Regionale 2010: Schmerzgrenze erreicht
2. Februar 2010.
Die Idee der Regionale 2010 war es, Natur und Kultur gleichermaßen durch öffentliche Landesgelder zu unterstützen. Das ist ein gutes und unterstützenswertes Anliegen, findet auch der BUND. Doch dass nun im Rhein-Sieg-Kreis mehr und mehr Projekte entstehen, die schonungslos einfach noch ein bisschen mehr Natur zerstören, passe in diese Philosophie eindeutig nicht. Der BUND geht daher nun mit seiner Kritik in die Öffentlichkeit, weil esunerträglich sei, dass mit den Fördergeldern nun weitere ruhige,ansehnliche und schützenswerte Ecken in der Natur zerstört würden. Besonders problematisch sei es, so der Sprecher des Naturschutzverbandes, Achim Baumgartner, dass der Kreis nach wie vor an einer neuen Siegbrücke bei Windeck-Schladern arbeite, mitten im Naturschutzgebiet. “Dem Vorhaben stehen konkrete Verbote aus der Schutzgebietsverordnung und aus dem Artenschutzrecht entgegen, die sind dafür da, beachtet und nicht ausgeschaltet zu werden!” Die Sachlage werde aber offenbar vom Kreis solange geprüft, bis endlich rund sei, was eigentlich eckig war. Das sei eine grandiose Verschwendung von Steuergeldern, da die Entwicklungsziele für die Sieg seit Jahrzehnten bestimmt seien. Sie heißen: mehr Wasservogelschutz, mehr Angelverbotszonen, mehr Ruhezonen, kurzum mehr Naturschutz und deutlich weniger Störungen am Gewässer. Dem arbeite der Kreis mit seinen Brückenplänen diametral entgegen. Das sei bedauerlich, da der BUND in dem Verfahren zum Siegtalradweg sehr viel Kooperationsbereitschaft gezeigt habe, die nun aber schamlos ausgenutzt werden würde. Man werde sich hinsichtlich der Zusammenarbeit neu positionieren müssen und offenbar wieder verstärkt die rein formalen Argumente darstellen müssen, so der Kreisgruppensprecher.
Bedauern lösen aber auch andere Projekte der Regionale bei den Naturschützern aus. So sei es nach wie vor nicht darstellbar, weshalb der Kreis und die Kommunen im Projekt des Grünen C daran festhielten, in die freien Landschaft gärtnerische Baumsorten und standortfremde Gehölzen einzubringen. Seit Jahren arbeite man europaweit daran, die Biodiversität heimischer Gehölze besser zu schützen und längst sei dies auch im Bundesnaturschutzgesetz gesetzlich verankert. Beim Kreis und den Kommunen komme so etwas offenbar gar nicht an, wundert sich Baumgartner über so viel Beharrungsvermögen. Nicht zuletzt sei es unsinnig, die Landschaft mit immer neuen Möbeln auszustatten, der letzte Schrei sind nun in Alfter Aussichtspunkte in Gestalt von Jagdkanzeln, wenn daneben Gewerbeflächen und neue Straßen errichtet werden würden. Die Menschen brauchen wie die Natur Ruhe und erlebbare Landschaft, keinen Asphalt und keinen Schnickschack – eine bequeme Bank und ein Gewerbegebiet weniger reichen für die Naherholung meist aus.
