgestorbene Biomasse die Lückensysteme verschließt – Lückensysteme, die für andere Arten (inklusive Flussperlmuschel!) von größter Bedeutung sind. Die Laichplätze der Salmoniden, Barben und Nasen verschlammen – Schlammmassen von über 1 cm Schichtdicke bedecken heute fast den ganzen Bachgrund.
    Ganz offensichtlich ist die Nahrungskette sowie das gesamte ökologische Gleichgewicht mittlerweile außerordentlich stark gestört. Welche Zusammenhänge aber sind bei dieser Störung ursächlich?

    Die Massenentwicklung der Kleinfische dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den drastischen Rückgang der Fressfeinde, namentlich der Barbe (ggf. auch Döbel, Aal) zurückzuführen sein. Die Groppe wiederum kommt bei hohen Dichten als effektiver Laichräuber und Fressfeind junger Salmoniden in Betracht – und kann dann empfindliche Bestandsverluste auslösen.
    Für die enorme Zunahme des Algenwachstums kommt – da die Nährstoffbelastung eher zurückgegangen ist (!) – hauptsächlich der Rückgang der Konsumenten in Frage. Und wichtigster Konsument pflanzlicher Biomasse war in der Vergangenheit die Nase.

    Die Nase ist vorwiegend Vegetarier und dabei ein echter Nahrungsspezialist, der insbesondere Algen von hartem Substrat abweidet. Mit ihrem harten Unterkiefer und der scharfen Unterlippe können Nasen dabei nicht nur „weiche Algen“ (z.B. Grünalgen) abweiden, sondern auch Kieselalgen (sog. Diatomeen). Während der Fressperioden suchen die Nasen oft schwarmweise verschiedene Weideplätze auf. Seltener fressen sie auch Kleintiere, die sich am Grund aufhalten.
    Durch großflächiges Abweiden in Schwärmen von bis zu 1.000 Tieren hält die Nase
    den Untergrund von übermäßigem Algenbewuchs frei. Daher kommt ihr im Ökosystem eine ganz wichtige Rolle zu, denn übermäßiges Algenaufkommen ist eine Ursache für starke ph-Wert- und Sauerstoffschwankungen.

    Um das Ausmaß einmal darzustellen, sei folgende beispielhafte Kalkulation aufgeführt:
    Wie viel pflanzliche Nahrung die Nase aufnimmt, ist bisher noch nicht untersucht worden. Um eine Größenordnung herauszuarbeiten, wird angenommen, dass die Nase täglich rund 10% ihres Körpergewichts aufnimmt (eine vorsichtige Kalkulation – beim Graskarpfen können es über 100% sein!). Schwerpunkt der Nahrungsaufnahme seien 180 Tage im Jahr. Eine durchschnittliche Nase wiegt 500 g (bei einer Länge von 35-45 cm).
    Setzt man diese Werte mit der ehemaligen Bestandszahl von 30.000 Nasen in Bezug, ergibt dies 30.000 mal 50 g Algen = 1,5 Tonnen am Tag oder 270 Tonnen im Jahr!

    Das heißt: rund 216 Tonnen pflanzlicher Biomasse (Algen) wurden schon bei einem Bestandsrückgang von 80% (Stand 2004) in einer Wachstumsperiode nicht mehr abgeweidet…
    Nicht berücksichtigt wird in dieser Rechnung, dass die Nase vorrangig den dünnen „Algenrasen“ abweidet, also pflanzliche Organismen entnimmt, bevor sie auswachsen (und sich ihre Biomasse noch einmal vervielfacht). Auch die anderen Fischarten, die teilweise in erheblichem Ausmaß Pflanzen fressen, wie Döbel und Rotauge, sind in dieser Kalkulation noch gar nicht enthalten. Schließlich hemmt vermutlich auch die Barbe durch ihren Substratkontakt (Stöbern) bei der Nahrungsaufnahme das Algenwachstum.

    Das Fallbeispiel Nister zeigt also auf: das Auftreten eines bisher nicht im Nahrungsgefüge vorhandenen Fressfeindes (Kormoran), der die typischen Konsumenten dezimiert (u.a. Nase), führte nicht einfach nur zum Rückgang von Fischbeständen, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit zu empfindlichen Störungen des gesamten ökologischen Gleichgewichts. Die ansteigende Biomasse der Pflanzen (Produzenten) fixiert viele der Nährstoffe, die ansonsten permanent mit der fließenden Welle aus dem Gewässer ausgespült würden – und setzt sie dann in kurzer Zeit frei, wenn die Algenbestände im Sommer zusammenbrechen. Gleichzeitig verschlechtern sich die Vermehrungsbedingungen der Fische – darunter die der Nase. Die Folgen dieser sich immer schneller drehenden Spirale können an der Nister gut beobachtet werden – genauso wie die weiter jagenden Kormorane in der Winterruhephase der Nasen, Barben, Döbel usw. Ob unter diesen Bedingungen weiter Lachse erfolgreich laichen können und die landesweit letzten Bach- und Flussperlmuschelbestände erhalten werden können, darf bezweifelt werden.

    Was wäre das für eine Ironie: falsch verstandener Artenschutz zu Gunsten des gebietsfremden Kormorans besiegelt das Schicksal hoch gefährdeter heimischer Arten.

  10. Hallo, Es ist bewiesen das der Kormoran erheblichen Schaden in der Natur anrichtet, schaut euch die Bäume an wo sie sich aufhalten, alle kahl, bei uns haben sie in kürzester Zeit einen 3 ha großen See bis auf ein paar Großfische leer gefressen. Er zählt schon seit den 80er Jahren nicht mehr zu den gefährdeten Vögeln, bei einer Population von 2 Millionen Exemplaren kann das nur den Untergang einiger Fischarten bedeuten, werdet endlich wach, ihr seht es und versucht es schön zu reden, alle Versuche haben bis jetzt nichts bewirkt, das einzige ihr habt Zeit geschunden, Danke

  11. L.Wetzel sagt:

    Toll, ich wäre auch mal für die Beseitigung einiger Vielfraße.

    Ich kenn auf dem Planeten nur eine Rasse, die mehr frisst als sie sollte.

    Keiner zerstört den Planeten mehr als der Mensch, was sich ja genau hier wieder zeigt.

    Klaus Conrad sagt…
    “…Ansonten müßten Sie erkennen:”der Komoran ist der größte,aggressivste,sich am schnellsten vermehrende Fische jagende Wasservogel”,in unseren europäischen Lebensraum !…”

    Ich übersetz das mal:

    “…Ansonten müßten Sie erkennen:”der MENSCH ist die größte,aggressivste,sich am schnellsten vermehrende Alles jagende Rasse”,in unserem irdischen Lebensraum !…”

    Eine wahre Krone der Schöpfung eben.

    VG
    aus Sachsen

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