29. Juni 2010.

Menschen sind unterschiedlich. Das ist allein noch keine Neuigkeit. Menschen reagieren auch unterschiedlich auf das, was sie sehen. In der Medienpsychologie gibt es wohl auch deswegen acht anerkannte Theorien, die die Wirkung von Gewalt von Bildern auf den Zuschauer erklären.

Einen völlig anderen Eindruck bekamen die Zuhörer des Workshops “Picturing global warming and its consequences – Do we need a conflict sensitive approach?” Auf dem Global Media Forum letzte Woche in Bonn.

Der Fotojournalist und Konfliktforscher Felix Koltermann moderierte dort eine Runde, die nicht anzuzweifeln schien, dass Bilder von Not und Elend eine stimulierende Wirkung hätten. Tatsächlich ist auch dies irgendwo in der Wissenschaft bewiesen: Prosoziales Verhalten ( oder die Frage: Warum helfen wir eigentlich anderen) nennt man diesen Bereich. Doch stand dies etwas im Kontrast zum eigentlichen Thema: Konfliktsensitiver Journalismus, also Friedensjournalismus, soll eigentlich qualitativ hochwertig und ausgewogen von allen Seiten im Konflikt berichten, sodass sich besonders viele Menschen eine ausgewogene und durchdachte Meinung bilden können. Dass Emotionen da im Weg stehen können ist hinlänglich bekannt. Und dass nicht jeder, der mit emotionalen Bildern konfrontiert wird sensibilisiert wird wohl auch, wie auch Peter Bitzer, Chef der Fotoagentur Laif bestätigte. Dass eine Balance benötigt wird, die teils emotional ist, dabei aber noch Raum für eigenes Denken lässt, fand keine Erwähnung. Genau, wie die vielen Erklärungen zum Einfluss von gewalttätigen Bildern auf den Menschen.

Denn da ist zum einen – die Fußball WM lässt Grüßen – die „Karthasisthese”. Sie geht auf Aristoteles zurückt und die besagt, das Ansehen von Gewalt, Wettkampf oder auch einfach Sport würde das innere des Menschen reinigen und Aggressionen abbauen. Sie steht im Gegensatz zu den Lerntheorien, die einfach sagen, Gewalt wird als Lösungsmittel antrainiert, es gibt gar keinen inneren Trieb dazu. Und natürlich gibt es noch diejenigen, die behaupten, die Angst, die wir spüren, wenn wir Gewalt sehen, bewirkt eine Hemmung der eigenen Aggression, keinen echten Abbau. Alles irgendwo wissenschaftlich bewiesen, alles nachvollziehbar und wahrscheinlich bei jedem anders. Je nach dem, eben, ob man sich mit dem Opfer oder dem Täter identifiziert oder welche Erfahrungen man generell im Leben gemacht hat.

Große Teile z.B. der Ältern, noch lebenden Kriegsgeneration lehnt Gewalt und Elend in Spielfilmen ab. Wer die Bomardements von Dresden oder Hamburg miterlebt hat, hat sicherlich kein Interesse daran, sich so unterhalten zu lassen. Aber auch jüngere, die relativ konfliktfrei aufgewachsen sind, können bei Bildern von Gewalt und Elend eher dazu tendieren die Augen zu schließen. Eine ganz normale Reaktion des Gehirns, um sich vor Überlastung zu schützen. Kurzum: Die menschliche Psyche ist ein undurchdringlicher Sumpf, das Herausfinden von Ursachen von Verhalten und Gefühlen eine schier endlose Odyssee und die Ergebnisse am Ende unter ständigem Beschuss der Theoretikern der Gegenseite.

Mit den Ansätzen der Augsburger Kommunikationsforscherin Elke Grittmann, insbesondere beim Klimawandel werden in den Medien Kathastropehenbilder, Not und der Westen als „Täter” überrepräsentiert, anstatt dass auf die Lösungen vor Ort zu geschaut werde, lieferte einen guten Anfang für den Workshop. Doch die Diskussion fokussierte sich schnell auf die Macht von Bildern und ihre Wirkung. Allerdings ohne den psychologischen Unterbau, der noch am Tag zuvor in einem andern Workshop ausführlich behandelt worden war. Doch der selbstbestätigende Charakter Panels war ein generelles Problem des eigentlich als Diskussionsveranstaltung angekündigten GMF 2010.

Foto: DW/K. Danetzki

Konstruktive Kommentare bevorzugt

Bitte bleiben Sie beim Thema des zu kommentierenden Beitrags. Sie können anderer Meinung sein, aber vermeiden Sie persönliche Angriffe. Verwenden Sie einen eindeutigen Namen in den Kommentaren, so dass ersichtlich bleibt, wer hier mit wem diskutiert. Spam und Werbung sind im Kommentarbereich nicht erlaubt. Neben den Kommentaren besteht auch die Möglichkeit einen Artikel einzureichen, bitte wenden Sie sich dazu an: mein-artikel [at] rheinraum-online.de

Schlagworte: , ,

Artikel zum gleichen Thema

Zum Artikelarchiv ...

Vorheriger Artikel:

Nächster Artikel:

Artikel RSS
Kommentare RSS
rhein:raum Twitter