7. Februar 2010.

Im Juni 2007 fasste der Rat der Stadt Bonn den Grundsatzbeschluss zum Projekt Festspielhaus Beethoven. Der sieht vor, Gespräche und Verhandlungen über das Projekt mit den drei Sponsoren Post, Telekom und Postbank zu führen und die Errichtung eines neuen Konzerthauses in Bonn vorzubereiten. Seitdem sind zweieinhalb Jahre vergangen, ohne dass wesentliche Frage geklärt worden sind, die mit dem Projekt zusammenhängen. Es gibt zwar zwei von den Sponsoren ausgewählte Architekturentwürfe, aber alle anderen Fragen, die mit dem Projekt zusammenhängen, sind bis heute unbeantwortet. Dazu zählt der Standort des Hauses, das Programm und die Finanzierung.

In diesem Beitrag geht es um die Finanzierung. Es wird dargestellt, welche Zahlen zu den Kosten des Projektes vorliegen. Im Gegensatz zur bestehenden und in ihren Kosten überschaubaren Beethovenhalle handelt es sich bei dem Festspielhaus um ein Projekt, das erst noch realisiert werden soll. Alle Zahlen, die zu den Baukosten und zu den voraussichtlichen Betriebskosten des neuen Hauses genannt werden, sind Schätzungen der Sponsoren und mit Vorsicht zu genießen. Die Zahlen markieren den unteren Rand der zu erwartenden Kosten, die auf die Bauherren und die Stadt zukommen. Zum Vergleich werden in einem zweiten Abschnitt des Beitrages die Kosten der Beethovenhalle dargestellt, so dass ein Vergleich zwischen den voraussichtlichen Kosten des Festspielhaus und den Kosten der Beethovenhalle möglich ist.

Baukosten des geplanten Festspielhauses

Ursprünglich sollte – so die drei Sponsoren Post, Telekom und Postbank – der Bau des geplanten Hauses 75 Mio. Euro kosten. Mittlerweile – nach der Entscheidung für die beiden verbliebenen Entwürfe – ist von 100 Mio. Euro die Rede. Zur „Absicherung der Kostenschätzungen“ kündigte die Post Ende November 2009 ein Auswahlverfahren von Generalunternehmen an. Zwei sollten ausgewählt und beauftragt werden, eine „marktbasierte Kostenschätzung“ der überarbeiteten Entwürfe von Zaha Hadid und Hermann&Valentiny bis Anfang Februar 2010 zu erarbeiten.

Wer die absehbaren zusätzlichen finanziellen Mittel aufbringen soll, die über die 75 Mio. Euro hinausgehen, ist nicht bekannt. Man wolle sich um weitere Sponsoren kümmern, erklärten Vertreter der Post. Wer die Kosten übernimmt, wenn denn der Bau die vorgesehenen Kosten übersteigt, ist ebenfalls unklar.

Die Stadt würde dann, wenn die Absicht der Sponsoren umgesetzt wird, die Beethovenhalle abzureißen und an ihrer Stelle ein neues Haus zu bauen, das Grundstück und die „Aufbauten“ im Wert von ca. 14 Mio. Euro in das Projekt einbringen. Einen materiellen Gegenwert erhielte sie nicht: Besitzer des neuen Hauses soll nicht sie werden, sondern eine von den Sponsoren gegründete Objektgesellschaft.

Steuerverluste

Wie hoch die Steuerverluste sind, die der Stadt Bonn durch den Bau des neuen Hauses entstehen, ist bisher nicht berechnet worden. Die Sponsoren werden die Baukosten absehbar als steuermindernde Betriebskosten absetzen.

Betriebskosten

Bis heute gibt es keinen „Businessplan“, den 2008 der von den Sponsoren beauftragte Karsten Witt erstellen sollte. Im Verlauf des Jahres 2009 wollte den Plan ein „Arbeitskreis Programm und Budget“ unter der Leitung von NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff erarbeiten. Ergebnisse von diesem Arbeitskreis liegen ebenfalls nicht vor. Was es seit Dezember 2008 gibt, ist ein von Karsten Witt erarbeitetes „Konzept für das Festspielhaus Beethoven in Bonn“. Dem sind die Zahlen (s. Kasten) hinsichtlich prognostizierter Ausgaben und Einnahmen des geplanten Hauses entnommen.

Bei allen Beträgen, die Witt auflistet, sowohl auf der Einnahmen- wie auch auf der Ausgabenseite, handelt es sich um Schätzungen. Mehr oder weniger fest steht nur der Posten „Erträge aus dem Stiftungskapital“ ( 2 Mio. Euro) – wenn denn die zugesagten 47 Mio. Euro in die Stiftung eingezahlt werden. Selbst die vom Land NRW versprochenen Zuschüsse (Posten: „Land NRW, Programmzuschuss“ 1 Mio. Euro) stehen unter dem Vorbehalt, dass das Land die jedes Jahr neu beschließt.

Wichtig für die Bonner ist der Posten „Stadt Bonn, Zuschuss“ auf der Einnahmenseite. Dieser Posten lässt sich nur sehr ungenau voraussagen. Karsten Witt veranschlagt jährliche Betriebskostenzuschüsse in Höhe von 3,8 Mio. Euro. Anfang 2010 erhöhte Witt diese Zahl noch einmal. Nun spricht er von jährlich 4,7 Mio. Euro städtischen Zuschüssen. Das ist insofern logisch, weil ein Objekt, das nicht 75 Mio. Euro sondern 100 Mio. Euro kostet, auch höhere Kosten bei der Bauunterhaltung verlangt.

Wie kommt die Summe zustande? Von der Stadt wird bei der derzeitigen Konstruktion der Verantwortlichkeiten erwartet, vorhandene finanzielle Lücken beim Betrieb des geplanten Hauses zu schließen. Die 3,8 Mio. Euro in Witts „Konzept“ ist der Betrag, der für die ausgeglichene Bilanz des Hauses nötig ist. Entsprechend wird sich dieser Betrag verringern bei höheren Einnahmen, aber eben auch erhöhen, wenn die Einnahmen niedriger als prognostiziert ausfallen.

Kosten der Beethovenhalle

Bis 2007 gab es eine weitgehende Transparenz im Hinblick auf die Geschäfte der Beethovenhalle. Diese Transparenz ist aus verschiedenen Gründen seitdem nicht mehr in diesem Maße gegeben. Entscheidender Faktor dafür ist, dass für den Betrieb der Beethovenhalle seit 2008 die Firma zuständig war, die auch das WCCB betrieb: erst die SMI Hyundai Management GmbH, dann die WCCB Management GmbH. Für die Stadt war seitdem keine Kontrolle über Einnahmen und Ausgaben der einzelnen von dieser Firma betriebenen Veranstaltungsorte mehr möglich. Den letzten Jahresbericht über die Beethovenhalle an den Rat der Stadt Bonn gab es für das Jahr 2007.

Wert der Halle

„Bezüglich der bilanziellen Folgen“, so die Verwaltung in einer Vorlage für den Stadtrat im Dezember 2008, „wurde folgendes veranlasst: Auf der Aktivseite der städtischen Eröffnungsbilanz wurden für die Aufbauten der Beethovenhalle, die die Veranstaltungshalle, Verwaltungsgebäude, Anbau Beethovenhalle und Außenanlagen umfassen, insgesamt 14,4 Mio. € aktiviert.“ Diese Wertangabe war Bestandteil der Begründung dafür, dass der Rat für den Fall der Übertragung des Beethovenhallengrundstücks auf eine Objektgesellschaft der Sponsoren im Rahmen der Realisierung des Festspielhausprojektes in der Erbbaurechtsvereinbarung „auf eine vertraglich fixierte Bauverpflichtung verzichtet“. Der Rat stimmte der Vorlage am 18.12.2008 „mehrheitlich“ – gegen die Stimmen der Grünen und zweier unabhängiger Ratsmitglieder – zu.

Betriebskosten

Nachdem die Stadt Bonn den Betrieb der Halle in die Hände eines externen Betreibers übergeben hatte, erhielt der einen jährlichen Betriebskostenzuschuss. Betreiber war von 2005 bis 2007 die Gegenbauer Location Management GmbH, danach die SMI Hyundai Management GmbH und 2009 die WCCB Management GmbH, seit 2008 also die Firma, die für den Betrieb des WCCB zuständig war. Der Betriebskostenzuschuss war 2005 am höchsten und betrug 220.000 Euro. Er sank dann von 100.000 Euro in den Jahren 2006 und 2007 auf 50.000 Euro in den folgenden Jahren.

Zu dem Betriebskostenzuschuss an die Betreiberfirmen kommen die Personalkosten und die Personalersatzleistungen, die für das Personal der Beethovenhalle seitens der Stadt gezahlt werden. Das sind Leistungen in Höhe von ca. 700.000 Euro. Zusammen ergeben sich dementsprechend in den letzten drei Jahren Kosten für den Betrieb der Beethovenhalle in Höhe von rund 800.000 Euro.

Modernisierung („Plan C“)

Es geistert seit einiger Zeit die Zahl von 20 Mio. Euro herum, die ein Umbau oder eine Modernisierung der Beethovenhalle kosten würde. Die Zahl wurde von Herrn Eisel, dem ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten, einem entschiedenen Abrissbefürworter, verbreitet. Eine seriöse Schätzung – z.B. von Seiten der Stadt – gibt es nicht. Was der Stadt vorliegt, ist das Akustik-Gutachten der Firma Graner&Partner und die daraus folgende Kostenschätzung aus dem Jahr 2005. Dieses Gutachten wurde eingeholt, weil in diesem Jahr eine Reihe von „Optimierungsmaßnahmen“ vorgesehen waren, die aber alle nicht durchgeführt wurden – auch nicht die Optimierungsmaßnahmen im Hinblick auf die Akustik.

Letztlich werden die Kosten für eine Modernisierung der Beethovenhalle – ein „Plan C“ – davon abhängen, was die Bonner wollen. Die Londoner standen vor ein paar Jahren mit ihrer Royal Festival Hall vor derselben Frage. Sie haben sich die Modernisierung der Halle 115 Mio. Euro kosten lassen. Irgendwo zwischen 400.000 Euro und 115 Mio. Euro wird sich der Betrag für die Beethovenhalle belaufen. Eine weite Spanne. Angesichts der prekären Haushaltslage, in der sich die Stadt Bonn befindet, dürfte der Betrag eher in Richtung 400.000 Euro gehen – wenn denn der Abrissplan der Sponsoren verhindert wird.

Foto: Zaha Hadid Architects/montage rhein:raum

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