Schwulen- und LesbenZentrum Bonn e.V.

Es war einmal ein Schwulen- und LesbenZentrum in Bonn

15. Oktober 2009.

Alles begann damit, dass unser Vermieter vom Frankenbad Anfang des Jahres 2009 mit der Bitte an uns herantrat, uns schnellstmöglich neue Räume zu suchen. Der Vorstand suchte also im ersten Halbjahr mit Hochdruck nach neuen Räumlichkeiten, was aufgrund unserer besonderen Anforderungen mehr als schwierig war. Die Wolfstrasse 6 ist zwar etwas klein, aber im Vergleich zu den anderen besichtigten Objekten das Beste, was wir bekommen konnten.

Den früheren Auszug versuchte er uns so schmackhaft wie möglich zu machen; es war von einer Prämie die Rede, wenn wir früher ausziehen; der bestehende Vertrag könne sehr kurzfristig aufgehoben werden usw. Umso erstaunter und ärgerlicher wurden wir, als unser alter Vermieter nach der Mitteilung, daß wir neue Räume gefunden haben, nichts mehr von seinen ursprünglichen Versprechungen wissen wollte und plötzlich Bedingungen stellte, die für uns gar nicht erfüllbar waren.

Zwischendurch erreichte uns auch eine hohe Stromnachzahlung. Der nächste Rückschlag kam, als die Sparkasse uns die vorher in Aussicht gestellte Bürgschaft als Ersatz für eine Mietkaution schließlich doch verweigerte und wir die Kaution doch bezahlen mussten.
Des Weiteren wurde uns durch einen ehemaligen Stadtrat (SPD) bereits im Juli die unbürokratische Ausstellung einer Gaststättenkonzession zugesagt. Nach unseren Informationen hat er sich nur leider in keiner Weise um diese Angelegenheit gekümmert. Dies verschärfte unsere ohnehin finanziell sehr angespannte Lage noch zusätzlich, da wir entweder gar nicht öffnen oder unsere Getränke nur zum Selbstkostenpreis ausschenken durften. Auf diese Art können wir natürlich nicht die jetzt für uns so dringend notwendigen Umsätze erwirtschaften. Diese Situation hätte sich vermeiden lassen können, wenn besagter Ex-Stadtrat zu gegebener Zeit und in dem uns zugesagten Umfang tätig geworden wäre, denn während unserer Sommerpause hätte uns das Öffnungsverbot (bzw. die Ausgabe der Getränke zum Einkaufspreis) ohnehin nicht getroffen.

Die Gewährung der Konzession ist nun allerdings nahezu unmöglich geworden, denn das Finanzamt hat uns geschätzt und wir sollen eine fünfstellige Summe an Umsatzsteuer nachzahlen. Jetzt kommt allerdings das Hauptproblem: dieser Betrag wird auf der ‚Bescheinigung in Steuersachen‘ aufgeführt, die wir zwingend für die Gaststättenkonzession vorlegen müssen.

Nach der umsatzlosen Sommerpause, der Zahlung der Mietkaution sowie dem kostspieligen Umzug mit Renovierung steht der Verein jetzt ohne jegliche finanziellen Reserven da. Aufgrund der momentan nicht vorhandenen und durch die Steuerschätzung nicht mehr zu erhaltenden Gaststättenkonzession können wir keine Einnahmen erwirtschaften, die die Situation verbessern würden. Ohne Konzession kein nennenswerter Umsatz. Ohne Umsatz keine Schuldentilgung.

Wir sehen derzeit keine Möglichkeit, der Situation zu entkommen, und haben daher am 15.10.2009 die Eröffnung des Insolvenzverfahrens für den Verein in die Wege geleitet. Dies ist in unserer Situation nicht nur gesetzlich vorgeschrieben; dies ist auch unbedingt notwendig, um die Mitglieder des Vorstands vor einer persönlichen Haftung zu schützen.

So gehen fast 35 Jahre Aufklärungsarbeit, Politik, Jugendarbeit, Krisenbewältigung, Workshops, Kulturangebote, Selbsthilfegruppen, Partys usw. dem Ende entgegen.

Der Vorstand des Schwulen-und LesbenZentrum Bonn e. V., dessen Arbeit mittlerweile den Umfang von Vollzeitjobs annimmt und der dafür keinen Cent als Anerkennung erhält, sondern dem nur immer neue Steine in den Weg gelegt werden, möchte abschließend ganz herzlich DANKE sagen bei:

  • unseren Vorstandsberatern und Ehrenamtlern, die mit sehr viel Engagement, Herzblut und Zeitaufwand bei der Sache waren und sich nun fragen, wofür war das eigentlich alles,
  • unseren Mitarbeitern, Honorarkräften und Reinigungsdamen, die nun ihren Arbeitsplatz verlieren,
  • den Ratsuchenden, die hoffentlich bei uns die Hilfe gefunden haben, die sie benötigten und die nun keine Anlaufstelle mehr haben,
  • unseren Vereinsmitgliedern, die z. T. jahrzehntelang treu zum Verein gestanden haben,
  • den Jungs und Mädels der Jugendgruppe, die nun bald kein ‘Grenzenlos’ mehr haben werden,
  • all den vielen Gästen, die sich fast 35 Jahre lang im Zentrum wohlgefühlt und uns so manch schönen Abend und gute Gespräche beschert haben.

WE WILL SURVIVE!

  1. Heidi sagt:

    Kommt eigentlich auch mal jemand auf die Idee, dem Vorstand die Schuld dafür zu geben? Wie kann man 1. keine Steuererklärung abgeben und sich 2. nach einer Schätzung nicht um eine Korrektur bemühen? Ich wurde zu den Anfangszeiten meiner Selbstständigkeit auch vom Finanzamt geschätzt und konnte dies innerhalb von 2 Tagen revidieren.

    Und bezüglich der Gewährung einer Ausschankkonzession geht man nicht zu einem SPD-Stadtratsmiglied, der’s verbummelt, sondern am besten direkt zum Ordnungsamt.

    Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen, aber das hätte alles nicht sein müssen. Das war krasses Fehlmanagement des Vorstands.

  2. Sascha sagt:

    Ach was Du nicht sagst. Wenn uns jemand sagt, komm, ich mach das für euch, dann muss man sich auch drauf verlassen können, das dieser jemand das tut. War nur leider nicht der Fall.

    Und ein Widerspruchsverfahren bei ner Steuererklärung ist auch nicht nach 3 Tagen über die Bühne. Müsstest Du als Selbstständige eigentlich auch wissen.

    Wohlgemerkt: Fehlmanagement der vorhergehenden Vorstände. Wir haben den Mist, den uns andere hinterlassen haben, nur zu bereinigen versucht. Leider bis dato erfolglos.

    Aber schön, wenn man dann noch so aufbauende Kommentare von Leuten bekommt, die keinen näheren Einblick haben…

  3. Heidi sagt:

    Niemand soll persönlich angegriffen werden. Auch der Vorstand arbeitete ehrenamtlich, das ist mir schon bewusst. Aber mich ärgert es einfach, mich ärgert es maßlos, dass es Vorstände 35 Jahre lang hinbekommen einen Laden zu führen und dass dieser und vorherige Vorstände in so kurzer Zeit das Zentrum gegen die Wand fahren.

    Und: Ein Widerspruchsverfahren beim Finanzamt geht nach persönlicher Vorstellung, der Abgabe der vollständigen und einer gerafften Bilanz beim Finanzamt ganz ganz schnell. Aber dazu müsste man ja erstmal gut Buch führen.

  4. Sascha sagt:

    Tja, genau DA war das Problem. Das wurde nämlich seit ca. 2006 nicht mehr gemacht. Der jetzige Vorstand hatte – wie bereits gesagt – die undankbare Aufgabe, Herr dieses Chaos zu werden. Was leider nicht gelungen ist, denn auch wir können keine Wunder vollbringen.

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