Die Nachhaltigkeit von Briefmarken

Treffen alternativer Nobelpreisträger in Bonn

30. Juli 2010.

Preisstifter können es schwer haben. Der mittlerweile berühmt gewordene schwedische Industrielle Alfred Nobel hinterließ 1894 nach seinem Tod ein großes Vermächtnis, das laut seinem Testament zu einer Stiftung umgewandelt werden sollte. Seine Verwandtschaft sträubte sich und brauchte zwei Jahre, bis sie das Testament anerkannte. Aus der Öffentlichkeit kam Kritik und vor allem den damalige König der Norwegisch-Schwedischen Union, Oskar II, störte es, dass so viel Geld an Ausländer vergeben werden sollte. Denn es steht ausdrücklich in Nobels Testament, dass Skandinavier nicht bevorzugt werden sollten.

Im Jahr 1980, also 79 Jahre nach der Verleihung des ersten „Nobelpreises“, fragte Jakob von Uexküll, Journalist und zeitweise Mitglied im Europäischen Parlament, beim Nobelpreiskomitee an, ob nicht auch eine Kategorie „Ökologie und Entwicklung“ eingerichtet werden könne. Die Idee Nobels, diejenigen zu belohnen, die „im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“ ließe sich schließlich nicht nur auf die Bereiche der Physik, Chemie, Medizin, Literatur und für Friedensbemühungen anwenden. Gerade in der modernen Zeit sei Nachhaltigkeit einer der größten Dienste an der Menschheit.

Das Nobelpreiskomitee lehnte den Vorschlag ab.

Der leidenschaftliche Briefmarkensammler und -experte (Philatelist) von Uexküll nahm darauf die Sache selbst in die Hand: Er verkaufte große Teile seiner wertvollen Briefmarkensammlung und rief kurzerhand den „Right Livelihood Award“ (z.dt.: Preis für die richtige Lebensweise) ins Leben. 30 Jahre nach dessen Gründung treffen sich vom 14.-19. September rund 80 mit diesem mittlerweile im Volksmund als „Alternativen Nobelpreis“ bezeichneten Ausgezeichnete in der Bundesstadt Bonn.

Mit ihrer Konferenz kursWECHSELN wollen die Preisträger richtungsweisende Strategien für eine nachhaltige und sozial gerechte Zukunft erarbeiten und mit den Bürgern in Kontakt treten. So haben Schulen, Stiftungen, Vereine, Universitäten, Unternehmen und politische Einrichtungen die Möglichkeit, in eigenen Veranstaltungen mit den Gästen aus aller Welt zu diskutieren und Standorte zu bestimmen.

Oberbürgermeister Jürgen Nimpsch begrüßt diese Veranstaltensreihe ausdrücklich:

„Dass die Preisträger, die über Grenzen hinweg denken und die Lösungen globaler Probleme voranbringen, sich am internationalen Standort Bonn treffen, dessen wichtigstes Handlungsfeld die nachhaltige Entwicklung der Welt ist, passt ausgezeichnet zusammen,“ so der SPD Politiker in seinem Glückwunschbrief an die vier Ausgezeichneten des letzten Jahres.

Und letztendlich schließt sich ein Kreis. Mit dem vielbeworbenen E-Brief eines großen deutschen Logistikunternehmens mit Sitz in Bonn wird die Briefmarke womöglich bald aus dem Alltag und unserem Gedächtnis verschwinden. Von Uexküll hat – wenn man so will – ein Zeitfenster genutzt, um aus veralterten Technologien etwas Anerkanntes und Nachhaltiges zu schaffen. Eine Leistung, die zwar nicht an die Sprengkraft von Nobels Dynamit herankommt. Aber dennoch, bei allem Respekt vor dem schwedischen Komitee, im Sinne seiner Stiftung wäre.

Link zum Programm von kursWECHSELN

Foto: Right Livelihood Award

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