29. November 2009.

Seit einiger Zeit bläst den Freunden des geplanten „Festspielhauses Beethoven” in Bonn der Wind ins Gesicht. Sah es zuerst aus, als sei es möglich, das Projekt ohne großen Widerstand durchzusetzen, so reißen in den letzten Wochen und Monaten die Hiobsbotschaften für die Befürworter nicht ab. Nun haben sie sich am vergangenen Mittwoch, 24.11.2009, zusammengeschlossen. „Fest.Spiel.Haus.Freunde” nennen sie sich.

Mehr als zwei Jahre ist mittlerweile der Grundsatzbeschluss des Stadtrates alt, der vorsieht, Gespräche und Verhandlungen über das Projekt „Festspielhaus Beethoven” zu führen und die Errichtung eines neuen Konzerthauses in Bonn vorzubereiten. Nach dem schon vorher erfolgten Versprechen der Bonner DAX-Unternehmen, 75 Mio. Euro zum Bau zur Verfügung zu stellen und nach dem Grundsatzbeschluss des Rates sah der ursprüngliche Zeitplan vor, das neue Haus 2011 zu eröffnen. „Beethoven-Festspielhaus: Eröffnungskonzert soll am 26. März 2011 stattfinden” titelte der General-Anzeiger vor zwei Jahren.

Dieser Zeitplan ist mittlerweile Makulatur. Bonns neuer Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch präsentierte Ende November 2009 einen neuen. Der sieht nun so aus, dass im Mai 2010 eine “Bürgerbefragung” durchgeführt werden soll. Fällt die zugunsten des Festspielhausprojektes aus, soll der Stadtrat dann im Sommer 2010 darüber entscheiden, so Jürgen Nimptsch in einem Interview mit dem General-Anzeiger, “in welcher Weise wir (gemeint ist die Stadt Bonn) für den Haushalt 2012 oder 2013 Mittel zur Verfügung stellen”. Dem vorausgegangen war eine Entscheidung des Postvorstandes am 19. November 2009, „alle Vorbereitungen auf Eis” zu legen. Die Post wolle bei dem Projekt Festspielhaus das Ergebnis der “Bürgerbefragung” abwarten.

Ratsbürgerbescheid oder Bürgerbefragung?

Die vom neuen Oberbürgermeister anvisierte “Bürgerbefragung” soll nächstes Jahr parallel zur Landtagswahl stattfinden. Jürgen Nimptsch sieht in einer solchen Befragung “eine wertvolle Entscheidungshilfe” (wdr, 24.11.2009). Entscheiden sollen die Bürger allerdings nicht, sondern letztlich dann doch der Stadtrat. Für Michael Faber, Sprecher der Linksfraktion im Bonner Stadtrat, ist dann eine solche Befragung nichts als ein “Alibi-Legitimationsverfahren”.

Anders als bei einer “Bürgerbefragung” ist das Ergebnis eines “Ratsbürgerentscheides” für die städtischen Gremien bindend. Einen Ratsbürgerentscheid über die „notwendige finanzielle Beteiligung” der Stadt am Bau und Betrieb zum geplanten Festspielhaus verlangten die Grünen im Februar 2009. Zwei Monate später lehnte der Rat der Stadt diesen Antrag mehrheitlich ab. Doch dann kamen drei Wahlen mit Resultaten, die den Freunden des Festspielhausprojektes überhaupt nicht gefallen. Aus allen Wahlen - Europawahl, Kommunalwahl und Bundestagswahl - kamen die Grünen gestärkt hervor. Stephan Eisele, in den Reihen der CDU der vehementeste Abrissbefürworter der Beethovenhalle und “Vorkämpfer” des Festspielhauses, verlor bei der Bundestagswahl sein Mandat. Die einzige CDU-Kandidatin, die bei der Kommunalwahl einen Stimmengewinn in ihrem Wahlbezirk schaffte, Christiane Overmans, tritt für den Erhalt der Beethovenhalle ein. Im November 2009 nominierte ihre Partei sie als Kandidatin für die anstehende Landtagswahl.

Und dann passierte noch etwas, womit die Festspielhausfreunde nicht gerechnet hatten: Bonns Ex-Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann, die seit dem Ratsbeschluss zum Festspielhaus in ihrer gutsherrlichen Art alles, was die DAXe von der Verwaltung wollten, beflissen umgesetzt hatte, sorgte beim Bau des WCCB für ein Desaster. Ein Desaster, das der Stadt Bonn immense Kosten bereitet und noch mehr Kosten bereiten wird - und den Kritikern des Festspielhausprojektes zusätzliche Argumente liefert.

Alleinstellungsmerkmal der Beethovenstadt Bonn

Vor diesem Hintergrund sammeln sich nun die „Fest.Spiel.Haus.Freunde” - sieben Organisationen und Institutionen, darunter die “Bürger für Beethoven” und der “Verein Beethoven-Haus Bonn” - und geben ihrer Überzeugung Ausdruck, “dass das Festspielhaus das Alleinstellungsmerkmal der Beethovenstadt Bonn fördern und den Ruf Bonns national und international als Geburtsstadt Beethovens und aufstrebende Festspielstadt in die Zukunft tragen wird”. Von den Problemen, die mit dem Festspielhausprojekt verbunden sind, findet sich in der “Unterstützer-Erklärung”, die die „Fest.Spiel.Haus.Freunde” am 24. November 2009 veröffentlichten, kein Wort. Kein Wort darüber, wie die Stadt Bonn die absehbaren finanziellen Belastungen zum Betrieb des geplanten Hauses aufbringen soll. Kein Wort dazu, dass die DAXe es auf die Beethovenhalle abgesehen haben und deren Abriss wollen.

Große Bedenken gegen das Festspielhausprojekt kommt aus den Reihen von Bonner Künstlern. Die sehen die Gefahr, dass Mittel aus dem städtischen Kulturetat demnächst als Zuschüsse in den Betrieb des Festspielhauses fließen und in anderen Bereichen wie Oper und Theater fehlen. Ihnen versprechen die „Fest.Spiel.Haus.Freunde”, dass durch das Festspielhaus “die anderen kulturellen Einrichtungen der Stadt, Museen, Oper, Theater in ihrer Bedeutung gestärkt” werden und neue Besucher gewinnen. Ob ihnen das jemand abnimmt, wird sich zeigen. Bis dahin präsentieren die „Fest.Spiel.Haus.Freunde” - übrigens auf der offiziellen Seite der Stadt Bonn - schon mal eine “Blitzumfrage” unter 31 Bonner Schüler und Schülerinnen. Die soll ihnen wohl Mut machen, denn von den 31 Befragten sind nach Angaben der Verfasser 30 für den Bau des neuen Hauses. Ein paar von den Schülern kommen auch zu Wort und da kann der erstaunte Zeitgenosse dann solche Dummheiten wie die lesen, die ein Frederik von sich gegeben hat: „Reißt die alte Beethovenhalle endlich ab und baut ein schönes Festspielhaus.”

Fazit: Die Jugend haben die „Fest.Spiel.Haus.Freunde” schon mal auf ihrer Seite und die anderen Probleme werden sie ganz bestimmt auch noch lösen!

Foto: Joker

  1. Rheinländer sagt am 29. November 2009:

    @Hans Weingartz: Der Rheinländer sagt: merßi bien!!

  2. Peter Kanzow sagt am 29. November 2009:

    Bei der vielen Desinformation heutzutage ist mir die Lust an der Demokratie bald gründlich vergangen. Nur wer informiert ist, kann kompetent wählen. Dass Kiddies nachplärren, was ihnen ihre Eltern, Lehrer oder nette Onkels und Tanten vom Partei-Kinderfest vorbeten, ist normal und ein Grund dafür, dass man erst ab 18 wahlberechtigt ist. Aber geht es dem erwachsenen Bürger so viel besser? Der liest Zeitung und denkt, alles wäre wahr, schließlich stimmen die Ergebnisse im Sportteil ja auch. Und selbst Ratsmitglieder können sich nicht in alles so einarbeiten, wie es wünschenswert wäre. Am Ende folgt doch wieder alles den Agenden der wenigen Führungspolitiker und ihren Einflüsterern.

    Liebe Bonner Politiker: Bringt erst mal das WCCB wieder auf die Beine, ohne dass wir Steuerzahler dafür bluten müssen. Und dann sorgt dafür, dass die KAH wieder Weltklasse-Kultur bekommt.

    Wenn Ihr das beides schafft, dann traue ich Euch auch zu, ein Festspielhaus von überregionalem Rang bauen und betreiben zu lassen. Bis dahin werde ich dagegen stimmen. Nicht weil ich die Beethovenhalle so mag. Sondern weil Bonn beweisen muss, dass es Größe besitzt und nicht nur Größenwahn.

  3. Peter Kanzow sagt am 6. Dezember 2009:

    Ist jemandem eigentlich aufgefallen, dass das schöne Bild des belebten Festspielhauses im Sonnenschein (eta hier: http://www.bonndirekt.com/images/stories/Betthovenhalle/zaha_hadid_ansicht_2.jpg) arg geschönt ist? Das Festspielhaus liegt am Westufer des Rheins, der Sonnenschein kommt aber aus dem Osten - die Szene kann also nur am frühen Morgen so aussehen, und ob es zu der Zeit so belebt ist wie das Bild zeigt?

  4. Ruth Kessel sagt am 1. Januar 2010:

    Jawohl, Meister Kanzow, auch anderen fällt etwas auf, wenn sie früh genug
    aufstehen. Aber es ist auch garnicht entscheidend, wann das Ding glänzt, wir sind uns ja einig, dass wir uns in diesem Glanz nicht wiederfinden wollen. Also reg Dich ab und lies weiter http://www.bonndirekt.com, das bildet.

  5. Katrin sagt am 21. März 2010:

    Auf ihrer Website haben die Festspielhaus- und Beethovenhallenabrissfreunde ein “Forum” - ich dachte, auf einem Forum würde diskutiert und habe in einem Beitrag danach gefragt, ob die Kostenfrage bei dem von ihnen unterstützten Projekt keine Rolle spielt. Davon wollten die “Freunde” offensichtlich nichts wissen. Der Beitrag ist nie erschienen.

  6. BonnerLinker sagt am 21. März 2010:

    west.art am Sonntag

    Städte in Not – Können wir uns Kultur noch leisten?
    Zuschauer im Theater; Rechte WDR

    Ein Gespenst geht um in NRW: die Angst vor dem großen Theatersterben. Seit die Städte immer klammer werden, droht der Kultur ein Kahlschlag. Was kann und soll sich eine Stadt noch leisten, wenn die Pleite droht? Was bedeutet es für den Gemeinsinn, wenn das kulturelle Leben verarmt? Darüber diskutiert Holger Noltze live im WDR Foyer mit seinen Gästen.

  7. BonnerLinker sagt am 21. März 2010:

    Stoppt Festspielhaus Bonn.

    Gehen im Theater bald die Lichter aus?
    Ein Gespenst geht um in NRW: die Angst vor dem großen Theatersterben. Seit Städte und Gemeinden immer weniger einnehmen und sich zur Deckung ihrer Ausgaben hoch verschuldet haben, droht der Kultur der Kahlschlag. Die Theater in Essen, Mönchengladbach, Oberhausen und Dortmund stehen auf der Kippe. Das Schauspiel in Wuppertal ist kurz vor dem Aus. Die Stadt hat 1,8 Milliarden Schulden angehäuft. Deshalb soll das
    Schauspielhaus ab 2012 zwei Millionen Euro einsparen. Das bedeutet die Schließung, fürchten Theaterleute und Bürger. Gemeinsam protestieren sie gegen die Kürzungen. Auch in Köln formiert sich Widerstand gegen die Sparpläne der Stadt. Sie hat einerseits den Kulturetat drastisch beschnitten, andererseits Abriss und Neubau des Schauspiels beschlossen. Klotzen am falschen Platz, sagen die Gegner, die das kostenintensive Prestigeprojekt mit einem Bürgerbegehren stoppen wolle

    http://www.wdr.de/tv/westart/sonntag/sendungsbeitraege/2010/032/topthema.jsp

  8. Festspieler sagt am 23. März 2010:

    In Hamburg kann man sehen, was passiert, wenn Größenwahn ohne Rücksicht auf Steuergelder modernste Festspielhäuser baut:

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,684380,00.html

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