Bonner Bündnis für den Atomausstieg

Die-in für den Atomausstieg

4. November 2009.

Eine Sirene tönt am Reformationstag über den Münsterplatz in Bonn. „Achtung, Achtung: Atomalarm! Es ist zu einem schweren Störfall mit massivem Austritt von radioaktiven Substanzen in einem deutschen Kernkraftwerk gekommen!”, schallt es aus einem Megafon. Plötzlich krümmen sich 20 Frauen und Männer in Krämpfen und sinken unter heftigen Hustenanfällen auf das Straßenpflaster. Dekontaminationstrupps in weißen Schutzanzügen messen mit Geigerzählern die Strahlung und zeichnen die Umrisse der Opfer auf das Pflaster…

Glücklicherweise war dieses Szenario am vergangenen Samstag kein Ernstfall, sondern eine vom Bonner Bündnis für den Atomausstieg initiierte Aktion, die unter den Namen Die-in bekannt ist. Bei einem Die-in legen sich Demonstranten auf ein Signal hin plötzlich wie tot zu Boden und zeigen so, dass sie einen bestimmten politischen Sachverhalt für lebensbedrohend halten. In diesem Fall wandte sich das Bündnis gegen die Sicherheitsgefahren der deutschen Atomkraftwerke vor dem Hintergrund der geplanten Laufzeitverlängerung aller 17 deutschen AKWs.

Auf einem gelben Atommüllfass stehend, klärte ein Sprecher der Aktion die stehengebliebenen Passanten über die Hintergründe und Auswirkungen einer Laufzeitverlängerung auf. Nach Ansicht der Atomkraftgegner ist die Nutzung der Kernenergie, entgegen der Aussagen im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung, keine sichere Brückentechnologie, das hätten allein die Zeitungsmeldungen der letzten Monate zu den Pannenmeilern in Brunsbüttel und Krümmel sowie die Skandale um die Atommülllager Asse und Gorleben gezeigt.

Darüber hinaus ist das insbesondere von der FDP vorgetragene Argument einer ökonomischen Notwendigkeit der Atomkraftnutzung über die bereits beschlossene Laufzeit hinaus nicht stichhaltig. Allein im Jahr 2008 hat die Erneuerbare-Energie-Branche genauso viele Arbeitsplätze geschaffen, nämlich 30.000, wie in der gesamten Atomindustrie existieren. Das Bundesumweltministerium gab im April 2009 bekannt, dass die Nutzung erneuerbarer Energien bereits 280.000 Arbeitsplätze in traditionellen Maschinenbaubetrieben und innovativen Technikbranchen geschaffen hat. Perspektivisch könnten durch den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland über eine Million Arbeitsplätze entstehen. Diese positive Entwicklung in den „grünen” Jobs ist aber gefährdet, wenn es zu einer Renaissance der Atomenergie käme.

Die Passanten waren sichtlich überrascht von dieser ungewöhnlichen Aktion in der City; zeigten aber viel Interesse an Informationen über die aktuelle Debatte zur Kernkraft. Die Aktion war vom Bonner Bündnis für den Atomausstieg initiiert worden. Diesem Bündnis gehören die Anti-Atom-Gruppe Bonn, die Greenpeace Ortsgruppe, die Bürgeraktion Umweltschutz Bonn sowie zahlreiche Einzelpersonen aus Bonn und der Umgebung an.

Wer möchte kann mit dem Bündnis über die Anti-Atom-Gruppe Bonn (kontakt[at]antiatombonn.de) oder Greenpeace Gruppe Bonn (gp-bonn[at]gaia.de) Kontakt aufnehmen.

  1. Atomkraft sagt:

    Die Anti-Atom-Bewegung hat mittlerweile religiöse Züge angenommen, rational ist das nicht mehr. Man liest mehr über die Angst vor Atomkraft als über die wirklichen Gefahren. Wenn sich ein Kraftwerksmitarbeiter zuhause auf die Finger haut, ist das schon ein Störfall.

    Dass die deutsche Anti-Atom-Bewegung paranoid ist, sieht man schon daran, dass es in anderen Ländern keine Entsprechung gibt. Die Franzosen gehen wegen alles und jedem auf die Straße, aber Atomkraftwerke haben sie noch und nöcher.

  2. Gegenpool sagt:

    @Atomkraft

    3.10. 2009 Anti-Atom-Großdemo in Colmar/Frankreich

    vielleicht den eigenen Horizont erweitern?

  3. Atomkraft sagt:

    Das versprechen die Religionen auch immer :-)

  4. Gegenpool sagt:

    @ Atomkraft

    Bei den Religionen gibt einen religiösen, mythologischen “Führer” wie “Gott” oder “Mohammed”, kann ich bei der AKW Bewegung nicht erkennen. Mit “Man” meinen wahrscheinlich, sie sich selber…. gut, wenn Sie über die Ängste lesen, ist das ihre Sache, finde ich nicht so produktiv. Sich über die Alternativen unterhalten finde ich besser, eben der verstärkte Ausbau von alternative Energien und Energiesparen und sofortiges Abschalten der AKW s, da sie ledidlich der Gewinnmaximierung der Stromkonzeren dienen.

  5. Atomkraft sagt:

    Ich bin absolut für erneuerbare Energien. Ich halte nur die Angst vor Atomkraft für irrational, ähnlich der Angst vorm Fliegen. Obwohl die Unglücke beim Fliegen wie bei Atomkraft spektakulär sind, ist Autofahren bzw. Kohlekraft weitaus gefährlicher. Kohle produziert Tote am Fließband. Manchmal rutschen noch Jahrzehnte später Häuser in alte Flöze. Aber Angst haben die Leute vorm Atom. Wie beim Fliegen.

  6. Gegenpool sagt:

    @Atomkraft

    Kohleunglücke sind lokal begrenzt, ich denke mal sie konnten trotzdem in Ruhe ihren Kaffee schlürfe, als die Häuser eingestürtzt sind.
    Tschernobyl machte sich bis Westeuropa bemerkbar, der Verzehr Obst und Gemüse war problematisch.

  7. Atomkraft sagt:

    Aha, die Kohlekumpel sterben lokal begrenzt, das ist vertretbar, während rund ums AKW das Krebsrisiko nahe der Messgrenze steigt, was natürlich absolut unvertretbar ist.

    Aber auch Kohlekumpel haben Familie, und so ist das Unglück dann wohl doch nicht mehr ganz auf die Grube begrenzt…

    1986 gab es eine Menge Angst. Aber viele haben einfach Obst und Gemüse weitergegessen, ohne Schaden.

  8. Gegenpool sagt:

    die meisten gartenbesitzer haben ihr obst und gemüse vernichtet, die kommunen wechselten den sand von kinderspielplätzen aus usw. vor dem verzehr wurde gewarnt, dies betraf lebensmittel aus der türkei

    sie schreiben selber, das krebsrisiko im umfeld von akws ist höher…. hat die akw bewegung doch recht.

    wenn in china oder rußland ein bergwerk zusammenbricht, sind die auswirkungen nicht in bonn zu spüren. bei einem akw unfall sehr wohl.

  9. Atomkraft sagt:

    Zynisch ist das! Wenn in china oder rußland ein AKW durchbrennt, merkt man das in bonn auch nicht. Aber wenn in China oder rußland eine Grube zusammenbricht, und Dutzende umkommen, dann trauert auch da eine ganze region. aber in bonn braucht man sich keine sorge um das gemüse zu machen. wie denkt ihr eigentlich???

  10. Gegenpool sagt:

    tschernobyl liegt in rußland, die Auswirkungen wurden von mir bereits beschreiben. es hat nichts mit zynismus zu tun, die auswirkungen auf unsere lebensqualität, wenn in china ein bergwerk zusammenbricht, ist gleich null, atomwolken dagegen kennen kein grenzen….

    im übrigen werden z.Zt nur 18 AKWS in frankreich betrieben, die anderen sind wegen reparaturen oder einer erhöhten störanfälligkeit von netz- überzeugt nicht für diese form der ernergiegewinnung

  11. JTP sagt:

    Es kann also sterben, wer will, solange unsere Lebensqualität unangetastet bleibt…

    Sehr interessante These!

  12. Atomkraft sagt:

    Tschernobyl liegt nicht in Russland, sondern in der Ukraine.

  13. Atomkraft sagt:

    Ja, JTP – dem Atomkraftgegner sind Tote egal, solange es nur die Bergarbeiter sind und er weit weg wohnt. Er will Strom nutzen, aber kein Risiko eingehen – er gibt das Risiko lieber zehnfach an andere ab.

    Das gilt allerdings nur für die Atomkraftgegner, die lieber Kohlekraftwerke bauen oder Strom aus China importieren. Oder Produkte kaufen, die mit Strom aus China hergestellt wurden.

    Im Endeffekt bleibt nichts, als auf erneuerbare Energien umzusteigen oder, man sollte sie besser Direktenergien nennen: Energie, die direkt von der Sonne kommt, ohne vorher in zu Ölfeldern gepressten Wäldern gespeichert zu werden. Davon ist zum Glück genug da. Man darf nur den Atomkraftgegnern nicht erzählen, dass Sonnenenergie aus Kernfusion stammt ;-)

  14. Gegenpool sagt:

    @Atomkraft
    Sie sind ja der Schnellchecker, steigen Sie, wie andere auch, auf Ökostrom um, verzichten Sie auf Produkte, die in China hergestellt werden und lesen Sie mal ein Buch!

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