3. Juni 2010.

Vor 100 Jahren ist August Macke als junger Künstler an die Bornheimer Strasse gezogen. Inmitten einer lebendigen Vorstadt wurde sein Haus rasch zur Drehscheibe des rheinischen Expressionismus, einem Treffpunkt von Künstlern und Intellektuellen aus dem In- und Ausland. Und heute?

Seit Jahren wartet das August-Macke-Haus auf die für seine Zukunft dringend gebotene Erweiterung. Baupläne schlummern in den Schubladen, denn die Stadt Bonn zeigt dem Projekt bislang die kalte Schulter.

August-Macke, einer der berühmtesten Expressionisten Deutschlands, fristet in Bonn ein Schattendasein. Auf dem Alten Friedhof ist das Ehrengrab für August Macke nicht ein Mal einer Erwähnung auf der Übersichtstafel wert. Selbst Wegweiser aus der Innenstadt zum August Macke Haus fehlen. Die Bonner Kulturverantwortlichen scheinen alles (Geld) auf eine Karte zu setzen und die heißt Beethoven, die Marke für Bonn, das Festspielhaus…..

Nicht anders geht es dem Viertel. Welch ein krasser Kontrast zwischen der heiteren, lebendigen Vorstadt, die August Macke in seinen Bildern eingefangenen hat, und der gegenwärtigen stadträumlichen Situation! Seit nunmehr 20 Jahren warten die Anwohner der Bornheimer Strasse auf die im Zusammenhang mit dem Bau des Nordzubringers versprochene städtebauliche Aufwertung ihrer Strasse und ihres Viertels. Tatsächlich sind in Bonn reichlich Gelder für städtebauliche Aufwertungsmaßnahmen geflossen, auch in die Nordstadt nur nicht hierhin.

Das August-Macke-Viertel ist ein von Seiten der Stadtverantwortlichen vergessenes und vernachlässigtes Viertel in Randlage zur City, zur Nordstadt zum Gewerbegebiet, zerschnitten durch gleich mehrere Hauptverkehrsstrassen, ein Viertel, das von den Bonnern in erster Linie aus der Autofahrerperspektive wahrgenommen wird. Wohl deshalb können die Kulturverantwortlichen dieser Stadt über die Verwahrlosung des Grundstückes neben dem August Macke Haus seit Jahren so leicht hinweggesehen.

Die Bornheimer Strasse, das städtebauliche Rückgrat unseres Viertels, ist zum Synonym für Dauerstaus, hohe Lärmbelastung und Luftverunreinigung geworden, ein öffentlicher Raum, den man meidet (wenn man kann), kein geeigneter Raum zur Kommunikation, laut und nicht schön.

Und dennoch. Wir wohnen gerne hier. Das Viertel hat vieles zu bieten, das es andernorts so nicht gibt: gründerzeitliche Fassaden, idyllische Innenhöfe, eine gute Infrastruktur und vor allem eins, reichlich Kultur: das August-Macke-Haus, das Kunstforum mit Bonner Kunstverein und gkg, Kult 41, Galerien und Freiberufler aus dem Kreativbereich, Kreuzung an St. Helena, dem Dialograum für christlichen Kult und zeitgenössische Kultur und seit neustem auch das Frankenbad, nicht mehr nur ein Bad, sondern auch ein Veranstaltungsort mit Kino etc.

Worauf wir besonders stolz sind, ist, dass August Macke in unserem Viertel gelebt und gearbeitet hat und in mehr als 100 Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen Szenen aus dem näheren Umfeld seines Wohn- und Atelierhauses wiedergegeben hat: die Bornheimer Strasse, die Viktoriabrücke, die Marienkirche und  das gründerzeitliche noch erhaltene Bauensemble der Fabrikantenfamilie Gerhardt mit dem leider nicht mehr vorhandenen herrlichen parkartig angelegten Garten.

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Blick aus Mackes Atelier auf die Bonner Nordstadt mit Marienkirche (1911)

Die Stadt Bonn hat mit dem August Macke Haus, dem einzigen authentischen Künstlerhaus eines international renommierten Künstlers in NRW, seinen die Umgebung des Hauses darstellenden Werken und einer Vielzahl im Strassenbild leicht wiedererkennbarer Motive in direkter Nachbarschaft zum Museum einen ganz besonderen kulturhistorischen Schatz geerbt. Die Werke August Mackes veranschaulichen nicht nur seine künstlerische Entwicklung, sie sind zugleich auch Zeugnis der baulichen Stadt(teil)entwicklung.

Die Initiative August Macke Viertel möchte einen Beitrag zur Pflege dieser ganz besonderen kulturhistorischen und stadträumlichen Situation leisten.

1. Wir möchten, dass das gesamte gründerzeitliche Bauensemble auf dem ehemaligen Areal der Industriellenfamilie Gerhardt bestehend aus dem ehemaligen Wohn- und Fabrikgebäude und dem Wohn- und Atelierhaus von August Macke wegen seiner kulturhistorischen und stadtentwicklungsgeschichtlichen Bedeutung erhalten bleibt und der Garten, soweit möglich, wieder hergestellt wird.

2. Wir möchten, dass die Stadt Bonn das August Macke Haus bei der geplanten Erweiterung des Museums unterstützt.

3. Wir möchten, dass ein August Macke Spazierweg von Motiv zu Motiv  als “Museum unter freiem Himmel” im Viertel angelegt wird,  um das Werk von August Macke einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

4. Wir möchten, dass August Macke durch Anlage eines August Macke Rondells vor dem Museum und einer an ihn erinnernden Skulptur in der Platzmitte geehrt wird. Die Skulptur, eine Landmarke im Stadtraum!

5. Wir möchten, dass die Bornheimer Strasse zur Bornheimer Allee ungestaltet wird, einem Strassenraum, der wieder zum Aufenthalt und zur Kommunikation einlädt und durch den die Gäste des August Macke Hauses gerne den kurzen Weg vom Alten Friedhof(Ehrengrab von August Macke) zum Museum zurücklegen.

6. Wir möchten, dass das August Macke Viertel anknüpfend an seine Geschichte in seiner Funktion als Ort der Auseinandersetzung mit aktuellen künstlerischen Positionen und Fragen der Stadtgestalt gestärkt wird.

Ein August Macke Viertel würde nicht nur die Bonner Kulturlandschaft, sondern die der gesamten Region bereichern. Bonn könnte sicherlich als Un-Standort und Kongressstadt ein weiteres kulturelles Standbein neben Beethoven vertragen. Das Erbe von August Macke dürfte das notwendige Potential bieten. Ein Blick auf die UN- Stadt Bern mit dem Zentrum Paul Klee, einem Museum mit internationaler Strahlkraft, zeigt was möglich sein könnte.

Die Intiative Macke-Viertel wird am Sonntag, den 6. Juni beim Fest der Kulturen vor dem Frankenbad mit einem Stand vertreten sein und freut sich über regen Besuch von interessierten Menschen und vielleicht sogar neuen Mitstreitern.

Foto: Quelle Wikipedia

  1. Viktoriabad sagt:

    Und wer bezahlt das?

  2. Hildegard Kinzel sagt:

    @ Viktoriabad

    Es freut mich, dass Sie unsere Ziele nicht grundsätzlich anzweifeln, sondern auf mögliche Umsetzungsschwierigkeiten wegen der finanziellen Situation der Stadt Bonn hinweisen.
    Diese ist uns bekannt.

    Wir werden daher versuchen, manches ggf. über Sponsoren möglich zu machen z.B. Punkt 3, den August Macke Spazierweg. Hierfür haben wir bereits einen entsprechenden Bürgerantrag vorbereitet, den Sie an unserem Stand einsehen und mitunterschreiben können.

    Über Ihren Besuch am Sonntag während des Festes der Kulturen würden wir uns sehr freuen.

  3. Rainer Bohnet sagt:

    Ich würde mich Ihn gerne gelegentlich besprechen, um abschätzen zu können, wie ich Sie verkehrspolitisch unterstützen kann. Ich bin Vorstandsmitglied des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) (Kontakt über: rainer.bohnet@rse-bonn.de).

  4. Hildegard Kinzel sagt:

    @ Rainer Bohnet:

    Vielen Dank für Ihr freundliches Angebot, das wir gerne annehmen werden.

    Das Verkehrsthema Bornheimer Strasse ist eine unerfreuliche Geschichte. Nachdem die Fördergelder des Landes für den Bau des Nordzubringers geflossen sind, hat die Stadt Bonn die übrigen Bestandteile dieses Verkehrskonzepts “vergessen” umzusetzen. Ein Blick in die Begründung zum Bebauungsplan 7623-14
    macht es deutlich: “Der gesamte Durchgangsverkehr in der Nordstadt soll durch Bau- und Verkehrslenkungsmaßnahmen auf den Nordzubringer umgeleitet werden.”

    Wie lange müssen wir noch warten?

  5. Gigi sagt:

    Liebe Frau Kinzel, wie kann ich mit Ihnen und anderen Mitstreitern in Kontakt treten? Ich recherchiere gerade in der Sache und hätte gerne ein paar Fragen beantwortet. Herzliche Grüße Gigi

  6. irritiertes Nordlicht sagt:

    Schlägt die SPD im Umgang mit der Bauverwaltung neue Töne an? Wird die Leistung des Wingenfeld-Dezernates nun objektiver betrachtet?

    Der Fraktionsvorsitzende Klein übt öffentlich Kritik an der Informationspolitik des Baudezernates!
    (Gärtnerei Dransdorf, sein Wahlbezirk) Anlaß zu einer deutlichen Kritik an der Informationspolitik des Wingenfeld-Dezernates gab es im letzten Jahr mehr als ein Mal. Doch da schwieg die SPD, warum?

    Die Hinweise, dass der Bauordnungsamtsleiter Dormagen den Unterausschuß Bauplanung falsch informierte, indem er die seinem Amt zum Zeitpunkt der Sitzung bereits vorliegenden planungsrechtlichen Bedenken der Aufsichtsbehörde zu einer erteilten Baugenehmigung zurückgehalten hat, wurden von der SPD nicht nur ignoriert, sondern auch noch versucht, Herrn Dormagen hierzu eine Stellungnahme in der öffentlichen Sitzung der Bezirksvertretung Bonn bei dem entsprechenden Tagesordnungspunkt zu ersparen. Nicht nur Herr Hospes (CDU), auch der SPD-Bezirksbürgermeister Kollig machten deutlich, dass man in der interfraktionellen Vorbesprechung zur Sitzung vereinbart hatte, die Verwaltung hätte im Unterausschuß Bauplanung bereits ausreichend informiert.
    Na ja, manchmal reichen offenbar auch falsche Infos, wenn es denn für einen guten Zweck ist. Der Rheinländer ist bekanntlich großzügig.

    In diesem Fall ging es auch nur um eine städtebaulich und kulturgeschichtlich aus Sicht der Bauverwaltung wohl völlig unbedeutende Stelle, die Umgebung der Wirkungsstätte von August Macke!

    Die Bebauungsplanfestsetzungen schützen zwar das gesamte historische Bauensemble und auch die Blutbuche. Um dem Investor eine bessere Ausnützung des Grundstücks zu ermöglichen, setzt sich die Bauaufsicht über die Grundzüge der Planung hinweg: Der leerstehende Teil des historischen Bauensembles
    darf abgerissen werden. Stattdessen darf auf der Fläche des ehemaligen parkartigen Gartens entlang des Hochstadenrings gebaut werden. Eine Überschreitung der seitlichen Baugrenze um 26 m ist doch kein Problem und auch nicht eine Erhöhung von zulässigen max. 2 auf 4 Geschosse plus Staffelgeschoss.
    Wozu das Ganze erhalten und pflegen?
    A. Macke hat in mehr als einem Bild das bauliche Umfeld seines Atelierhauses dokumentiert. Das reicht doch! Schließlich wurde das “wichtigere” Atelierhaus nur aufgrund von Bürgerprotesten erhalten und
    wer sich für die Geschichte des Wirkungsortes von A. Macke interessiert, kann sich doch die Bilder in Museen oder Büchern anschauen.
    Auch ein Bild von der jungen Blutbuche ist vorhanden und hängt im ehemaligen Atelier. Das reicht doch!
    Da kann man auch noch abweichend vom Bebauungsplan und der vereinbarten Ersatzpflanzung eine Tiefgarage unter dem ganzen Grundstück genehmigen.

    Laut Herrn Dormagen sind diese ganzen Abweichungen vom Bebauungsplan städtebaulich vertretbar.

    Wozu dann ein zeitaufwändiges Bebauungsplanänderungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung und Beratungen in den Ratsgremien, schließlich ging es auch um einen guten Zweck?

    Vor nunmehr 2,5 Jahren wurden im stillen Kämmerlein einem zahlungskräftigen(?) Investor diese üppigen Befreiungen vom Bebauungsplan erteilt, schließlich sollte dieser möglichst schnell Wohnungen im sozialen Wohnungsbau errichten können. Trotz dieser tollen Unterstützung hat der Investor mit dem Bau bis heute noch nicht angefangen.
    Das Grundstück verkommt, eine richtiger Schandfleck in direkter Nachbarschaft zum Macke-Haus!

    Hat sich die Verwaltung in diesem Fall etwa von einem auswärtigen rheinischen Gaukler oder gar Spekulanten täuschen lassen, der gar nicht vor hatte, das Grundstück selbst zu bebauen, sondern gewinnbringend weiter zu verkaufen? Lacht sich der “Investor” über die ihm zugestandene deutlich höhere Ausnutzung des Grundstücks heimlich ins Fäustchen?

    Wie lange werden wir aufgrund der Investorenfreundlichkeit des Bauordnungsamtsleiters Dormagen noch
    die desolate Situation im unmittelbaren Umfeld des August Macke Hauses ertragen müssen?

  7. irritiertes Nordlicht sagt:

    @ Werner Rambow

    Was alles ist Stadtbaurat Wingenfeld bereit zu opfern, um seine Herzensangelegenheiten umzusetzen?

    Hier die Zerstörung eines kulturhistorisch bedeutsamen Stadtgefüges, dort (OBI etc.) die Gesundheit der Anwohner und in Beuel Lebensraum seltener Tiere. Alles die selben Masche: Im Verborgenen (allein oder
    im Klüngelclub?) Pflöcke setzen und anschließend Kritikern erklären, sorry, Rücknahme nicht möglich,
    Schadensersatz.

    Sorry, dass die Grenzwerte bereits heute überschritten sind.
    Sorry, dass dort von Aussterben bedrohte Tiere leben.
    Sorry, dass die zum Abriß freigegebene Bausubstanz ein Spiegelbild für das Schaffen von A. Macke in Bonn ist.
    Das haben wir alles nicht gewußt.

    Diese Kriterien gehören zum Standard jeder Erstprüfung eines Projekts, zumindest in den umliegenden “Dörfern”.

    Wird das, was unter den “Volksparteien” SPD, der sozialen Gerechtigkeitspartei, und der christlichen, Erhaltung der Schöpfung-Partei, begonnen wurde nahtlos unter Schwarz/Grün fortgesetzt?

    Werden Ihnen die Grünen aus der Ratsfraktion erklären, sorry, halt den Mund, wir werden Dir helfen, die Kröten über die Strasse zu tragen (oder Echsen?), wir wollen doch die Koalition mit der christlichen Partei wegen ein paar kleiner Tiere nicht gefährden?

  8. Werner Rambow sagt:

    @irritiertes Nordlicht
    Die Stadtratsfraktion der Grünen hat keineswegs vor, dass ich den Mund halten soll. Vielmehr sind die Fraktionsarbeitskreise der grünen Ratsfraktion für Planung und für Umwelt genauso empört über das Verwaltungsvorgehen bei dem Verkauf und der Bebauungsplanänderung zum Grundstück an der Gartenstraße in Beuel. Eine schwarz-grüne Zusammenarbeit auf Stadtebene führt doch nicht automatisch dazu, dass unser gemeinsamer Einsatz für Umweltschutz und für eine sinnvolle Stadtentwicklung nicht mehr stattfindet.
    Und meine Vorschläge für einen großzügigen, ortsnahen und frühzeitigen ökologischen Ausgleich teilen auch die Grünen auf Stadtebene.

  9. irritiertes Nordlicht sagt:

    @ Werner Rambow

    Wenigstens wegen Beueler Themen sind sie empört! Danke für die Info.

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