Atomkraft, nein danke!
Mal richtig abgeschaltet
22. August 2010.
Wer will das bei 32° im Schatten nicht: Mal richtig abschalten! Mehr als 80 Menschen waren dem Aufruf des Bonner Bündnisses für den Atomausstieg und campact.de gefolgt und richteten sich auf dem brütend heißen Münsterplatz gemütlich ein. Sie machten es sich im Bikini oder leichter Urlaubskleidung auf Liegestühlen und unter Sonnenschirmen bequem, ein Planschbecken wurde für die Kleinen aufgeblasen und chillige Musik erklang aus dem Lautsprecher.
Mehrfach sprangen sie auf ein Signal hin auf und entfalteten Plakate mit der Aufschrift „Schwarz-Gelb: Atomkraft abschalten”. Mit der Aktion forderten die Demonstranten den Bonner Bundestagsabgeordneten Guido Westerwelle auf, sich gegen die geplanten längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke zu stellen. Anschließend zog der bunte Haufen durch die Bonner Fußgängerzone und zog erstaunte Blicke auf sich. Immer wieder ließen sich die Demonstranten auf dem Pflaster nieder richteten sich wieder gemütlich ein. Das Interesse der Passanten war groß, die Info-Blätter wurden gern entgegen genommen.
In kurzen Ansprachen wurde darauf hingewiesen, dass die Mehrheit der Menschen im Land die Atomkraft endlich abschalten will. Jetzt nähmen die Wähler ihre Abgeordneten in die Pflicht. Sie müssten die Interessen der Bevölkerung vertreten anstatt die von Atommanagern, die mit längeren Laufzeiten lediglich nach Zusatzprofiten gieren.
Außerdem wurde zur bundesweiten Anti-Atom-Demonstration am 18. September in Berlin aufgerufen, zu der zehntausende Menschen erwartet werden.
Bundesweit beteiligten sich mehr als 4000 Menschen in 41 Städten an dieser Aktion. Sie hat viel Spaß gemacht und für echte Aufmerksamkeit gesorgt. Der schwarz-gelben Koalition in Berlin wurde klar gemacht: Ein Sommerloch gibt es für Anti-AKW-Aktivist/innen nicht. Sie demonstrieren auch noch beim Entspannen!
Als hätte sie es bewusst abgestimmt, lädt die Bonner FDP für den 29.08.2010 um 10:30 Uhr zum liberalen Sommer-Jazz auf dem Dach der Bundeskunsthalle ein. Teilnehmen wird Guido Westerwelle und NRW-Landesvorsitzender Andreas Pinkwart. Die Veranstaltung ist öffentlich. Ist das nicht eine wunderbare Gelegenheit, Herrn Westerwelle einmal ganz entspannt persönlich unsere Meinung mitzuteilen?
Am Samstag, den 18. September wollen Atomkraftgegner aus der ganzen Bundesrepublik das Regierungsviertel in Berlin komplett „umzingeln”. Zu der Großdemonstration haben zahlreiche Umweltverbände, Bürgerinitiativen, Parteien und Gewerkschaften aufgerufen. Informationen zu Sonderzügen und Bussen nach Berlin und dem Ablauf der Demonstration gibt es unter www.anti-atom-demo.de
Infos zu Tickets und Abfahrtzeiten des Sonderzuges in Bonn gibt es unter www.antiatombonn.de.
Foto: Joker











Lustig, komme gerade aus London, wo Energieversorger damit werben, dass sie die Energie von morgen unterstützen und CO2-frei in die Zukuft gehen – mit Atomkraft.
Die Öffentlichkeit ist nur in Deutschland so kritisch gegen Atomkraft eingestellt, ihr seid ziemlich alleine.
Gewinne privatisieren, Risiken auf die Gesellschaft abwälzen. Was für manchen Konzernchef traumhaft klingen mag, könnte schnell zum Alptraum werden. Dass diese Konstellation geradezu systematisch zur Selbstüberschätzung verleitet, hat zuletzt die Finanzbranche gezeigt. Denn wer Gewinne behalten darf, Verluste aber bezahlt bekommt, wird mehr riskieren als jemand, der auch für seine Verluste gerade stehen muss.
Atomkraftbetreiber stricken ihr Geschäftsmodell nach dem gleichen Muster. Auch sie riskieren Werte, die ihre eigenen Kräfte um ein Vielfaches übersteigen. Etwa Leib und Leben tausender Generationen, oder viele Billionen Euro, die im Fall eines Reaktorunglücks fällig würden. Platzt dieser Kredit, wäre die aktuelle Finanzkrise dagegen nur ein lästiger Schluckauf.
Auf Kosten der Allgemeinheit können Kernkraftbetreiber somit künstlich billig produzieren, Konkurrenz klein halten und astronomische Gewinne einfahren. Aus Konzernsicht mag das klug erscheinen. Kluges Regierungshandeln bestünde jedoch m.E. darin, solche gefährlichen Konstellationen zu vermeiden. Man fasst es nicht, dass unsere jetzige Regierung trotz der Erfahrungen aus der Finanzkrise immer noch Laufzeitverlängerungen durchdrücken will!