26. Mai 2010.
Einige aufmerksame Bonner fragen sich seit einiger Zeit, wo denn die Plastik “Phoenix aus der Asche” geblieben ist, die jahrzehntelang am Eingang des Alten Bundestagshochhauses angebracht war. Der frühere Eingangsbereich ist inzwischen komplett abgerissen worden, an der Stelle des Kunstwerks klafft jetzt ein riesiges Loch.
Diese Wandarbeit von Odo Tattenpach symbolisierte wie kein anderes Kunstwerk den politischen Wiederanfang in Deutschland. Damit wurde dem von den Nazis verfemten Künstler nach dem 2. Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland große Ehre zuteil. Für den Eingangsbereich des Bundeshauses schuf Tattenpach einen sich aus der Asche erhebenden Phönix, dem die Bundesrepublik Deutschland 1974 eine Sonderpostkarte „25 Jahre Grundgesetz” widmete mit den Namen der Väter des Grundgesetzes auf der Vorderseite.
Man kann nur hoffen, daß das Kunstwerk nicht zerstört worden ist wie die berühmte Villa Dahm oder die römischen Funde, die man auf dem WCCB-Gelände vernichtet hat. Allen Beteiligten am Umbau des Bundeshauses sollte daran gelegen sein, jeden Schritt der Bauarbeiten offensiv zu kommunizieren. Denn bisher hat sich das zukünftige UN-Gebäude keineswegs zum Symphatieträger entwickelt. Zu groß ist bisher die Verärgerung der Bonner über die Sperrung der Hermann-Ehlers-Straße zum Rhein hin und die völlig unnötige Fällung von Dutzenden von Bäumen rund um das Gebäude.
Foto: Norbert Volpert

In Bonn kann man wirklich den Eindruck gewinnen, dass selbst die 100 Augen des Argus für die Denkmalschützer nicht ausreichen würden.
Nein, sie reichen nicht. In Bonn herrscht Investorenstimmung. Was dabei rauskommt, ist unerheblich.
Die Umwandlung des Metropols verschafft keinem Bürger neue Einkaufsmöglichkeiten, aber nimmt ihnen ein historisches Theater, das es so nicht noch einmal in Deutschland gibt – da muss man schon nach London fahren, das ist aber auch eine Kulturstadt.
Das wunderschöne Siemenshaus wird abgerissen, obwohl das Geld für das Haus der Bildung nicht da ist und auch nicht da sein wird. Meine Prognose: Eine Baulücke, die in ein paar Jahren von einem hässlichen Kaufhaus geschlossen werden wird, worüber sich wieder ein paar “Investoren” freuen können.
Der Ersatz der Villa Dahm durch ein monströs hässliches WCCB ist auch ohne Finanzprobleme ein Skandal. Das Ding ist sogar gegenüber dem Langen Eugen ein Rückschritt.
Und jetzt das Viktoriabad, lichtdurchflutet und gut besucht, aber – es steht dem “Viktoriakarree” im Weg. Wir brauchen aber keine neuen Klamottenläden, sondern zur Erhaltung der Gesundheit sind gerade in einer älter werdenden Bevölkerung alle Sportstätten immens wichtig.
Bonn ist eine miserabel bis kriminell verwaltete Stadt. Das liegt aber auch an zu vielen Bürgern, die wie Schafe sich ihre Metzger selber wählen.
@ Norbert Volpert:
Vielleicht ist Phönix ganz nah am Paradies, dem von August Macke und Franc Marc. Die Münsteraner haben bekanntlich gerne Kunstgegenstände angenommen, die den Bonnern nicht gut genug waren.
Vielleicht bringt uns Phönix ja auch eines Tages das Paradies zurück.
Vielleicht lassen Sie Ihre Detektive in Münster suchen?