Carrotmob in Bonn

Einkaufen für die Umwelt

9. Oktober 2009.

Flashmobs als Aktionsform haben während der vergangenen Wahlkampfmonate eine beeindruckende Breitenwirkung erzielt und sind damit sozusagen salonfähig geworden. Dass dabei die Trennlinie zwischen unpolitischen, spaßorientierten und irritierenden „Flashmobs“ und politisch motivierten „Smart Mobs“ immer wieder in die eine oder andere Richtung überschritten wurde – geschenkt. Die Bonner_innen erwartet im Oktober jedenfalls ein ganz besondere Form des Flashmobs, ein sogenannter „Carrotmob“.

Die Grundidee des Carrotmobs verkehrt die Funktionsweise des Boykotts ins Gegenteil. Statt ein Geschäft durch Nichtkonsum zu schädigen, werden Ladenbesitzer für ihre Bereitschaft, ihren Gewinn in eine klimagerechte Sanierung ihres Ladens zu investieren, mit Kundschaft belohnt. Oder wie es Brad Burton, ein Mitarbeiter der Carrotmobbewegung in Amerika ausdrückt: Es gibt zwei Wege, einen Esel zum Laufen zu bringen: Du hältst vor ihm eine Karotte in die Luft, oder du schlägst ihn von hinten mit dem Stock. Burton: „Wir halten der Wirtschaft die Karotte hin – und sie macht Fortschritte, wandelt sich.“

Unter dem Motto „Carrotmob Bonn – für eine coole Atmosphäre „, findet am 24. Oktober im Rahmen des internationalen Klimaaktionstages und sechs Wochen vor den richtungweisenden UN-Klimaverhandlungen in Kopenhagen, der erste Carrotmob Bonns statt.

In einem ersten Schritt haben die Bonner Carrotmobber Ladenbesitzer gefragt, wieviel ihrer Einnahmen sie bereit wären, in die Verbesserung des Energiehaushalts ihres Geschäfts zu investieren. Den Zuschlag erhielt der Bioladen „Biokultur“ im Bonner Talweg 180. Dieser sicherte den Aktivisten zu, 20% des Umsatzes, den er am 24.10.2009 zwischen 13.00 und 16.00 Uhr erzielt, in Energiesparmaßnahmen zu investieren. Die Veranstalter des Carrotmobs rühren im Gegenzug die Werbetrommel und rufen die Bürger_innen auf, zu dem besagten Zeitpunkt bei Biokultur einzukaufen. Durch den stimulierten Konsum wächst der Umsatz und somit der Benefit für die Umwelt.

Damit schlägt der Carrotmob zwei Fliegen mit einer Klappe: er gibt dem Konsumenten die Chance, Teil einer positiven Bewegung zu sein. Und dem Ladenbesitzer die Chance, seinen Bekanntheitsgrad zu erhöhen, sein Image aufzupolieren, seinen Umsatz zu steigern und sein Geschäft energieeffizienter umzubauen. Um so eine langfristige Senkung der CO2-Bilanz zu realisieren.

Der erste deutsche Carrotmob fand am 13. Juni in Berlin statt; mit einer Bilanz, die sich sehen lassen kann: 400 Menschen verdreifachten den Tagesumsatz des „Multikulti-Spätverkaufs“ innerhalb von nur 3 Stunden. Von den 2000,84 € des erzielten Umsatzes investierte der Geschäftsmann 35% in die Umwelt. Durch die energetischen Verbesserungen seiner Einrichtung (Austausch der Beleuchtung u.ä.) spart er in Zukunft 1.152 kg CO2 pro Jahr.

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