Beethovenhalle contra Festspielhaus

Die Beethovenhalle bewahren

28. Dezember 2009.

Den 50. Geburtstag der Beethovenhalle haben Bonner BürgerInnen zum Anlass genommen, um sich zu einer „BürgerInitiative proBeethovenhalle“ zusammenzuschließen. Mit dieser Initiative soll an die Bürgerbewegung in den 50er Jahren angeknüpft werden, die maßgeblich dazu beigetragen hat, dass das Konzert- und Veranstaltungshaus am Rhein errichtet wurde.  Ziel der neu gegründeten Initiative ist die Bewahrung der historischen Halle.

In das  Bürgermeister-Stroof-Haus in Beuel hatte am 18.12.2009 Carl J. Bachem, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Bonner Heimat-, Geschichts- und Denkmalvereine, geladen. Der Einladung gefolgt waren Mitglieder der von Bachem vertretenen Vereine, des Ortskuratoriums des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, der Initiative Beethovenhalle am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn , von Pro Metropol, des Arbeitskreises zur Erhaltung des historischen Stadtgefüges von Bonn, Einzelpersonen und ein Vertreter der Anfang Dezember 2009 gegründeten „Bürgerinitiative proBeethovenhalle“.

Die Anwesenden begrüßten in der Diskussion über die politische Lage, dass die  Stadtverwaltung mittlerweile daran gegangen ist, einen Alternativstandort für ein neues Festspielhauses zu planen, der nicht mehr den Abriss der Beethovenhalle vorsieht. Im Zusammenhang mit dieser Planung hatte, zwei Tage vor dem Treffen in Beuel, am 16.12.2009 schon der Stadtrat den Oberbürgermeister beauftragt, die „Pläne der Verwaltung zum Standortwechsel für das Festspielhaus unverzüglich dem Rat vorzulegen“.

Eint die Anwesenden der Einsatz für den Erhalt der Beethovenhalle, so zeigte sich in der Haltung zum geplanten Festspielhaus bei den anwesenden Vertretern ein breites Meinungsspektrum. Es reicht von der Meinung, dass Bonn als Beethovenstadt ein neues Festspielhaus braucht bis zu der Meinung, dass die Beethovenhalle auch als Konzerthaus eine Zukunft hat und die Planung eines neuen Festspielhauses angesichts der Haushaltslage und des WCCB-Desasters ein Risiko darstellt, das die Stadt nicht eingehen darf.

Für die künftigen Aktivitäten zum Erhalt der Beethovenhalle beschlossen die Anwesenden sich unter dem Dach der „Bürgerinitiative proBeethovenhalle“ zusammenzuschließen. Das nächste Treffen soll am 19. Januar 2010 stattfinden.

Foto: Hans Schafgans, Beethovenhalle 1959

  1. Felix sagt am 28. Dezember 2009:

    Das Stichwort lautet m.M.n. “Veranstaltungshaus”, denn ein Festpielhaus würde doch so einige Veranstaltungen unmöglich machen. Warum baut die Post nicht einfach eine akkustisch kompatible “Mehrzweckhalle”? Dann wäre es doch auch viel einfacher, das ganze Ding rentabel zu betreiben.

  2. Trauernder Metropol-Hinterbliebener sagt am 2. Januar 2010:

    Bonn sollte gewarnt sein, wenn es seine Denkmäler leichtfertig opfert. Bereits das anstelle der Villa Dahm gebaute WCCB erweist sich als Kostenkatastrophe. Ob das Metropol, das in Verbindung zweier in der Vergangenheit gescheiterter Unternehmen (Schließung des Modehauses Töpfer und Insolvenz von Bouvier), ein wirtschaftlicher Erfolg wird, bezweifle ich. Und nun die DAXe, die ein neues Festspielhaus mit unkalkulierbaren Risiken für die öffentliche Hand bauen wollen - unter Beteiligung derselben Truppe, die schon beim Metropol und beim WCCB versagt hat… ich weiß nicht. Mir persönlich ist die Beethovenhalle als solche relativ egal. Aber ich habe kein Vertrauen in die handelnden Personen. Deswegen lieber erst beweisen, dass Ihr Eure Fehler in den Griff kriegt und dann was Neues machen! Bonn zu einem zweiten Salzburg zu machen, dafür bedarf es mehr als die Krämerseelen in Rat und Verwaltung!

  3. ilka sagt am 11. März 2010:

    Es wird Zeit, die Mär vom „Geschenk“ der Dax-Unternehmen, das die neue Festspielhalle darstellen soll, kritisch zu hinterfragen: Ein Geschenk ist eine selbstlose Gabe, mit der man dem Beschenkten etwas Gutes tun will, auf keinen Fall aber will man ihn belasten. Warum übernehmen dann die Dax-Unternehmen nicht sämtliche Folgekosten für die Festspielhalle für alle Zeit, sondern wälzen sie auf andere ab? Man mag einwenden: Mit dem Modell einer Stiftung, die für alle Kosten aufkommen soll, sind wir auf der sicheren Seite. Aber wenn das Stiftungskapital nicht ausreicht? Und wenn es (z.B. durch eine Wirtschaftskrise) unerwartet schrumpft, wie es zurzeit die Yale-University in USA dramatisch erfährt (FAZ,6.2.2010)? Dann bleibt die Stadt auf den Kosten sitzen. Ganz abgesehen davon, dass auch die Stiftung zum großen Teil aus Steuergeldern finanziert wird: Angesichts des „Sanierungsstaus“ für nahezu alle öffentliche Gebäude in Bonn, für deren Erhalt angeblich kein Geld da ist, muss ich mich wundern, wer den Mut hat, solche unüberschaubaren Kosten für die Zukunft zu übernehmen.

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