Die Einfahrt sollte nur mit grüner Plakette erlaubt sein

„Bonner Klima-Runde“ befürwortet Umweltzone in Bonn

30. Dezember 2009.

Die “Bonner Klima Runde”, ein Bündnis diverser Bonner Umwelt- und Verkehrs­ver­bände wie BUND, BUB, VCD sowie des Wissenschaftsladens Bonn begrüßt die Einrichtung einer Umweltzone in Bonn ab dem 1. Januar 2010.

Die Bonner Innenstadt einschließlich Beuel-Zentrum ist massiv mit Stickstoffdioxid belastet. Messungen der Stadt Bonn und des LANUV in den letzten Jahren ergaben Konzentrationen zwischen 45 und 66 µg/m3 Stickstoffdioxid an der Reuterstraße, dem Konrad-Adenauer-Platz, dem Bertha-von-Suttner-Platz, der Bornheimer Straße und dem Wittelsbacher Ring. Stickstoffdioxid ist ein hochgiftiges Gas. Nach dem Einatmen treten Schleimhautreizungen, Schwindel und Kopfschmerzen auf. Geringste aufgenommene Mengen können noch nach Tagen zu einem Lungenödem führen.

Berechnungen des Landes­amtes für Natur- und Umweltschutz NRW (LANUV) zeigen eindringlich die Notwendigkeit einer Umweltzone. Diese ergaben, dass an der Reuterstraße nur die Kombination von grüner Umweltzone, Sperrung für alle LKWs größer 3,5 Tonnen, Verflüssigung des Verkehrs und 1000 neuer Job-Tickets ausreicht, um den EU-Grenzwert von 40 µg/m3 für Stickstoffdioxid ab dem 1.1.2010 einzuhalten.

Auch wenn die Umweltzone allein nicht ausreichen wird, die Stickstoffdioxid-Konzentrationen in Bonn ausreichend zu reduzieren, plädiert die „Bonner Klima Runde” dafür, als effektive Sofortmaßnahme die Umweltzone für eine Übergangszeit von einem halben Jahr nur für Fahrzeuge mit grüner oder gelber Plakette frei zu geben und danach nur noch für solche mit grüner Plakette. Stattdessen hat der Kölner Regierungspräsident Peter Lindlar entschieden, dass auch Fahrzeuge mit roter Plakette die Bonner Umweltzone befahren dürfen. Dies ist in den Augen der Umweltverbände unverantwortlich.

Um langfristig eine deutliche Reduzierung der Schadstoff-Belastung der Bonner Innenstadt zu erreichen, haben die Umweltverbände verschiedene Konzepte zur Förderung des öffentlichen Nahverkehrs und Fahrradverkehrs sowie einer Reduzierung des Kfz-Verkehrs in der Innenstadt entwickelt. Diese beinhalten z.B. ein Ringbussystem, den Ausbau des Velo-City-Ringes, die Herausnahme des Kfz-Verkehrs vor dem Hauptbahnhof, ein City-Logistik-Konzept und eine massive Förderung von neuen Job-Tickets.

Andere Städte haben auf Grund der schadstoffsenkenden Wirkung der Umweltzonen die Einfahrverbote verschärft. So dürfen ab dem 1.1.2010 in Augsburg, Bremen, Frankfurt und Münster nur noch Fahrzeuge mit grüner oder gelber Plakette in die Innenstadt fahren, in Berlin und Hannover sogar nur solche mit grüner Plakette. An diesen Beispielen sollte sich Bonn als UN-Stadt des Klimaschutzes orientieren und ab dem 1.1.2010 eine gelb-grüne und dem 1.7.2010 eine grüne Umweltzone einrichten. Darüber hinaus sind eine Reihe weiterer verkehrspolitischer Maßnahmen notwendig, um die Gesundheit der Bonner Bürger/innen zu schützen.

  1. Peter Kanzow sagt:

    Die Umweltzone bedeutet eine Enteignung, und ich bin dafür, dass all die Befürworter der Umweltzone zusammenlegen, um die Geschädigten zu entschädigen. Denn Enteignungen sind nur bei angemessener Entschädigung zulässig.

    Ungerecht, teuer, unnütz – kurzum ein schlechtes Gesetz. DUH und ähnliche Organistaionen feiern den “Austausch des Fahrzeugbestands” als Erfolg, weil sich in Sachen Luftqualität kaum Verbesserungen nachweisen lassen.

    Ich wünsche dem ADAC alles Gute, und dass spätestens das Bundesverfassungsgericht dem Unsinn der Umweltzonen als Umsatzförderung ein Ende macht. Umweltzonen und Glühlampenverbot haben mich misstrauisch gemacht gegen die “Umwelt”bewegung und ihre Gesetze.

  2. Hildegard sagt:

    Lieber Heinz,

    das Neue Jahr hat gut angefangen. Die Umweltzone ist da! Du freust Dich darüber, aber warum nur so bescheiden?
    Die neue Ratsmehrheit will die Umweltzone wieder überflüssig machen. Das ist doch ein Ziel, das finde ich prima!

    Wie Du weißt, hat dies die CDU schon letztes Jahr bei den Beratungen zum Luftreinhalteplan mit ihrem Antrag versucht, leider ohne Erfolg. Das lag wohl an dem alten Koalitionspartner SPD, die den weisen Worten ihrer OB Dieckmann folgte (siehe Stadt Bonn Lärmminderungsplan): “Die Verzahnung der Stadtplanung ist z.B. dort erforderlich, wo es durch Lärmeinwirkung ( Schadstoffbelastung geht einher) zum sozialen oder wirtschaftlichen Niedergang eines Strassenzugs oder Stadtviertels kommen kann. Hohe Lärm-und Schadstoffbelastungen führen zu einem schlechten Image der Strasse und somit zu Lagenachteilen.”
    Was lernt ein Sozialdemokrat daraus?
    Dort, wo es Lagenachteile gibt, sind die Wohnungen billig und billiger Wohnraum in Bonn ist Mangelware. Also was tun, damit billiger Wohnraum erhalten bleibt?

    Für die Bornheimer Strasse hat man rasch eine Lösung gefunden. Das bestehende Autokundenparadies soll um eine weitere Attraktion, die Einkaufsmeile mit 12 000 Verkaufsfläche, bereichert werden. Da kann dann garantiert nichts mehr schief gehen, sogar dann nicht, wenn für diesen autokundenorientierten und fußläufig nur bedingt erreichbaren Standort die Aussagen des vom Vorhabenträger bezahlten Gutachters zum durchschnittlichen MIV-Anteil von 50% eintreffen sollten.
    Bin gespannt, was hier los sein wird, wenn in die überfüllten Busse und Bahnen die Kunden mit ihrem Baumaterial, ihren Blümchen, ihren Säcken Blumenerde und Ihren Getränkekisten einsteigen möchten.
    Fußläufig ist der Standort nur bedingt erreichbar, schreibt die Verwaltung. Vielleicht kommen die Kunden ja dann eher mit dem Fahrrad, weil das Fahrradfahren über die Bornheimer Strasse so viel Spaß macht?
    Dies könnte immerhin theoretisch möglich sein, oder?

    Und für den Fall, daß das alles nicht eintreffen sollte und die Schadstoffbelastungen die Grenzwerte entlang der gesamten Bornheimer Strasse dank des weiteren Ausbaus des Autokundenparadieses überschreiten sollten, empfiehlt die Verwaltung eine preiswerte Lösung, Haushaltsmittel sind schließlich knapp: Das Umweltzonenschild müsste dann vom Hochstadenring weiter nach außen (Ellerstrasse?) verpflanzt werden.

    Hat die Bonner Klima-Runde auch Maßnahmen nach §45 STVO für alle Strassenzüge mit Grenzwertüberschreitungen gefordert? In z.B. Berlin und Hannover gibt es auch an Hauptverkehrsstrassen Geschwindigkeitsbeschränkungen aus Lärmschutz-, bzw. Luftreinhaltegründen. Vielleicht ist Bonn mit der neuen Koalition auch für solche Maßnahmen mittlerweile reif? Die CDU hat ja verkehrslenkende und verkehrssteuernde Maßnahmen als wirkungsvolles Mittel in ihrem Antrag zum Luftreinhalteplan schon letztes Jahr beantragt und die Grünen werden sie da wohl nicht hindern?

    Zum Thema Förderung von neuen Job-Tickets ein kleines Beispiel.
    Der Bereich Bornheimer Strasse ist über die Linien 16/63, 18/68 und über mehrere Buslinien gut in das ÖPNV-Netz angebunden. Zu den Hauptverkehrszeiten ist man allerdings froh, einen bequemen Stehplatz zu ergattern. Dies war den armen Beamten des Eisenbahnbundesamtes noch zumutbar. Das dieser ÖPNV-
    Standard Mitarbeitern der Telekom nicht zumutbar ist, ist wiederum selbstverständlich. Deshalb wurde auf
    dem der Einkaufsmeile benachbarten Grundstück schnell noch ein großes Parkhaus errichtet. Laut Luftreinhalteplan wird besonderes Augenmerk beim Thema Job-Ticket auf die im ehemaligen Regierungsviertel ansässigen Unternehmen gelegt. Wem sollen die 10 000 Job-Tickets verkauft werden?
    Wie ernst wird das Thema tatsächlich in Bonn genommen?

  3. Peter Kanzow sagt:

    Es sind nicht nur die Busse, auch die Zuverlässigkeit der Linie 66 ist ein Witz. Aber es ist wie es immer ist: Wenn der Staat Druck auf den Autofahrer ausübt, sinkt auch die Qualität der Bahn, weil die Konkurrenz schwächer wird und man sich schwächere Performance “leisten” kann.

    Nur ein attraktiver Autoverkehr zwingt die Bahn, ebenfalls attraktiv zu sein, um sich um Kunden zu bemühen. Konkurrenz belebt auch hier das Geschäft.

  4. Hildegard sagt:

    @ Peter Kanzow

    Der Argumentation kann ich glatt folgen. Die Parkhäuser der Telekom sind im Bundesviertel gebaut,
    der Verkehr auf der Reuterstrasse wird verstetigt…. und es kommt der S-Bahnhaltepunkt Bundesviertel.

  5. benötigt sagt:

    “Der grünen Kapitalismus”

    Danke für die kleine Märchenstunde nach all dem ernsten Zeug über Umweltverschmutzung und politischen Klamauk. Aber jetzt möchte ich so gerne wissen wie es weiter geht, hat es auch so ein schönes happy end, wie bei Dornröschen, wo der Prinz kommt und sie wach küsst :) :) :)

    –Vorsicht Ironie–

  6. irritiertes Nordlicht sagt:

    @ benötigt:

    Ich weiß nicht, ob Hildegard gerne wach geküsst werden möchte und was benötigt denn benötigt.

    Die Märchenstunde geht jedenfalls weiter und sorgt für Unterhaltung. Gestern war für die Anlieger der Bornheimer Strasse nach einem halben Jahr Pause wieder große Märchenstunde in der BV Bonn.

    Großartig war die Leistung unseres Oberstadt-Juristen und SPD-Genossen Spoelgen, der ja nun leider keinen Kontakt zu dem Volk an der Bornheimer Strasse findet und deshalb auch nicht weiß, wer ihm alles zuhört.

    Unser Oberstadt-Genosse trug das Märchen vor, nur eine Person hat was gegen das schöne neue Einkaufsparadies an der Bornheimer Strasse und die ist auch noch störrisch und möchte einfach nicht begreifen, dass zusätzlicher Verkehr vor der Haustür eine Aufwertung ihrer Wohnqualität bedeutet…, dies
    obwohl er, der SPD-Genosse Spoelgen, dies doch schon letztes Jahr vor Weihnachten so verkündet hat.

    Leider hatte eine unerkannte Person keine Ausdauer gehabt und den SPD-Prinzen schon gestern wach geküsst.
    So ein Spielverderber!
    Nur weil die Person beleidigt war, dass immer nur von einer Person gesprochen wurde, die Bedenken hat, hat die Person doch glatt unsere Anzahl preisgegeben. So viel Eitelkeit!

    Was macht der wache Prinz Spoelgen nur?

    Morgen ist auch noch ein Tag. Schlaft gut!

  7. irritiertes Nordlicht sagt:

    Bonn wird doch zunehmend zum Operettendorf. Während leider nicht für Jederman hinter verschlossenen Türen die tragische WCCB-Oper gespielt wurde, läuft im kleinen Haus an der Bornheimer Allee eine hoch beachtete Ballettvorführung.

    Da hat der fachlich allerseits hoch geschätzte Herr Kregel noch nicht seine Koffer gepackt und schon übt sich die übrige hoch bezahlte Herrenriege des Verwaltungsvorstands im Männerballett.
    Pirouetten rückwärts sind jetzt angesagt, führt doch ein seriöser, ortsansässiger Investor, Herr Fassbender, im kleinen Haus an der Bornheimer Allee die Regie.

    Was bis vor Kurzem fachlich und rechtlich nicht zulässig war, wird plötzlich möglich. In Luftreinhalteplan, im
    Lärmminderungsplan, im Verkehrsentwicklungsplan kein Tempo 30 an Hauptverkehrsstrassen zur umwelt- und umfeldgerechten Verkehrsabwicklung, die alle nun wirklich parteiübergreifend und seit Jahren wollten.

    Liebe Umwelt- und Verkehrsverbände da staunt ihr, was alles möglich wird? Es kommt halt drauf an, wer die Regie führt.

    Vielleicht ist aber nur ein berühmter Fürst Schirmherr des Projekts “Tempo 30 auf der Bornheimer Allee”.

    Sollen die Anwohner durch eine schnell gebastelte potemkinische Lösung ruhig gestellt werden, eine Lösung, die nach Fertigstellung des Einkaufsparadieses schnell und kostengünstig wieder abgebaut werden kann?
    Fürst Potjomkin lässt grüssen.

  8. extrem gelangweilt sagt:

    Tempo 30 hat mit Umweltschutz nun wirklich nichts mehr zu tun, eher mit Autohass.

  9. irritiertes Nordlicht sagt:

    @ extrem gelangweilt:

    Tempo 30 hat nur mit Gesundheitsschutz und Unterhaltung etwas zu tun.

    Haben Sie schon Pirouetten in Tempo 30 mitverfolgen können?

    Da hat sich doch schon der eine oder andere auf die Nase gelegt.

  10. irritiertes Nordlicht sagt:

    Mit der neuen Gestaltungsmehrheit ist in Bonn Klimawandel angesagt.

    Wer hätte es geglaubt, jetzt ist es klar. Es lag wohl doch nur an der SPD, dass wir in Bonn nur einen bescheidenen Luftreinhalteplan in light-Version haben. Die SPD Genossen reden doch nur von umwelt- und umfeldgerechter Verkehrsabwicklung. Selbst in der Opposition lassen sie Worten keine Taten (Anträge) folgen.

    Kaum regiert die CDU mit den Grünen werden Märchen war.

    Die CDU und die Grünen setzen eine Verlängerung der Offenlage zum Lärmminderungsplan durch und wollen dann auch noch die vom Lärm betroffenen Bürger in Informationsveranstaltungen unterrichten. Nur dumm, dass die Verlängerung in die Ferienzeit fällt, dafür können die aber nichts. Die Offenlage wurde bekanntlich von der SPD geführten Stadtverwaltung terminiert.

    Die im Zusammenhang mit der Aufstellung des Luftreinhalteplans seitens der CDU beantragten Maßnahmen setzt diese jetzt eben, weil es bekanntlich mit der SPD nicht funktionierte, mit den Grünen um.
    Die Grünen und die CDU haben gemeinsam beantragt, für einen Abschnitt der hochbelasteten Bornheimer Strasse zur Verringerung der Schadstoffbelastung und Lärmminderung Tempo 30 einzuführen und den Strassenabschnitt entsprechend umzubauen. Man darf gespannt sein, was die SPD geführte Verwaltung dann wieder daraus macht.

    Über die neue gute Verbindung zwischen CDU und Grünen scheint die SPD deshalb ganz eifersüchtig zu wachen.
    Keile setzen scheint angesagt,kein Mittel für die SPD ausgeschlossen, um “Klimastörungen” zwischen den Partnern hervorzurufen.
    Beim Thema Kulturdezernent soll die SPD einen kleinen Achtungserfolg erzielt haben. Nur wenige sind auf das Vorgehen von OB Nimptsch reingefallen, weil er doch nur die bereits von Frau Dieckmann im Zusammenhang mit der Besetzung der Stelle des Stadtbaurats vor einigen Jahren angewandte unschöne Methode abgekupfert hat.

    Leise Töne statt viel Lärm sind angesagt.
    Was spricht dagegen, dass “grünes Gedankengut” im Verwaltungsvorstand zu Worte kommt?

  11. Bahnopfer sagt:

    Richtig gut wäre Tempo 30 für die Deutsche Bundesbahn in Wohngebieten, und garantierte Schrankenöffnungszeiten (wovon vor allem Fußgänger und Radfahrer profitieren würden!). Aber solange die Bahn als umweltfreundlich gilt, ist das wohl vergebliches Hoffen. Bahnlärm wäre mit Technik vermeidbar, die aber die Bahn nicht zahlen will. Und die Politik zwingt sie nicht dazu.

Konstruktive Kommentare bevorzugt

Bitte bleiben Sie beim Thema des zu kommentierenden Beitrags. Sie können anderer Meinung sein, aber vermeiden Sie persönliche Angriffe. Verwenden Sie einen eindeutigen Namen in den Kommentaren, so dass ersichtlich bleibt, wer hier mit wem diskutiert. Spam und Werbung sind im Kommentarbereich nicht erlaubt. Neben den Kommentaren besteht auch die Möglichkeit einen Artikel einzureichen, bitte wenden Sie sich dazu an: mein-artikel [at] rheinraum-online.de

Schlagworte: , , ,

Artikel zum gleichen Thema

Zum Artikelarchiv ...

Vorheriger Artikel:

Nächster Artikel:

Artikel RSS
Kommentare RSS
rhein:raum Twitter