18. März 2010.

MediNetzBonn e.V. erhält den Oscar-Romero-Preis 2010. Seit mehr als sechs Jahren vermittelt die kleine Bonner Initiative Menschen ohne Papiere an Ärzte, Therapeuten, Hebammen und Krankenhäuser. Dabei handelt es sich um Menschen, die keinen Zugang zu einer gesundheitlichen Versorgung haben, da sie in Deutschland als „Illegale“ gelten. MediNetzBonn hat ein heilberufliches Netz für eine kostenlose und anonyme medizinische, psychologische und zahnmedizinische Behandlung für Flüchtlinge ohne Papiere oder mit unsicherem Aufenthaltsstatus aufgebaut, das versucht die Menschen im Krankheitsfall aufzufangen.

Bisher konnte MediNetzBonn ca. 2.600 Mal vermittelnd tätig werden. Die Zahl der tatsächlichen Behandlungen liegt wahrscheinlich noch höher, da Folgebehandlungen, Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen sowie regelmäßige Sitzungen bei einer Psychotherapie sich oft über Wochen oder Monate erstrecken. Möglich wird dies durch ein Netz von rund 70 ärztlichen Praxen unterschiedlichster Fachrichtungen, sechs psychologischen Therapeuten, sechs Hebammen, eine Heilpraktikerin und eine Logopädin. Außerdem arbeiten fünf Krankenhäuser und fünf Labore mit MediNetzBonn zusammen.

Alle beteiligten Heilberufler arbeiten unentgeltlich. Dennoch entstehen z.T. erhebliche Kosten für aufwändige Diagnostik oder Medikamente, die die PatientInnen nicht selber bezahlen können, für Krankenhausaufenthalte, Operationen, die Betreuung von Geburten, Impfungen für Kinder etc. Diese werden ausschließlich aus Spendengeldern finanziert.

Ausgehend von der Überzeugung, dass Menschenrechte wie die auf Gesundheit, Schulbildung für Kinder, gerechten Arbeitslohn etc. auch für Menschen ohne gültigen Aufenthaltstitel zu gelten haben, weil sie über Fragen des Aufenthaltsrechtes stehen, beschränkt sich MediNetzBonn nicht auf die Beratungs- und Vermittlungstätigkeit, sondern versucht durch politische Arbeit eine breitere Öffentlichkeit für diese Problematik zu schaffen.
Mit dem Oscar-Romero-Preis zeichnet der Förderverein des Bonner Oscar-Romero-Hauses Einzelpersonen und Initiativen aus dem Köln-Bonner Raum aus, die sich in überzeugender Weise für Ausgegrenzte und Entrechtete einsetzen. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert und wird in unregelmäßigen Abständen vergeben. Sein Namensgeber Oscar A. Romero, 1977 bis 1980 Erzbischof von San Salvador, bezahlte sein Engagement für an den Rand gedrängte und unterdrückte Menschen in seinem Heimatland mit dem Leben: Er wurde im März 1980 von einem Militärkommando am Altar erschossen.

Die Preisverleihung an MediNetzBonn findet am Mittwoch, 24. März, um 19.30 Uhr im Saal der Stiftspfarrei in Bonn, Kasernentr. 60,  statt. (siehe auch Termine)  Sie steht im Rahmen der „Bonner Romero-Tage“, die ein Bündnis von Bonner Gruppen und Initiativen aus Anlass des 30. Todestages von Oscar Romero veranstaltet.

Nähere Informationen zu MediNetzBonn e.V. unter www.medinetzbonn.de; zum Bonner Oscar-Romero-Haus unter www.oscar-romero-haus.de

(Presse)Kontakt: Michael Steiner, Tel. 0228/935 9077, eMail: steiner-bonn[at]t-online.de

Foto: Karl-Heinz Hick/JOKER

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