23. Juni 2010.

Es ist eine spektakuläre Einleitung. Auf den Großleinwänden des Bundestags-Plenarsal wechseln sich Flut, Dürre, Licht, Leid und Schatten in dolby digital und schneller Schnittfolge ab. Conny Czymoch setzt sich und ihre Gäste in Showmastermanier in Pose: Deutsche Welle Intendant Erik Bettermann, Bonns Oberbürgermeister Nimpsch, Staatsminister des Auswärtigen Amtes Werner Hoyer und weitere Prominenz aus Wirtschaft und Medien säumen die Sitze rund um den blauen Teppich des Plenarsaales. Und ausgerechnet bis auf den Intendanten des größten deutschen Auslandssenders spricht die ganze Veranstaltung perfektes Englisch.

„The Heat is On – Climate Change and the Media” lautet der Titel des diesjährigen Global Media Forums, einer journalistischen Fachkonferenz zum Austausch, zur Positionsbestimmung und – der Eindruck bricht zeitweise Durch – zur Selbstinzinierung der Deutschen Welle und ihrer aus aller Welt angereisten Partner. Es geht um den Klimawandel – aber nicht primär um Risiko, Chancen und Bewältigungsansätze, sondern um die Rolle der Medien als Vermittler um Darstellungsmöglichkeiten mit ihrer Verantwortung gegenüber den Bürgern. Es geht um den Transport von Wissen in die Köpfe, um Verantwortung, so die einhellige Botschaft der Gäste des Plenums.

Der Klimawandel soll also auf die mediale Tagesordnung. Ist dies das generelle Umdenken der Medienindustrie? Es scheint kaum zu glauben, haben wir es doch gerade im Bereich der Massenunterhaltung oft mit psychologisch ausgeklügelten Schemata zu tun, die, alles andere als das geistige Wachstum der Menschen im Sinn, vielmehr bewusst auf bestimmte Reaktionen des Publikums schielen.  Und auch Medienmacher sind Geschäftsleute. Emotionen, Angst und Empathie sind Mechanismen, die Nachfrage erzeugen und die nahezu jedes Individuum bewegen, gleich welchen Alters, aus welchem Milieu oder mit welcher Hintergrund: Der „Medianleser”, der „Medianzuschauer” wird angesprochen. Der Klimawandel passt perfekt in das Geschäftsmuster. Zum einen gut, zum anderen problematisch.

Bereits in den 70er Jahren wurde dabei mit der Theorie des „Zyklus der Medienaufmerksamkeit” (Anthony Downs) auf ein weiteres Phänomen aufmerksam gemacht: Medien berichten nur in begrenzten Zeiträumen von bestimmten Themen. Sowie die Demographie-Entwicklung in Deutschland, die bereits drei Zyklen der Medienaufmerksamkeit durchlebt hat (um 1900, um 1972 und wieder um 2002), ist das Thema Umwelt nicht ganz neu. Ende der 80er Jahre kam die Globale Erwärmung auf die politische und mediale Tagesordnung, geriet Anfang der 90 leicht in Vergessenheit, bekam einen neuen Schub durch Kyoto und steht mit Kopenhagen auf einem neuen Höhepunkt.

Doch es gibt natürlich auch Chancen, die diese Neuausrichtung auf den Klimawandel hat. Es eröffnen sich Handlungsfenster in Gesellschaft und Politik, dieses tatsächlich essentielle Thema anzugehen. Allerdings verlangt der Klimawandel langfristige, zähe Lösungen mit Weitblick. Doch halten die Medien so lange durch? Es könnte bei zu vielen Rückschlägen ein Thema wieder aufleben, das die letzten beiden Jahrzehnte, insbesondere durch die Privatisierung von Medien, immer wieder dominiert hat: Krieg, Gewalt, Terror, nicht der Kampf Mensch gegen Natur sondern Mensch gegen Mensch.

So hat die Berichterstattung des deutschen Fernsehens zum Thema Krieg und Terrorismus insbesondere seit Anbruch des Zeitalters des Privatfernsehens stark zugenommen : Der Anteil im Themengebiet der internationalen Politik hat von 1992 bis 2004 Schritt für Schritt von 20 auf 57 Prozent zugenommen. Hauptfaktoren für den journalistischen Auswahlprozess: Einfluss, Faktizität, Agression und Visualität. Eingreifmöglichkeiten des Zuschauers: Wenig, Emotionen: Hoch, Nachfrage: Nahezu zeitlos.

Daher sind die tatsächlichen Fragen, die gestellt werden müssen die, die auf dem Global Media Forum in Diskussionen und Workshops weitestgehend ausgeblendet wurden. Wie gestalten wir die Diskussion um das Klima langfristig und gleichzeitig ansprechend? Und wie geht man mit Konkurrenz um, die die gewaltigeren, blutigeren und schockierenderen Bilder zeigt? Der Zusammenhang zwischen Konflikten und Klimawandel ist nicht unbekannt, aber kompex und schwer zu vermittlen, so auch der südafrikanische Konfliktforscher Walter Lotze auf dem GMF. Vielleicht ist aber dies eine Chance, langfristig Lösungen und Aufmerksamkeit zu schaffen. Was auf jeden fall verhindert werden muss, ist dass das Thema Klimawandel von den Medien ausgelutscht und unwiederbringlich verheizt wird, wie fossile Brennstoffe zum gegenwärtigen Zeitpunkt.

Foto: DW/K.Danetzki

  1. extrem gelangweilt sagt:

    Klimawandel holt keine Katze mehr hinter dem Ofen hervor. Das lohnt den Webspace nicht. Genießt den Sommer und geht ins Schwimmbad, bevor es geschlossen wird!

  2. BonnerLinker sagt:

    Nürburgring am Ende,dilettantismus beschert der berühmten Eifelstrecke das Aus.
    Gibt es Paralelen zum WCCB,ich glaube ja und unbedingt.
    http://www.swr.de/betrifft/nuerburgring-formel-eins-beck-becker/-/id=98466/nid=98466/did=6231454/1divjnc/index.html

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