15. Oktober 2009.

Am vergangen Freitag folgten dem Aufruf des Bonner Bündnis für den Atomausstieg an die 50 sportlichen AktivistInnen, um sich gemeinsam für den Atomausstieg warmzulaufen. In Sportkleidung und Joggingschuhen oder auf Fahrrädern wurde gemeinsam gegen die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke protestiert. Anregung bekam unsere Aktion von der Anti-Atom-Kampagne in Berlin. Dort hatte am 05.10. eine von .ausgestrahlt, Campact sowie dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland initiierte Demo unter dem Motto „Warmlaufen für den Widerstand – Atomkraft kaltstellen!” für ein bundesweites Vorbild gesorgt.

Bevor sich in Bonn die Atomkraftgegner auf einen 1 km langen Rundkurs in der Innenstadt aufmachten, war zunächst Kreativität gefragt. Gemeinsam mit Passanten und Kindern wurden auf dem Bottlerplatz insgesamt 7 Protest-Transparente gestaltet. Als Bonner Beitrag befinden sich diese bereits auf dem Weg nach Berlin, um dort am kommenden Samstag mit Transparenten aus dem gesamten Bundesgebiet zum längsten Anti-Atom-Banner der Welt zusammengefügt zu werden. Am Verhandlungsort der Koalitionsgespräche von CDU/CSU und FDP, der NRW-Landesvertretung, werden Merkel, Seehofer und Westerwelle dann buchstäblich von Demonstranten umzingelt sein und hautnah die ablehnenden Haltung der Bevölkerungsmehrheit zum Ausstieg aus dem Atomausstieg erleben.

Dass die Bevölkerung mehrheitlich gegen eine Kehrtwende in der Atompolitik ist, konnten wir auch an dem überwiegend positiven Echo auf unsere sportliche Demo ablesen. Viele Bonnerinnen und Bonner nutzten den Infostand, um sich über den Stand der Koalitionsverhandlungen oder die Debatte zur Kernenergie zu informieren. Während des Rundkurses gab es oft Beifallsbekundungen, viele Passanten machten auch einfach Fotos von unserer nicht alltäglichen Laufgruppe. An drei Stationen (Friedensplatz, Markt und Münsterplatz) brachten uns Lockerungs-, Dehn- und Gleichgewichtsübungen in die richtige Stimmung für den Widerstand, bevor wir mit gestärktem Rückgrat eine neue Laufetappe antraten. Die lautstarke Aktion hat uns viel Spaß gemacht und erregte jede Menge Aufmerksamkeit bei den Passanten in der Fußgängerzone.

Das Bonner Bündnis für den Atomausstieg ist ein Aktionsbündnis, welches sich aus der Anti-Atom-Gruppe Bonn, Greenpeace Gruppe Bonn und Campact-Aktivisten zusammensetzt. Angeregt von der Mitmach-Kampagne .ausgestrahlt werden wir auch weitere Aktionen hier in Bonn und der Region organisieren, um die Menschen gegen eine Renaissance der Atomenergie zu mobilisieren. Die Atomenergie muss ein Auslaufmodell bleiben. Je eher der Ausstieg vollzogen wird, desto besser. Das Greenwashing der Atomkraft durch Schwarz-Gelb als CO2-neutrale Energiequelle (falsch) und ökonomische Brückentechnologie (auch falsch) verstellt den Blick auf die bereits jetzt vorhandenen Potentiale alternativer Energien und behindert den weiteren Ausbau einer nachhaltigen und dezentralen Energieversorgung.

Wer möchte kann mit uns über die Anti-Atom-Gruppe Bonn (kontakt@antiatombonn.de) oder Greenpeace Gruppe Bonn (gp-bonn@gaia.de) Kontakt aufnehmen oder einfach zum nächsten Vorbereitungstreffen am 27.10.2009, 19.00 Uhr ins Oscar-Romero-Haus kommen.

  1. Peter Kanzow sagt:

    Ich persönlich halte das Risiko laufender Atomkraftwerke für akzeptabel. Die Schäden an Leib und Leben in Deutschland sind bei Atomkraft weitaus geringer als bei Kohle. Allerdings: Das Endlagerproblem muss gelöst werden. Und die Skandale um Asse sind da nicht hilfreich.

  2. Gegenpool sagt:

    @Peter Kanzow
    Tschernobyl schon vergessen? Und das Endlagerproblem läßt sich offensichtlich nicht lösen oder bietet der Hangelarer Flugplatz nicht eine tolle Fläche)
    Leider wurde die Frage gelöscht, wo die Grünen bei der o.g. Aktion waren, sind wahrscheinlich alle auf Jamaika:)

  3. Lohmeyer sagt:

    Die Frage, wo die Grünen bei der o.g. Aktion waren, wurde nicht gelöscht, sondern steht da, wo sie gestellt wurde: als Kommentar unter einem anderen Beitrag zu der Aktion. Hier: http://rheinraum-online.de/2009/10/07/anti-atom-aktion-in-bonn/
    es grüßt die rhein:raum-redaktion

  4. Peter Kanzow sagt:

    Endlagerproblem ist nicht gelöst: Stimme zu.

    Aber: Tschernobyl war Sowjetschrott. Wenn ein Moskwitsch auseinanderfällt, steigen Sie doch trotzdem noch in den Mercedes?

    Außerdem war die Totenzahl bei weitem nicht so hoch wie von den Angstmachern prophezeit. Man sprach von Hunderttausenden. Es sind Tausende gestorben, schlimm genug. Aber nur ein kleiner Prozentsatz der Panikmache, die seit Jahrzehnten die Antiatomkraftbewegung speist.

    Und heute ist die Gegend um Tschernobyl keine verstrahlte Wüste, sondern ein Naturparadies, weil sich der Mensch noch nicht wieder hineinwagt. Kurz: Atomkraft ist gefährlich, aber nicht so gefährlich, wie die Panikmacher immer wieder behaupten. Kohle ist viel gefährlicher. Und Atomkraft ist beherrschbar, wie uns die Franzosen vormachen.

  5. Fabian sagt:

    @Peter Kanzow: Zu dem “Naturparadies Tschernobyl ” kann man heute ein sehr interessantes Interview mit einem Dokumentarfotografen im Spiegel-online lesen, der seit sechs Jahren die Auswirkungen des Reaktorunglücks in der verseuchten Sperrzone dokumentiert. Vielleicht sollten Sie das erstmal lesen, bevor Sie solche weltfremden Ansichten kolportieren. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,655907,00.html

  6. Gegenpool sagt:

    @rhein redaktion

    pardon, dann habe ich mich verlesen…mein Fehler!!

    @Peter Kanzow
    Wo isr denn ihr Maßstab bei der Abwägung Atomkraft/Kohle: 50 Tote, 100 Tote 1000 Tote zzgl. den körperlichen Mißbildungen von Kindern, die die Langzeitfolgen tragen müssen, nur um Energie zu erzeugen. Meines Wissens verursachte die Förderung von Braunkohle nicht so viel menschliches Leid wie Atomkraft. Und Tschernobyl heute ein Naturparadies, dann stellt sich die Frage, wieso das Siebengebige in ein Naturpark umgewandelt werden sollte.
    Das wir Atomkraft benötigen , behauptet heute lediglich die vier Energiemonopolisten und deren politischen Handlanger in der CDU/FDP. Es geht lediglich um (viel) Geld. Mit alternativen Energien und Energie sparen kann Deutschland auch ohne Atomstrom und ohne Braunkohle den Energiebedarf decken.

  7. Peter Kanzow sagt:

    Wo bitte in Deutschland gibt es 50, 100, 1000 Atomkraft-Tote oder Geschädigte?

    Wenn man Tschernobyl als Maßstab für Atomkraftgefahren nennt, dann bitte auch China als Maßstab für Kohle-Gefährlichkeit: 6000 Tote pro Jahr.

    Fazit: Wenn man’s falsch macht, ist alles gefährlich, auch das Kochen am heimischen Herd. Abgesehen vom Endlager, sind die Risiken deutscher Atomkraft gering.

  8. Gegenpool sagt:

    Die Auswirkungen eines Unfalls in einer Kohlegrube belasten nicht einen ganzen Kontinent. In Deutschland wurde der Sand von Spielplätzen ausgewechsel, von dem Verzehr von Obst und Gemüse wurde gewarnt usw. Unglücke mit Atommmeiler sind globalisierter.
    Und weil Unglücke am Herd vorkommen,gehören Atomwerke verboten-Danke für das Argument!

  9. Felix sagt:

    Ich finde Atomkraftwerke super, aber auf dem Mond!

    Jeder Deutsche Autofahrer muss eine ziemlich teure Haftpflichtversicherung abschließen, um alle möglichen
    Haftungen abdecken zu können. Jetzt rechnet die
    Haftpflicht mal aus, wenn ihr plötzlich halb Deutschland
    bezahlen müßtet. Das wäre nämlich der Fall, wenn nur
    ein AKW explodiert. Die Versicherungsindustrie nennt das
    “unkalkulierbares Risiko”, die sind strikt dagegen.

    Und jetzt denkt doch mal selber nach, warum wohl?

    Gruß Felix.

  10. Pingu sagt:

    Hallo Liebe DiskutantInnen,
    ich stimme total mit euch überein und finde, das Atomkraft zu gefährlich ist und Kohlekraftwerke schädlich fürs Klima.
    Beide Techniken brauchen wir nicht mehr und deshalb plädiere für den Wechsel zu einem echten Ökostromanbieter: http://www.atomausstieg-selber-machen.de/ !

    Wer es lieber lokal mag könnte auch einen “Ökostromtarif” vom örtlichen Stromanbieter nehmen, sollte aber dann darauf achten, dass der Tarif mit dem “Grüner Strom Label” gekennzeichnet ist!

    Mit freundlichen Grüßen,
    Pingu.

  11. eddy sagt:

    Stellt der Atomlobby die Asse-Fässer in den Keller!

    Jeder der von weiterem Betrieb von AKWs spricht, muss doch eine Endlagerlösung kennen. Leider fehlt es hier an Ideen. Mein Vorschlag: Zur vorläufigen Endlagerung bekommt jeder der Atomkraft öffentlich propagiert einen Atommüllbehälter nach Hause gestellt.

    Übrigens: Ökostrom gibt es häufig vom lokalen Anbieter und ist nicht unbedingt teurer. Und wem die Stromkosten zu hoch sind, der kann einfach Strom sparen.

    Viele Grüße eddy

  12. Muoi Poter sagt:

    Mir fehlt bei den ganzen Diskussionen über den Atomausstieg oft die Tiefe und die Kompetenz in den Argumenten. Auf Erlbaum.de habe ich eine interessante Seite gefunden, wo jeder Einzele seine Fachbücher empfehlen kann, damit man für Diskussionen besser informiert ist. Ich finde die Seite sehr interessant, denn es wurde in Gesprächen in meinem Freundeskreis immer schnell emotionell und unsachlich. Und die Argumente waren alles andere als begründet.

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