23. November 2009.

Die Stadt Bonn hat endlich reagiert. Öffentlich, spät und unglaubwürdig. Sie „korrigiert“ vor allem Fehler, die niemand gemacht hat.

Seit Monaten bezieht die Stadt Bonn regelmäßig Prügel für ihr desaströses Missmanagement beim World Congress Center Bonn (WCCB). „Die Millionenfalle“ heißt die Serie des Bonner General-Anzeigers, in der beleuchtet wird, wie die BonnerInnen nach Strich und Faden über den Tisch gezogen wurden. Und zwar nicht nur von Global Players (SMI Hyundai, Honua, Arazim) sondern auch von Local Players (Ex-Oberbürgermeisterin Dieckmann, Ämterchefs der Stadtverwaltung, Sparkassendirektoren etc.).

Inzwischen ist die Serie bei Teil XX angekommen. Drei Tage später, am 20. November, meldete sich Bonns Pressestelle endlich zu Wort: „Stadt korrigiert neun Sachfehler des General-Anzeigers“ heißt es dort vollmundig.

Tatsächlich werden aber nur Nebelkerzen geworfen. Wir heben sie einzeln auf.

1) 185 oder mehr als 300 Hotelzimmer? Nach General-Anzeiger-Informationen sind 316 Zimmer gebaut worden. Die Stadt Bonn sagt, das sei falsch und verweist auf einen Werbetext von www.worldccbonn.com, der behauptet, 334 Hotelzimmer und Suiten / 2 Präsidentensuiten anbieten zu können. Ob so ein Werbespruch ausreicht, den General-Anzeiger Lügen zu strafen?

Die entscheidende Frage ist jedoch: Wie kommt es, dass angeblich im Projektvertrag nur 185 Hotelzimmer bestellt worden sind, obwohl der Rat zuvor den Bau von rund 350 Hotelzimmern zum selben Preis (!) beauftragt hatte? Haben Dieckmann und Konsorten schon bei Vertragsabschluss den Rat betrogen, um später mehr Steuergelder lockermachen zu können? Dazu schreibt die Bonner Pressestelle nichts.

2) Bodenproblematik Fachleuten zufolge muss der General-Anzeiger manche Baudetails missverstanden und falsch wiedergegeben haben. Pfahlgründungen von 140 m Tiefe erschienen ebenso unrealistisch wie eine als Standard angenommene Beton-Bodenplatte von nur 25 cm Stärke für ein 17-stöckiges Hochhaus.

Interessant ist jedoch folgendes: Der General-Anzeiger konstruiert hieraus, v.a. wegen angeblich fehlender Baugrund-Untersuchungen, Mehrkosten von 1 Mio €.

Die Stadt Bonn hingegen verweist darauf, dass sie alles richtig gemacht habe, vier Bodengutachten (!), und konstruiert daraus doppelt hohe Mehrkosten, nämlich 2 Mio €. Mehr als was eigentlich? Böse Zungen behaupten bereits: Da werden schon wieder ein, zwei Millionen Euro verschwummelt…

3) Scheingefecht Der General-Anzeiger habe berichtet, die Stadt habe im „Baukostenexplosionsbegründungspapier“ auf  „diesen Vorgang“ nicht hingewiesen. Richtig sei hingegen, in der Ratsvorlage vom 7. Mai 2009 sei darauf hingewiesen worden.

Die Stadt Bonn verschweigt leider, um welchen Vorgang es überhaupt gegangen sein soll. Auch kommt das zitierte „Baukostenexplosionsbegründungspapier“ im Text des General-Anzeigers überhaupt nicht vor.

4) Ungleiche Treppen Die Erwartung des General-Anzeigers, alle Treppen sollten identisch  sein, ist anscheinend ebenso unsinnig wie die städtische Behauptung, sie seien es tatsächlich. Fachleuten zufolge gibt es auch bei gleichen Geschosshöhen wegen unterschiedlicher Bodenaufbauten sehr häufig unterschiedliche Details.

5) Gipskartonständerwerkwände Der General-Anzeiger kritisiert, dass mit dem Bau von Gipskarton-Wänden begonnen wurde, bevor der Bau trocken war. Von außen eingedrungene Feuchtigkeit habe die zur Hälfte errichteten Gipskartonwände derart beschädigt, dass sie hätten erneuert werden müssen.

Die Stadt versucht abzulenken und erklärt, dass es normal sei, solche Wände und die Elektroleitungen in Etappen zu erstellen. …Aber bitte doch erst, wenn der Bau trocken ist, oder?

6) 1.200 qm Fliesen Hier unterstellt die Stadt Bonn dem General-Anzeiger eine völlig falsche Behauptung: „Der General-Anzeiger behauptet zum Controlling, SMI Hyundai Europe GmbH habe 1.200 m² Fliesen legen und fotografieren lassen – als Basis für das Controlling.“

Richtig sei hingegen: „Rechnungen wurden nur aufgrund kontrollierter Aufmaße beglichen und nicht aufgrund von Fotos.“ Das mag in jedem Einzelfall stimmen.

Der General-Anzeiger sprach indes von etwas ganz anderem, nämlich: Wie überredet man die Sparkassen-Direktoren, vorzeitig die nächste Tranche des Baukredits freizugeben? Man gaukelt einen Baufortschritt vor, den es noch gar nicht gibt. Potjemkin lässt grüßen.

7) Externer Revisor Der General-Anzeiger habe berichtet, die Stadt habe einen externen Revisor, den die Sparkasse Köln/Bonn für das Controlling einschalten wollte, abgelehnt.

Tatsache sei, sagt die Stadt Bonn, „Stadt und Sparkasse haben für das praktizierte Controlling eine gemeinsame Basis gefunden und sich darüber vertraglich geeinigt.“

Na und? Das eine schließt das andere nicht aus.

8) Bau-Controlling durch die Stadt Bonn Der General-Anzeiger habe behauptet, der Außenposten des Controllings hätte aus einem Sachbearbeiter des Ordnungsamtes bestanden.

Die offizielle Antwort hierauf lautet: „Sachbearbeiter des Ordnungsamtes haben keine Controllingaufgaben wahrgenommen. Ein Assistent der Projektkoordination, der nicht zum Ordnungsamt gehörte, hat mit allen Verwaltungsbereichen zusammengearbeitet, auch mit dem Controlling. Die fachlichen Beurteilungen der Bauleistungen erfolgten ausnahmslos durch das städtische Gebäudemanagement.“

Auch das klingt nicht gerade so, als sei je ein echter Controller auf der Baustelle gewesen – nicht mal einer vom Ordnungsamt.

9) Aufklärung der Öffentlichkeit Der General-Anzeiger habe behauptet, die Mitteilungsvorlage für die nächste Ratssitzung am 26. November enthalte keinen Hinweis darauf, dass Rat und Bürger nun aufgeklärt würden.

Richtig sei hingegen, erklärt die Stadt, dass die Mitteilungsvorlage im Ratsinformationssystem öffentlich zugänglich sei.

Das aber hat niemand bestritten, erst recht nicht der General-Anzeiger. Der hatte sogar, anders als die Stadt Bonn in ihrer Replik, die Ordnungsnummer dieses Textes gleich mitveröffentlicht: 912648.

Wer nun aber diese fünfseitige öffentliche Mitteilungsvorlage durchliest, findet darin wirklich keinen einzigen Hinweis darauf, dass die bisherigen Betrügereien aufgeklärt werden sollen.

Fazit: Lauter  f a l s c h e  „Richtigstellungen“ Fragen tauchen auf: Warum äußert sich das Bonner Presseamt erst jetzt zur General-Anzeiger-Serie „Die Millionenfalle“? Und warum versucht es dann sofort, den General-Anzeiger mit derart plumpen Mitteln anzuschwärzen?

Wer mehr Einzelheiten wissen möchte, liest am besten die beiden Originaltexte: a) „Die Millionenfalle, Teil XX“ vom Bonner General-Anzeiger und b) die Pressemitteilung der Stadt Bonn „Stadt korrigiert 9 Sachfehler des G.A.“ [seit Monaten nicht mehr unverfälscht online verfügbar, Februar 2013].


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