Ein Schiff wird kommen

Einsatzgruppenversorger „Bonn“

12. Mai 2010.

„Bonn“ soll das neueste deutsche Kriegsschiff heißen. Der Einsatzgruppenversorger (EGV) der Bundesmarine soll die logistische und medizinische Einsatzfähigkeit der Flotte auf allen Meeren dieser Welt gewährleisten. Im Dezember 2008 genehmigte der Haushaltsausschuss des Bundestages 350 Mio Euro für den Neubau einer dritten Ausführung des größten Kriegsschiffs der Bundeswehr. Länge: 174 m, Breite: 24 m, geplanter Stapellauf 2011.

Vorangegangen war ein persönliches Engagement des ehemaligen Bonner CDU – Bundestagsabgeordneten Stephan Eisel, der sich letztes Jahr beim damaligen Verteidigungsminister Franz Joseph Jung (CDU) für die Namenspatenschaft stark machte: „Bonn hat als erster Sitz des Verteidigungsministeriums einen besonderen Bezug zur Bundeswehr,“ die Namensgebung sei ein geeignetes Geschenk zu den Feierlichkeiten des 60jährigen Geburtstags des in Bonn erarbeiteten Grundgesetzes.

Ähnlich scheint dies die SPD zu sehen, deren ehemalige Bonner Bürgermeisterein Bärbel Dieckmann 2009 das Engagement unterstütze. Andere Lokalpolitiker und Friedensaktivisten üben jedoch Kritik „Wider die demokratischen Grundsätze,“ moniert die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken in Bonner Rat, Hannelore Tölke, denn dieses Angebot wäre weder im Stadtrat, noch in der Bonner Öffentlichkeit diskutiert worden.

„Die Patenschaft für ein Kriegsschiff steht der Uno-Stadt Bonn schlecht zu Gesicht,“ urteilt Paul Schäfer, abrüstungspolitischer Sprecher der Linken Bundestgsfraktion und Bundestagsbeauftragter für den Wahlkreis Bonn. Der EVG sei zur Verteidigung der Deutschen Küsten völlig unnötig und verstoße gegen Geist und Gedanken der UN-Charta.

Nachdem die beiden bereits im Einsatz stehenden EVGs „Berlin“ und „Frankfurt am Main“ getauft wurden, soll nun auch das dritte Schiff den Namen einer Stadt tragen, die ein gesamtdeutsches Parlament beherbergte: Bonn. Doch es ist tatsächlich ein Spagat, den die Stadt bewältigen muss:

Vor inzwischen mehr als 60 Jahren wurde in Bonn ein Grundgesetz geschaffen, in dem „von der Bundeswehr noch keine Rede war,“ bemerkt Uli Mercker vom Friedensbündnis Bonn richtig. Tatsächlich ist es ein Grundgesetz, das weltweit für seinen verteidigungsbetonten Charakter als ein Fortschritt weltweiter Verfassungsgeschichte gewertet wird. Fokus: Menschenwürde, Freiheit, Friedensorientierung.

Die aktuelle Neuorientierung von Bundeswehr und Marine rudert jedoch in eine andere Richtung, wie bereits im Weißbuch 2006 zur Sicherheitspolitik Deutschlands nachzulesen ist: „Deutschland, dessen wirtschaftlicher Wohlstand vom Zugang zu Rohstoffen, Waren und Ideen abhängt, hat ein elementares Interesse an […] freien Transportwegen.“

Es geht um die Wirtschaft, Einfluss, außenpolitische Macht. Die offizielle UNO-Stadt Bonn und Geburtsort des Grundgesetzes mittendrin.

Die Richtung scheint also klar, die Segel gesetzt, doch „ein fahler Beigeschmack bleibt und sollte auch gerade in einer Stadt wie Bonn bleiben, wenn der Einsatztruppenversorger „Bonn“ im Golf von Aden oder vor der Küste von Somalia die Einsatzdauer der piratenjagenden Kampfverbände um über das doppelte verlängert“, verlautete es aus dem Büro des Netzwerk Friedenskooperative in Bonn.

Foto: Vorgängermodell "Berlin" (KuK/wikipedia)

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