Bildungsstreik

Offener Brief an den Rektor nach Hörsaalräumung

29. November 2009.

Das Rektorat der Universität Bonn hat  am Samstag Morgen um 5 Uhr den besetzen Hörsaal I von der Polizei räumen lassen. Ohne Vorwarnung stürmten ca. 50 Polizeibeamte den Saal und überraschten die Studierenden im Schlaf. Es wurde Strafanzeige erstattet und das komplette Equipment vorerst beschlagnahmt. Nun wenden sich die Studierenden in einem offenen Brief an den Rektor der Universität Bonn:

Sehr geehrter Herr Prof. Fohrmann,

wir wenden uns mit diesem offenen Brief an Sie, da wir bisher nur einen unzureichenden Dialog mit Ihnen führen konnten, einen solchen Austausch mit der Hochschulleitung jedoch für unerlässlich halten. Sie haben bisher nur ein einziges Mal eine Delegation aus dem freien Hörsaal empfangen und hatten für diese leider nur inhaltsleere Versprechungen übrig.

Bereits zum dritten Mal innerhalb dieses Jahres haben sich Studierende deutschlandweit in einem Protest auf die Straße begeben. Dennoch hat sich an den desaströsen Zuständen des Bildungssystems nichts geändert. Es ist unsere feste Überzeugung, dass Bildung Raum für freie Entwicklung bieten und für absolut jeden zugänglich sein muss. Dies ist die Grundlage für unsere demokratische, freiheitliche Gesellschaftsordnung. Mit genau dieser Überzeugung gingen auch in Bonn in den vergangenen Wochen Tausende Schüler/innen und Studierende auf die Straßen und besetzten darüber hinaus den Hörsaal I der Universität. Diese Maßnahme halten wir für unausweichlich, da wir bedauerlicherweise feststellen mussten, dass bloße Straßenproteste keinerlei Reaktionen seitens Politik und Hochschule nach sich ziehen.

Innerhalb der bereits 13 Tage andauernden Besetzung wurde uns in Gesprächen mit Studierenden, Bürgern und Angehörigen der Universität immer wieder vor Augen geführt, welche Dringlichkeit diese Thematik mittlerweile in unserer Gesellschaft besitzt. Nicht nur haben sich das Studierendenparlament, sowie über tausend Studierende durch ihre Unterschrift mit uns solidarisiert, sondern auch zahlreiche parteiliche Jugendgruppen, Gewerkschaften, andere gesellschaftliche Bündnisse und der Stadtrat, das oberste politische Organ der Stadt Bonn, haben ihre Unterstützung bekundet.

Daher rührt unsere Bestürzung über Ihre fehlende Kompromiss- und Dialogbereitschaft, sowie die ausbleibenden Antworten auf unsere Kontaktversuche. Außerdem waren wir schockiert über Ihr undemokratisches Vorgehen, einen friedlichen Protest ohne persönliche Aufforderung durch Sie mit polizeilichen Mitteln aufzulösen und Strafanzeige gegen mehrere Studierende zu stellen.

Aufgrund der Unverhältnismäßigkeit dieses Vorgehens fordern wir Sie auf, die Strafanzeigen zurückzuziehen, so wie dies auch an anderen Hochschulen geschehen ist. Schließlich ist die Universität Bonn die einzige, die ihre Studierenden trotz absolut friedlichen Protests und Dialogbereitschaft mehrfach mit polizeilichen Mitteln räumen ließ.

Unabhängig davon werden wir uns nicht davon abhalten lassen, unseren Protest lautstark, bunt und phantasievoll fortzusetzen. Dies schließt eine Wiederbesetzung des Hörsaal I ein.

Wir verbleiben in der Hoffnung, die Probleme an unserer Universität gemeinsam mit Ihnen lösen zu können.

Die Bonner Bildungsstreikbewegung

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