Von Failed States und neuen Denkmustern

Bonn: Politik ging, Politik blieb

22. Juni 2010.

Bonn ist Wissenschaftsstadt. Auch wenn der Pomp der Bundespolitik sich zum größten Teil aus dem Staub, auf nach Berlin gemacht hat. Der Wissenschaftsstandort Bonn hat noch immer seinen Charme, dies zeigte die jüngste (Internationale) Konferenz des BICC (“Security Apparatuses in Authoritarian and Fragile States  – Functions and Reform Potentials“) im Wissenschaftszentrum in der Ahrstr. am 17.und 18. Juni.

Das BICC (Bonn International Center for Conversion) macht das zum Thema, was der Außenstehende nach dem endgültigen Umzug des Bundestages 1999 kaum noch in Bonn vermutet: Politk und Politikberatung auf den Metaebenen Bund, Europa und der Welt.

So handelte die Konferenz von einem Thema, dass angesichts der aktuellen Schlagzeilen und Medienmeldungen zum deutschen Einsatz in Afghanistan kaum akteueller sein könnte:

Sicherheit in scheiternden und gescheiterten Staaten („Failed States”). Welche Chancen bestehen, welche Lehren sind bis jetzt zu ziehen und muss generell im Umgang mit diesen Gesellschaften umgedacht werden?

Ja, es muss umgedacht werden, so lautet der Tenor des internationalen und hochkarätig besetzten Panels.

„Wir haben ein zentrales Problem: Dem Westen fehlt das Verständnis für die Umstände und Gesellschafsformen vor Ort,” stellte Alice Hills von der University of Leeds und UN Beraterin bei Peacekeeping-Operations fest, „wir reden immer von Sicherheit, wissen aber gar nicht, worüber wir wirklich reden.”

Neue Perspektiven eröffnen und unsere eigenen Werte zu überdenken, das wird der Schlüssel zur Stabilität sein, so auch der rennomierte Politikwissenschaftler Ulrich Schneckener von der Universität Osnabrück: „Jede Gesellschaft händelt das Problem von Gewalt und Sicherheit auf ihre eigene Art und Weise. Das uns bekannte Modell des staatlichen Gewaltmonopols ist dabei – historisch und aktuell im Vergleich – eine Ausnahme.”

Tatsächlich arbeitet die Wissenschaft immer stärker heraus, dass die bisherigen Strategien im sog. „State-Building” keine langfristigen Lösungen bieten. Das bestätigt auch das von den führenden deutschen Konfliktforschungsinstituten kürzlich herausgegebene „Friedensgutachten 2010″: „Sofern es überhaupt noch gelingt, Krisengebiete zu stabilisieren, werden traditionelle Machtstrukturen stärker berücksichtigt und Abstriche bei Demokratie- und Menschenrechtsstandards gemacht werden müssen,” heißt es.. Worte die vor Jahren noch undenkbar gewesen wären.

Denn über die Jahre des Kalten Krieges dominierte in der internationalen Politik die Denkschule des „Realismus”. Macht, Abschreckung, das Recht des Stärkeren waren die zentralen Dankmuster. Die Einbindung von Akteuren und vor allem der Dialog über Normen, Werte und die Beschäftigung mit den Identitäten vor Ort kamen dabei viel zu kurz. So konnte diese Art der Wissenschaft weder den Mauerfall vorhersagen, noch die Krisenherde der heutigen Welt langfristig befrieden.

Doch ob die neue Strategie Früchte tragen wird, wird sich erst in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zeigen. Und sehr wahrscheinlich wird dabei eins der Fall sein: Bonn als Wissenschaftsstandort bleibt am Puls der Zeit.

Foto: Montage wikipedia/ccc

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